Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts – Analysen, Motive

Analysen zu den beiden ersten Kapiteln:

Untersuchung des Motivs „Singen und Musizieren” – Skizze einer Gliederung:

1. Die Welt der Musik ist die Gegenwelt von Arbeit und Mühe.
– Die Vögel zwitschern, vgl. Ruf des Goldammers!
– Die anderen arbeiten, der Taugenichts bricht, durch Musik gerufen, musizierend auf.
– Durch seinen Gesang wird Beziehung zum Adel hergestellt.
– Sein Musizieren wird vom Portier nicht geachtet.
– Zur Zeit seiner Anstellung verstaubt die Geige.
2. Die Musik ist Äußerung des Innersten und damit auch die Sprache der Liebe.
– Die schöne Frau, ein Engel, singt und spielt.
– Lied von der schönen Frau.
– Vor anderen kann der Taugenichts nicht singen, ohne sich zu schämen.
– Im Lied bekennt der Taugenichts seine Liebe, wird verstanden.
3. Die Musik als solche ist noch ambivalent, erst das freie Herz versteht sie.
– Die Jagdhörner bereiten ihm Vergnügen, sprechen dem Portier jedoch nur von Mühsal.
– Der Portier arbeitet sich beim Musizieren ab, den richtigen Musikanten blüht das Herz auf.
– Als er sich verlassen vorkommt, stößt das Ständchen ihn in noch größere Traurigkeit.
Ergebnis: Insgesamt ist die Musik, wenn sie aus dem Herzen kommt, mit der Natur verbunden und drückt Freiheit aus, ruft zum Aufbruch aus der Welt bürgerlicher Arbeit und Mühsal, ist Symbol des ewigen Sonntags und dessen, was nicht von dieser Welt ist.

Diese Gliederung ist nicht die einzig mögliche. Isabelle und Simone hatten folgende drei Leitgedanken, die praktisch mit meiner Gliederung übereinstimmen:

Isabel und Simone hatten folgende drei Leitgedanken, die praktisch mit meiner Gliederung übereinstimmen:
1. Die Musik ist eine Gegenwelt gegenüber der Welt der Arbeit und Mühe; Musik ist immer mit Natur verbunden.
2. In der Musik werden Gefühle geäußert; z.T. ist sie hierin ein Ersatz für die Sprache.
3. Musik allein reicht nicht aus; man muss sie mit dem Herzen interpretieren.

Mir ist eine andere Möglichkeit der Gliederung, die an den Personen orientiert ist, eingefallen:
1. Wie nimmt der Taugenichts Musik (und welche) auf?
2. Warum interessiert sie ihn?
3. Was drückt der Taugenichts mit Musik aus?
4. Wie nehmen andere Menschen (und wer) seine Musik auf?

Diese Hauptgedanken können noch unterteilt werden; ihnen müssten alle Belegstellen zuzuordnen sein. Nur wenn man so die Hauptgedanken systematisch entfaltet, kann von einem Verstehen die Rede sein, nicht jedoch, wenn man die Stellen „von oben nach unten“ locker miteinander verbindet und praraphrasiert.

Die Zeitstruktur der beiden ersten Kapitel
1. Kapitel
* Frühling (5/3 f.), am Vormittag (5/2-6): Der Taugenichts erwacht, bricht auf, singt beim Wandern und wird zum Mitfahren eingeladen;
* er fährt, er schläft (am Mittag: 7/12) ein (7/5-22);
* er erwacht im Schloss, begegnet verschiedenen Leuten und wird als Gärtnerbursche angestellt (7/23 – 8/27, ohne exakte Zeitangaben).
[Es folgt ein echter Erzählerkommentar (8/27-33).]
* Geraffte Erzählung von dem, was er täglich (8/34) im Garten tut; er denkt, wie er sich der schönen Dame annähern würde…
* Einmal wird er von ihr beim Singen überrascht (9/18 ff.) und bricht deshalb ab;
* am Abend bringt ihm die Kammerjungfer Wein (9/30 ff.), er spielt und singt bis in die Nacht.
* Am folgenden Tag meditiert er, ist mit sich unzufrieden (10/13 ff).
* Alle Tage (10/20 ff.) steht er nun zeitig auf und beobachtet die Dame (eine Woche lang, 11/7; kurzer Kommentar 11/6);
* einmal muss er jedoch niesen, schämt sich und kommt viele Tage (11/13) nicht mehr.
* Endlich (11/14) wagt er sich wieder zum Beobachten hinter den Strauch, sieht aber nur die Dicke; er wird verdrießlich, da er die schöne Frau viele Tage nicht sieht (- 11/34).
* An einem Sonntagnachmittag (11/35), als er einsam ist, beauftragt ihn die Gesellschaft zum Rudern und Singen; die schöne Frau hört sein Lied von der schönen Frau (-14/21); am Ende ist er traurig-ergriffen.
2. Kapitel
* Eines Morgens wird er frühzeitig zum Einnehmer befördert (-15/20).
* Sogleich bezieht er die Wohnung und richtet sich dort ein (-15/28).
* Den ganzen Tag sitzt er nun vor dem Haus (15/29 ff.) und denkt auch nach.
* Er baut Blumen an und legt alle Tage einen Strauß auf einen Tisch im Garten (16/10 ff.).
* Eines Abends bekommt er Streit mit dem Portier (16/27 ff.);
* er bringt „auch heute“ (17/25) den Blumenstrauß zum Tisch, wird dabei von der schönen Frau überrascht und gesteht ihr seine Liebe – sie nimmt die Blumen an (-18/14).
* Seit diesem Abend ist er unruhig, zerstreut beim Rechnen, verliert den Spaß am Sitzen; der Postwagen reizt ihn zum Aufbruch (18/15 ff.); die Blumensträuße werden nicht mehr geholt (19/21 ff.), er ist verstört und lässt das Unkraut wachsen [„kritische Zeitläufte“].
* Einmal kommt die Kammerjungfer und gibt ihm den Auftrag, Blumen zu besorgen (19/34 ff.); er versucht sie zu küssen;
* nun bringt er den Garten in Ordnung (21/1 ff.),
* klettert in der Nacht mit den Blumen auf einen Baum, denkt an die schöne Frau;
* die beiden Frauen kommen, um die Blumen zu holen (22/28 ff.);
* er sieht das Paar auf dem Balkon (24/20 ff.) und versinkt in einem Abgrund des Nachsinnens (25/8 ff.).
* Die kühle Morgenluft weckt ihn (25/15), Vögel und Morgenstrahlen rufen, er sieht weit ins Land; da packt ihn die Reiselust (25/33 ff.),
* er nimmt die Geige (26/21) und wandert los (26/24).
* Im Wandern singt er und entfernt sich (noch am Morgen 26/35) von Wien (26/25 ff.), er zieht gen Italien hinunter (-27/3).

