Goethe: Faust I – Faust und Hiob

Intertextualität

ist der Bezug eines Textes auf andere Texte, sei es als Anspielung oder Übernahme von Elementen. Nach Julia Kristeva ist jeder Text ein „Mosaik von Zitaten“. In ihm „überlagern sich mehrere Aussagen, die aus anderen Texten stammen und interferieren“ (Kristeva, 1972). Gérard Genette erfasst alle Arten von Zeichen, die einen Text in eine Beziehung zu anderen Texten bringen, mit dem Begriff Transtextualität.

Aufgaben:

1. Lesen Sie den Anfang des Buches Hiob aus dem Alten Testament:

„1. Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Derselbe war schlecht [einfach] und recht, gottesfürchtig und meidete das Böse. 2. Und zeugete sieben Söhne und drei Töchter. 3. Und seines Viehes waren siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen und sehr viel Gesindes; und er war herrlicher denn alle, die gegen Morgen wohneten. 4. Und seine Söhne gingen hin und machten Wohlleben, ein jeglicher in seinem Hause auf seinen Tag; und sandten hin und luden ihre drei Schwestern, mit ihnen zu essen und zu trinken. 5. Und wenn ein Tag des Wohllebens um war, sandte Hiob hin und heiligte sie; und machte sich des Morgens frühe auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl. Denn Hiob gedachte: Meine Söhne möchten gesündiget und GOtt gesegnet [geflucht] haben in ihrem Herzen. Also tat Hiob alle Tage. 6. Es begab sich aber auf einen Tag, da die Kinder GOttes kamen und vor den HErrn traten, kam der Satan auch unter ihnen. 7. Der HErr aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Satan antwortete dem HErrn und sprach: Ich habe das Land umher durchzogen. 8. Der HErr sprach zu Satan: Hast du nicht achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht im Lande, schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse. 9. Satan antwortete dem HErrn und sprach: Meinest du, daß Hiob umsonst GOtt fürchtet? 10. Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, rings umher verwahret. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Gut hat sich ausgebreitet im Lande. 11. Aber recke deine Hand aus und taste an alles, was er hat; was gilt’s, er wird dich ins Angesicht segnen? 12. Der HErr sprach zu Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; ohne allein an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging Satan aus von dem HErrn.“ (Lutherbibel: Das Buch Hiob, 1. Kapitel)

Im Fortgang der Erzählung streiten sich die Freunde Hiobs mit ihm, ob er Unrecht getan hat und deshalb vom Herrn bestraft wird. Am Ende spricht der Herr selbst und verteidigt seine unendliche Überlegenheit, in der er keinem Rechenschaft für sein Handeln schuldet. Hiob ordnet sich ihm unter – das Lehrbeispiel eines frommen Juden.

2. Vergleichen Sie Hiob 1,1-12 mit „Faust“, Prolog im Himmel.

3. Untersuchen Sie, ob sich die Bedeutung des Prologs im Himmel für Sie ändert, wenn Sie den gerade erarbeiteten Bezug zum Buch Hiob kennen.

Bilder von Hiob:

http://www.germsem.uni-kiel.de/ndnl/bilder/hiob_schaeufelein.jpg oder

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ac/Levertsweiler_Pfarrkirche_Hiob.jpg oder

http://szkolnictwo.pl/rysunkihasla/57/28257_2.png oder

http://bpkgate.picturemaxx.com/preview.php?WGSESSID=9fe6b7df79b6f126958c255456a1d02b&UURL=444abf868d0e56390b8d05009ee46fa5&IMGID=20006624

—– Vgl. zu „Faust I“ auch noch

https://norberto42.wordpress.com/2012/01/02/goethe-faust-i-magie/

https://norberto42.wordpress.com/2012/01/02/goethe-faust-i-pakt-und-wette-verlauf-und-funktion/

https://norberto42.wordpress.com/2012/01/02/goethe-faust-i-aufbau-der-gretchenhandlung/

https://norberto42.wordpress.com/2012/01/02/goethe-faust-i-motiv-weben/

https://norberto42.wordpress.com/2011/10/30/lieder-und-chore-in-faust-i/

https://norberto42.wordpress.com/2011/02/01/h-a-korff-uber-das-drama-des-sturm-und-drang-und-goethes-faust/

https://norberto42.wordpress.com/2012/03/10/goethe-faust-i-erste-analysen/

https://norberto42.wordpress.com/2011/05/25/goethe-faust-i-entstehung-geschichte-des-textes/

Eine große Adaption des Hiob-Stoffes ist Joseph Roths Roman „Hiob“, vgl. https://norberto42.wordpress.com/2011/11/30/roth-hiob-inhalt-zeitstruktur-und-aufbau/

3 thoughts on “Goethe: Faust I – Faust und Hiob

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