Es werden die Ereignisse weniger Tage episodisch erzählt; die übrigen Ereignisse werden zeitraffend erzählt. Die Unbestimmtheit in vielen Zeitangaben und v.a. der Dauer des Aufenthaltes im Schloss sind Merkmale eines volkstümlichen Erzählens; an manchen Stellen weist das Geschehen ohnehin märchenhafte Züge auf. [„auch heute“ ist eine Störung der Perspektive – „heute“ ist im strengen Sinn der Tag, an dem erzählt wird!]
Was ist dem Erzähler also wichtig? Es ist der Aufbruch, die Fahrt und die Ankunft im Schloss; es ist der Tag der ersten glücklich-zufälligen Begegnung mit der schönen Frau; es ist der kleine Unfall des Niesens (Störung); es ist der Tag, an dem er ihr in Gesellschaft begegnet und sein Lied von der schönen Frau vorträgt (was beide wohl auf sie beziehen). – Im 2. Kapitel sind wichtig: die Beförderung zum Einnehmer; die zweite persönliche Begegnung mit der schönen Frau, das Liebesgeständnis; die Ereignisse der letzten Nacht (Hoffnung, Enttäuschungen) und der Aufbruch zur Reise nach Italien.
Man kann nun noch berechnen, wie viel Zeit (technisch: wie viele Seiten/Zeilen) der Erzähler sich für welche Ereignisse nimmt: Es sind vor allem die Tage der Ankunft und der Abreise vom Schloss, seine Beförderung zum Einnehmer sowie die beiden Tage, an denen der Taugenichts indirekt im Lied und direkt der schönen Frau seine Liebe gesteht. – Genauso könnte man auflisten, was ihm nicht so wichtig ist.

Der Taugenichts als Figur (Kap. 1 und 2)
Von anderen wird er als ein Taugenichts (5/9 f.), ein fauler Bengel (11/32), ein Lümmel (23/30) gesehen: Alle guten Lehren nützen nichts (8/21 ff.); er achtet nicht auf die Worte des gelehrten Herrn (14/9-11);
* er versteht auch auffallend oft nicht, was geschieht (wie es im Schloss zugeht 7/31 ff.; wie er Gärtnerbursche geworden ist 8/29 ff., vgl. 10/6 und 24/10 ff.; was ein anderer sagt, weil er selber noch schläft 15/6 f.; wieso er wieder aufbricht 25/33);
* Arbeit liebt er nicht – sein Aufbruch ist ein Flucht davor (S. 5 mehrfach); im Garten muss er leider arbeiten (8/36), doch weiß er sich der Arbeit zu entziehen (9/3 ff.); die Zustimmung zu seiner Anstellung erklärt er sich aus seiner Herzensangst (8/15 f.);
* seine Gedanken sind auf Redensarten beschränkt (8/33 und v.a. 10/13 ff.); die Einschätzung, dass er „Gott sei Dank, im Brote“ (8/33) ist, also eine Anstellung gefunden hat, passt gar nicht zu seinem Taugenichts-Aufbruch (S. 5!) – es liegt aber auch keine ironische Sicht des Sprechers vor, sondern er übernimmt hier die normale Sicht bzw. Redeweise der Leute. Man könnte in dieser Äußerung sehen, dass er auf dem Weg zum Philister ist (vgl. S. 14 f.); man kann darin aber auch eine objektive Ironie sehen, eine Diskrepranz zwischen dem momentanen und wahren Taugenichts;
* Musik ist sein Element, weil letztlich sein Herz voller Klang ist (6/20); durch die Musik wird er zum Schloss befördert (6/25 ff.) und nähert er sich auch der schönen Frau an (9/19 ff.; 13/20 ff.), ebenso durch die Blumen (16/21 ff. und 17/25 ff.);
* Frauen findet er insgesamt schön (6/22 ff.; 11/20 ff.; 20/31 f.), doch ist seiner schönen Frau keine zu vergleichen (12/34 vs. 11/23). Sie erscheint ihm in allem, was er sieht (21/1 ff.). Ihr Blick geht ihm durch Leib und Seele (13/15 ff.), auch wenn ihren Blick nicht als Blick der Liebe versteht (18/8 ff.); eine größere Nähe als des Blicks wird ihm nicht gewährt, ist vielleicht auch nicht möglich.
Der Taugenichts ist wesentlich im Aufbruch, zu Beginn vom Vater geschickt und vom Frühling gerufen (5), am Ende von der Liebe (18/15 ff.) ebenso wie von der Enttäuschung (25/8 ff.) getrieben, wobei die Post, die blitzenden Augen, das Posthorn (19/8 ff.) ebenso die Einladung zum Reisen aussprechen wie die Morgenstrahlen und die Ferne (25/25 ff.). Er hat keinen Namen, doch weil er dem Ruf voller Gottvertrauen (6/1 ff.) folgt, gerät ihm alles zum Guten. So kommt er auf der Reise im Schloss in einen Garten, der dem Paradies ähnelt (8/34), wo er auch seine schöne Frau trifft, die er verehrt, weil sie einem Engel gleicht (12/34 f.). Zwar leidet er am Standesunterschied (14/8 f., vgl. 7/8 ff.), an seiner Ziellosigkeit (6/29 f.) oder wenn er ertappt (11/7 ff.) bzw. beobachtet wird (9/27), doch tritt er auch ganz keck auf (6/25 ff.) und stellt sich vor, wie es wäre, ein Kavalier zu sein (9/8 ff.) – die Distanz zur Welt des Adels wird sowohl erlebt (12/20 ff. und 14/6 ff.) wie überbrückt.
Auch in der Liebe ist er von Missverständnissen betroffen (9/32 ff.; 20/15 ff. und dann negativ 23/9 ff.), meistens zu seinen Gunsten. Im Garten ist er zudem in Gefahr, nach der Beförderung zum Einnehmer zum Philister zu verkommen (15/21 ff.), doch retten ihn der Anbau der Blumen, die Missverständnisse in der Liebe und seine Bereitschaft aufzubrechen davor, als Philister zu versumpfen. [Dass seine Einschätzung von der Heirat seiner schönen Frau (24/10 ff.) ein Missverständnis ist, wird übrigens erst im Fortgang des Erzählens richtig klar, im 10. Kapitel, im zweiten nur andeutungsweise.]
Seine Empfindsamkeit lässt ihn einerseits leiden, weil er oder wenn er sich nicht geliebt glaubt (14/15 ff.; 19/32 f.; 25/8 ff.); anderseits lässt ihn dieses Leiden erneut aufbrechen (S. 25), wie ja auch das biedere Dorf, dem er gerade entflohen ist (S. 5), auf der Reise wieder als Heimat und kühler Grund erscheint (7/15 ff.).
So ist der Taugenichts immer unterwegs, von Gott geführt (6/1 ff.), die Liebe und die Heimat zu finden; dort wenn er irgendwo bleiben zu können scheint, wird er wieder zum Aufbruch gerufen: „Unser Reich ist nicht von dieser Welt.“ (26/20, eine Anspielung auf Joh 18,36 – er erweist sich so als echter Christ, dem es jetzt schon vergönnt ist, vorübergehend im Paradiesgarten zu leben und die marianisch reine Frau zu lieben).

Wenn einer sich mal im Netz schlau machen will:
http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Novellen/eichendorff/taugenix.htm
http://www.lehrer-online.de/dyn/9.asp?path=/taugenichts (eine U-Reihe)
http://www.xlibris.de/Autoren/Eichendorff/Werke/Aus%20dem%20Leben%20eines%20Taugenichts%20und%20Erz%C3%A4hlungen (Interpretation)
http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/werke/terhaar_eichendorff_taugenichts.pdf ( Carel ter Haar: Materialien, Kommentar) – sehr schlau (S. 25-28, S. 32 ff. und S. 40-49 zu lesen genügt)
http://odl.vwv.at/deutsch/odlres/res9/WebLit/Romantik/7b_D_Taugenichts.pdf (Schülerarbeit)

Methodisches P.S.: Die beiden ersten Kapitel so intensiv gesondert zu untersuchen ist deshalb berechtigt, weil sie bereits gesondert von Eichendorff veröffentlicht (und wohl auch konzipiert) worden sind; das sieht man deutlich an der Bemerkung des Erzählers Taugenichts, dass ihm gelegentlich eines von den Lieder wieder einfällt und er dann wehmütig wird „- und ach das alles ist schon lange her!“ (11/5 f.); diese Bemerkung passt nicht zur Situation am Ende der Novelle, sondern ist nur verständlich, wenn er eben auf die schöne Frau verzichten muss. Vielleicht deutet auch die Tatsache, dass eine Bemerkung des Portiers zu Italien nachgetragen wird (28/1 ff.) – nachgetragen werden muss? – in die gleiche Richtung; das gilt auch für die nachträgliche Erwähnung der verstorbenen Mutter (35/10) und die Erklärung, woher er Aureliens Handschrift kennt (55/17 f.).

Ferner verdienen folgende Themen Beachtung:

Ambivalenzen
Es fällt auf, dass alles, was dem Taugenichts begegnet, ambivalent ist:
Er bricht in die Ferne auf, wird in die ferne Weite gerufen (56/36 f.) – aber kommt in die Fremde (58/22).
Italien ist sein großes Ziel (27/3 und wieder 101/4) – aber er begegnet dem falschen, unverständlichen Italien (80/24 ff.; 50/18).  Das enge Dorf verlässt er (5/26 ff.) – aber er hat damit die Heimat verlassen (7/16 f.), die er letztlich sucht. Rom ist einerseits die heilige Stadt (60/28 ff.) – anderseits die Stadt der Heiden (61/11 ff. und 73/23 ff.).
Diese Ambivalenzen muss man mit dem Wandern zusammendenken: Weil man nie das trifft, was man gesucht hat, muss man weiterwandern; nur so kann man verstehen, dass am Ende des erzählten Geschehens eine neue Reise nach Rom angekündigt ist. Hier scheint das christliche Motiv durch, dass wir nur Gast (Wanderer) auf Erden sind und dass unsere wahre Heimat bei Gott ist.

Missverständnisse
Aus dem Genannten erklären sich auch die „richtigen“ Missverständnisse: Der Taugenichts erliegt ihnen, weil er der Ambivalenz erliegt und in den Dingen und Menschen etwas findet, was nicht „drin“ ist, worüber er traurig wird – was ihn zum Aufbruch nötigt.
Daneben gibt es die Missverständnisse, dass Taugenichts für eine Gräfin gehalten und entsprechend behandelt wird, anderseits Erstaunen hervorruft, wenn die „Gräfin“ wie ein Mann raucht und trinkt… Diese auf die Verkleidung durch Herrn Leonhard (40/16 ff.) zurückgehenden Verwechslungen sind eigentlich nebensächlich und bilden einen Teil dessen, was besagter Leonhard später als „in einem Roman mitspielen“ bezeichnet (97/20). Der Sinn dieser Verwechslungsepisoden ist mir nicht ganz klar geworden – anderseits müssen Vertreter des Schlosses irgendwie von seiner Italienreise etwas mitbekommen, wenn man ihn von dort mittels eines missverstandenen Briefes (S. 55) bzw. einer Reise (67/27 ff.) zurückrufen können soll; am ehesten könnte man hier noch eine ironische Zeichnung des Romanschreibens erkennen, vgl. das nächste Thema:

„Kunst“ in der Novelle
Wir haben folgende Stellen als für das Thema relevant gefunden (neben dem normalen Musizieren des Taugenichts, das ja schon 5/34 ff.) erzählt wird: 13/5 ff.; 33/1 ff.; (35/10 ff.?; 57/30 ff.?) (Leben wie im Märchen S. 49-53?) 60/29 f.; S. 64-68; S. 70 f. mit 73/3; S. 75 f.; S. 83 ff.; S. 90 f.; 96/1-4; 96/35 ff.
Vielleicht lassen sich alle Personen und Aktionen auf eine Dreiheit zurückführen:
1. der wahre Künstler, der aus dem Volk stammt, dessen Kunst aus dem Herzen kommt oder der sie durch mündliche Überlieferung übernommen hat: der Taugenichts; ihm antwortet das Verständnis im Herzen, vielleicht auch sogar mit einem Lied (96/1-4);
2. derjenige, der die Kunst als Broterwerb betrachtet (die Wirtstochter als Typus): der Philister;
3. derjenige, der als Gelehrter die gerade modische Kunst konsumiert (13,5 f. u.ö.)
– 2. und 3. sind kritische Seitenhiebe.
In dem methodischen P.S. des vorhergehenden Aufsatzes habe ich zu zeigen versucht, dass die beiden ersten Kapitel ursprünglich für sich gedacht und in sich abgeschlossen sind; ich vermute, dass der Charakter des Schelmenromans nur den Kapiteln 3 – 10 anhängt, bei der Begegnung mit den beiden Reitern beginnt (S. 35) und in dem Motiv „einen Roman mitspielen“ (97/20) aufgehellt und im Sinn des Kunstbegriffs im „Taugenichts“ auch kritisiert wird. – Das ist jedoch ein Thema für sich.

Motiv „Reisen, Fahren, Wandern“ in den Liedern
Reisen – in der Natur sein – singen – Gott vertrauen [Gegensatz: Philisterleben] (S. 6);
Reisen – der Morgen – singen (s. 38 f.);
in die Fremde reisen – mit der Liebsten – Morgen (S. 54 f.);
Heimkehr des Wanderers – erwartet von Bergen, der Donau, dem Dom (S. 80);
summarischer Bericht vom Reisen (Lied der Studenten, formal mit einigen Brüchen, S. 90 f.).

Untersuchung des Motivs „Schlafen“ und „Träumen“ in den Kap. 1-6
Dass der Taugenichts nicht einfach nur deshalb schläft, weil er müde ist, sondern dass es sich um ein „entsetzliches und unaufhaltsames Schlafen“ (41/19) handelt, was sachlich nicht erklärbar ist und was auffallend häufig erwähnt wird, lässt uns fragen, was dieses literarische Motiv in Eichendorffs Novelle bedeutet.
Gleich zu Beginn der Erzählung erwacht der junge Held aus dem Schlaf, wobei ihm „so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine“ (5/6 f.) ist, während sein Vater „schon seit Tagesanbruch in der Mühle rumort“ (5/8) hat; hier erscheint der tiefe Schlaf als Gegensatz zum emsigen Arbeiten, und deshalb beschimpft der Vater seinen Sohn ja auch als „Taugenichts“ (5/10; vgl. 29/20 ff.). Im Schlaf wird er wegen kaum vorhandener Verdienste zum Zolleinnehmer befördert (S. 14 f.): Den Seinen gibt´s der Herr im Schlaf (Ps 127,2). Wenn zum ausgiebigen Schlafen noch gutes Essen und Trinken hinzukommen, zeigt es seine wahre Bedeutung: Es ist Kennzeichen eines paradiesischen (50/23 ff.; vgl. 8/34 ff.) oder einfach märchenhaften Lebens (53/25 ff.).
Dass dem so ist, wird dadurch bestätigt, dass der Taugenichts gern in Gärten schläft (8/34 ff.; 28/10 ff.; 53/25 ff.); ihm ist – anders als dem Bauern – der Garten ein Ort der Ruhe und Naturverbundenheit, der Gesang ein Raum des Friedens (43/19 ff.): Die Erde selber rauscht, wenn man zu hören versteht, „wie in Träumen“ (43/20). Traumhaft sicher findet er, von Gott geführt (6/13 ff.), sein Ziel, wenn sich ihm die eigenen Gedanken verwirren, „als läge ich in einem Traum“ (36/33). Wenn nun gar dem Taugenichts in einem Garten noch die schöne Frau wie ein Engelsbild erscheint (9/16), ist die Grenze zwischen Wachen und Schlafen aufgehoben (9/17) – er ist voll des Göttlichen (GOTT als coincidentia oppositorum, Einheit der Gegensätze: mystische Erfahrung).
Die „Träumereien“ (25/16) nehmen nach dem enttäuschenden Sommerfest die „Gedanken“ (25/10) des Taugenichts inmitten der „Ruinen“ seines Glücks (25/14) auf und lassen sie so erträglich werden, machen ihn zum „Schlafkameraden“ der Vögel (25/24 f.) und somit bereit zum neuen Aufbruch. Bereits die Fahrt nach Wien hat der Taugenichts verschlafen, da er voller Gedanken an die Heimat war (7/21). „Heimat“ ist, neben der schönen Frau und genau wie die Ferne, Gegenstand der Sehnsucht und Ort des erfüllten Lebens.
Heimat ist nun aber nicht einfach des Vaters Mühle, sondern der Inbegriff des glücklichen, freien Lebens. Dies zeigt der Traum, den der Taugenichts im Garten des Bauern hat: Die schöne Frau lebt und geht mit ihm; diese Idylle wird durch das Rumoren der Mühle und des Portiers, einen Repräsentanten der bürgerlichen Arbeit, gestört, und beider Rumoren ist in Wahrheit das Schimpfen des Bauern, der um das Gras seiner Wiese besorgt ist (S. 28 f.).
Das märchenhafte, traumhafte und traumerfüllte Leben des Taugenichts ist nur einmal bedroht, als ihm ein philisterhaftes Leben im Schlafrock und sparsame Lebensführung als Möglichkeit erscheinen (15/21 ff.); doch ist er nicht tief oder ernsthaft gefährdet, weil er den Gedanken an die schöne Frau nicht aufgegeben hat (16/7 ff.). Mag er in den Augen der Leute ein Faulenzer sein (29/23 f.), in Wahrheit ist er der Taugenichts, dessen Reich „nicht von dieser Welt“ (26/20; vgl. Joh 18,36) ist und der nur den lieben Gott walten läßt (26/30 ff.). In dem Moment, wo er sich von seinen Sorgen lossagt und zu Bett geht, ist er im gelobten Land und kann glücklich einschlafen (50/19 ff.).

Kurze Untersuchung des Motivs „Arbeit” in Kap. 1 und 2
(Seiten/Zeilenzählung: neue RUB-Ausgabe)
Grundsätzlich sieht der Taugenichts das Arbeiten als etwas an, was die anderen besorgen: Der Vater arbeitet (5/7 f.; 5/11 f.), die Bedienten im Schloss, vor allem der Portier (7/33 ff.; 16/32 ff.; 24/28 f.). „Die Trägen, die zu Hause liegen”, arbeiten und sind der Sorge anheimgegeben (6/5 ff.). Als er aufbricht, freut der Tauge-nichts sich, alle Bekannten und Kameraden „wie gestern und vor-gestern und immerdar” arbeiten zu sehen (5/28 f.). Er selber hat den Frühling verspürt, der ihn hinausruft ins Weite, ins Freie, in die Ferne (5/2 ff.; 5/12 ff.; 18/16 f.). Konkret ruft der Frühling aus dem Schnabel des Goldammers: „Bauer, behalt deinen Dienst!” (5/22)
Was tut der Taugenichts, worin erfüllt sich sein Leben? Er schläft (5/5 ff.; 7/22 u.ö.); er zieht in die freie Welt hinaus (6/29 ff.; 26/23 f. u.ö.); er macht Musik, singt und spielt auf der Geige (5,23 f.; 5/34 ff. u.ö.); er lebt im Garten wie im Paradies (8/34 ff.; 10/20 ff.), trinkt Wein (8/35 f.; 10/1 ff.) und verehrt seine schöne Frau (9/14 ff.). In diesem märchenhaften Traumland lebt er voller Gottvertrauen (6/13 ff.).
Auf dem Schloss wird er dennoch angestellt – wenn man es recht bedenkt, vermutlich nur, um die schöne Frau kennenzulernen und entschieden nach Italien aufzubrechen. Er wird als Gärtner (7/31 – 8/33) bzw. als Zolleinnehmer (14/23 – 16/9) eingestellt, aber beide Engagements werden von ihm bei aller Freude nicht ohne Distanz er-zählt. So wertet er z.B. sein Schlosserlebnis insgesamt als „wunderlich” (7/31). Angeblich nimmt er „nur in meiner Herzensangst” (8/15 f.) die Stelle an; bei aller perspektivischen Beschränktheit des Ich-Erzählers ist hier eine in der Spannung des Empfindens begründete objektive Ironie nicht zu übersehen: Die nützlichen Lehren des Gärtners hat er fast alle wieder vergessen (8/28 f.), und obwohl er sich wie ein begossener Vogel fühlt, preist er seine Anstellung mit „Gott sei Dank” (8/33). Dass er insgesamt nicht weiß, wie es dazu gekommen ist, ist die einzige Entschuldigung für einen echten Taugenichts, eine Stelle angenommen zu haben (8/29 f.). So kommt er sich beim Meditieren von bürgerlichen Redensarten auch wie ein rechter Lump vor (10/19 f.); dass ihm ein Leben mit Schlafrock und -mütze erstrebenswert erscheint (15/24 ff.), muss als Verirrung ins Philister-Leben gewertet werden (vgl. sein erstes Lied, besonders die zweite Strophe!) Folgerichtig drängt es ihn, bald wieder aufzubrechen, gerade weil es ihm gut geht (18/15 ff.).
Folgende Stellen möchte ich noch nennen: Er hat viel zu tun (8/36), gilt aber als Faulpelz (11/32; 23/30) und hat Lust auf blauen Montag (12/1 f.); Verhältnis von Arbeit und Liebe (9/28 f.; 18/15 ff.); Streit um die edle Jägerei (16/27 ff.); er pflanzt Blumen statt Kartoffeln (16/10 ff.). – Die Schlossepisode ist ein ironisch überzeichnetes Stimmungs-, nicht Charakterbild!

Das Verhältnis des Taugenichts zu Frauen
Im strengen Sinn hat der Taugenichts ein Verhältnis nur zu einer einzigen Frau, seiner schönen gnädigen Frau. Vorab sollen die anderen Nicht-Verhältnisse untersucht werden, damit wir dann das eine Verhältnis vor diesem Hintergrund besser verstehen können.
Zunächst ist zu sagen, dass Mägde nur Dienstboten, aber keine Frauen sind (42/36 f.; 44/34 ff.), dass der T. als Steuereinnehmer durchaus „ein niedliches Gesichtchen“ (19/10) wahrnimmt; doch wahrt er zur hübschen Magd schamhaft Abstand (S. 50 f.; 86 ff.). Die Kammerjungfer tritt als Vermittlerin zur Welt der Herrschaften und vermeintlich zur gnädigen Frau auf. Sie bietet ihm die Stelle als Gärtnerbursche an (8/9 f.), bringt ihm Wein (10/1 f.), bestellt Blumen für ihre gnädige Frau (20/21) und steckt ihm einen Zettel zu (71/36), wodurch sie sich in den Dienst der Verführung stellt. Sie schlägt auch vor, er solle das Lied von der schönen Frau singen (13/12 ff.); sein ungeschickter Versuch, „sie zu erhaschen und zu küssen“ (20/31 f.), schlägt fehl. Sie wird häufig vom T. als schnippisch bezeichnet (13/9 f.; 72/5); sie hält ihn schlicht für einen Lümmel (23/30; 71/35; 79/29 ff.).
Auf seiner Reise nach Italien begegnet er in einem Dorf einem hübschen Mädchen, der Wirtstochter; sie macht ihm eindeutig erotische Angebote (trinkt zuerst vom Wein, gibt ihm eine Rose, deutet ihm die Möglichkeit einer Anstellung an, 32 f.); er möchte sie wohl küssen (32/18), mehr aber auch nicht – in seinen „philosophischen“ Gedanken wird klar, dass sie ihm das Leben des sesshaften Philisters böte (34/12 ff.), ihn also seinem Wesen entfremdete. So wird sie ihm nur Anlass, an seines Vaters Mühle und seine gnädige Frau zu denken (34/29 ff.), also an „die Heimat“; hier wird schon die Umkehr aus der Fremde (80) vorweggenommen.
Die andere Dame neben seiner gnädigen Frau, die ihn zum Mitfahren eingeladen hatte (6/25 ff.), gefällt ihm auch (6/23 f.); er schaut nach ihr, als seine gnädige Frau sich seinen Blicken entzieht (11/20 ff.): Sie glänzt wie eine Tulpe, also gar nicht lilienhaft, und blinzelt ihm auch zu; ob sie es ist, die ihn in Italien mit Blumen überschüttet und zum Rendezvous bestellt (71-80), wird nicht ganz klar. Auch die Gräfin in Italien erscheint ihm reizend, weil er sie mit seinen gnädigen Frau verwechselt (79/6 ff.); sie ist „so recht zum Erschrecken schön“ (79/11). Sie repräsentiert Frau Venus (61/17), doch kann sie ihn nicht gefährden.
Den zuletzt genannten Frauen ist der Taugenichts durch seine Musik aufgefallen (S. 6 und S. 32); das gilt auch von Fräulein Flora (S. 96) wie von seiner gnädigen Frau, der er ein eigenes Lied widmet (S. 9, 13 f.). Flora-Guido bekennt, dass sie ihn schön findet (39/15); sie fällt ihm nie als Frau auf.
Die einzige Frau seines Lebens, zu der er auf seiner ganzen Reise unterwegs ist, ist die schöne junge gnädige Frau (6/22 f.); er hält sie für eine Adelige (9/6). Sie arbeitet nicht, sondern geht mit einem Buch oder einer Gitarre durch den Garten (9/14 f.), ist wesentlich in der Ferne und „wie ein Engelsbild“ (9/16; 12/34) anzuschauen: eine Gestalt aus dem Paradies oder Himmel (11/35), madonnenhaft mit der Lilie der Unschuld. Er kann sie nur sehen und beobachtet sie heimlich frühmorgens (10/30 ff.); er singt ihr ein eigenes Lied, was Fremde nicht verstehen können (S. 13 f.); er bindet täglich einen Strauß Blumen für sie (16/21 ff.), und sie nimmt mit einem Strauß auch sein Liebesbekenntnis entgegen (S. 18/12 ff.); erst vor der Hochzeit läuft er ihr nach und ergreift ihre Hand (99 f.). Aber sie entzieht sich ihm auch, seinen Blicken am Morgen wie seinen Blumensträußen; doch ist sie immer in seinen Gedanken (16/7 f.; 28/24 f.); er träumt von ihr (28/26 ff.); einen fremden Brief hält er für an ihn gerichtet (55/18 ff.); eine fremde Dame hält er für seine gnädige Frau (62/5 ff. ihre Stimme usw.); ihr Bild erblickt er auf einem Gemälde in Rom (68/2 ff.); sogar eine fremde Hochzeit hält er für seine eigene (88/26 ff.). Das ist natürlich einmal komödienhaft, dann aber auch romanhaft, wie Leonhard ihm erklärt (97/19 f.).
Das Stichwort „Roman“ und damit „Kunst“ steht für ein Leben in Fülle. Wenn er eine einfache Frau als die schöne gnädige Frau bekommt, die zudem ein Engel ist, dann ist das normale Leben mit seinen Unterscheidungen in vorgestellten und wirklichen Adel (9-14), in Adel und Volk, in Arbeit und Freizeit, in Heimat und Ferne überwunden. Romantisch gesprochen, wird in dem Lied „Schweigt der Menschen laute Lust“ (S. 43 und 93) das Geheimnis dieses Lebens gedeutet; religiös gesehen ist es ein von Gott geführtes Leben (Lied S. 6): Aus jeder Einsamkeit wird er zu neuem Aufbruch gerufen (z.B. S. 25 f.; 34 f.). Letztlich ist dieses Leben weder leb- noch erzählbar, es erscheint als eine Folge von Verwechslungen und glücklichen Zufällen, und wenn es ernst wird in der Ehe, schweigt der Erzähler und flieht in den Märchenschluss oder in eine dezente romantische Ironie. 03/01 Tn
Um die Gefahr der Verführung durch die beiden Frauen, die auf ihn zugehen, zu begreifen, muss man an die Ambivalenz Roms denken: Rom ist die heilige (christliche) Stadt, aber eben auch die heidnische, die Stadt der Venus (S. 60 f.); Italien ist das Land der Ferne (27/3), aber auch die Fremde (58/22; 80/24 ff. mit 101/4 ff.); „daheim“ ist die Heimat, aber auch der Ort des entfremdeten Arbeitens (Rumor). Nur durch den Aufbruch mit der schönen Frau in die Ferne (54/25 ff.; 101/3 ff.) kann man sich dem Leben der Faulen, die zu Hause liegen (Lied S. 6, 2. Strophe), entziehen – solange man den Ruf der Morgenstrahlen und den Gesang der Lerche noch hört. Nur ein Taugenichts, der den lieben Gott walten lässt (6/13 ff.), kann das verstehen und unbeschadet meistern. 05/06 Tn

Vergleiche auch Eichendorffs Gedicht „Der Unbekannte“!

Zur Romantik insgesamt: http://odl.vwv.at/deutsch/Romantik/muster.cgi?p=pg

Zwei Klausur-Ideen:

1. Thema
Analysieren Sie die Episode 35/1 – 40/2; zeigen Sie anhand dieser Episode, was den Taugenichts (das Wesen des T.) ausmacht. [Anforderung: wesentliche Elemente erfassen und sie im Vergleich mit anderen Textstellen als „typisch“ nachweisen]
Diese Aufgabenstellung muss im Prinzip so angepackt werden: 1. Ich zeige, was den Taugenichts ausmacht; dafür muss ich auf den Rest der Erzählung zurückgreifen. 2. Ich untersuche, was ich hier finde. 3. Ich vergleiche die beiden Merkmalsmengen und komme zum Ergebnis, dass ich hier wesentliche Elemente des „Taugenichts“ finden kann (oder dass ich es nicht kann) oder dass ich sogar einige neue Züge gefunden habe. [In dem Sinn wäre zu prüfen, ob der T. nicht ab der Begegnung mit den beiden Reitern Züge des Picaros, als des „Schelmen“ aufweist, die später in der Formel „einen Roman mitspielen“ (97/20) gerechtfertigt bzw. kritisiert werden.]

2. Thema
Als der Graf dem heimgekehrten Taugenichts erklärt, was geschehen ist (97/9 – 98/12), greift er auf den Begriff (die lit. Gattung) „Roman“ zurück (97/19 f.): Der Taugenichts habe in einem Roman mitgespielt.
1. Stellen Sie zusammen, was in den Worten des Grafen einen Roman ausmacht.
2. Prüfen Sie, ob bzw. inwiefern sich dieses Lebenskonzept (Leben als Roman) mit der ursprünglichen Konzeption des „Taugenichts“ (Kap. 1 und 2) verträgt.

Lösungserwartung zum 2. Thema: Dem Roman liegt eine Verwirrung der Herzen zugrunde; Verkleidung, Verfolgung, Täuschung sind Mittel, um zu einer „Lösung“ zukommen; am Schluss gibt es Endeckung, Reue, Versöhnung, „wir sind alle lustig beisammen, und übermorgen ist Hochzeit!“ (98/11 f.) – Die ursprüngliche Konzeption des „Taugenichts“ (Kap. 1 und 2: Der Taugenichts ist wesentlich der, der ins Weite und Freie aufbricht; Musik ist ihm das Mittel, sein Glück auszudrücken, und zugleich verbindet sie ihn mit anderen Menschen; die Gefahr besteht darin, sich in den Verhältnissen zu arrangieren und Philister zu werden. Seine unerfüllte Liebe und der Ruf des Morgens veranlassen ihn zum neuen Aufbruch „nach Italien“. – Die beiden Konzeptionen sind eigentlich nicht miteinander vereinbar, „in einem Roman mitspielen“ müsste demnach zuletzt ironisch gelesen werden; vom Taugenichts werden beide Konzeptionen am Schluss so „verbunden“, dass er gleich nach der Hochzeit nicht sein Schlösschen bewohnen, sondern nach Italien aufbrechen wird (wobei unklar bleibt, wie das mit seiner Frau gelingen kann – daher endet die Erzählung hier „roman-“ bzw. „märchenhaft“).

Nachtrag 2010:

http://de.wikipedia.org/wiki/Aus_dem_Leben_eines_Taugenichts

http://projekte.gymnasium-borghorst.de/taugenichts/Index.html

2 thoughts on “Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts – Analysen, Motive

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