C. F. Meyer: Der römische Brunnen – zwei Fassungen, Analyse

Aufgabenart (Abitur 2005 NRW): Vergleichende Analyse von fiktionalen Texten (II C)
Conrad Ferdinand Meyer: Der römische Brunnen (1882); dazu „Rom: Springquell“ (1860); „Der schöne Brunnen“ (1864); „Der Brunnen“ (1865)
(Hilke Schildt: Aus der poetischen Werkstatt. Reihe: Sprachhorizonte Nr. 8, 1971, S. 18 f. – vgl. sieben Fassungen http://www.pinselpark.de/literatur/m/meyer/poem/aufsteigt.html  oder http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&add=&id=1674 (fünf Fassungen) oder https://de.wikipedia.org/wiki/Der_r%C3%B6mische_Brunnen (drei Fassungen)

Aufgabenstellung:
Analysieren Sie Conrad Ferdinand Meyers Gedicht „Der römische Brunnen“!
Zeigen Sie (unter Berücksichtigung der drei früheren Fassungen), wie Meyer an der Idee des Gedichtes gearbeitet hat!

Skizze der Lösungserwartung:
Es empfiehlt sich, bestimmte Kategorien des Vergleichs zu suchen, wenn man die Arbeit eines Autors am Gedicht erfassen will. Hier könnte man nennen: Metrum (nebst Taktstörungen), Reimform, Verslänge und Kadenzen (diese Beobachtungen bitte im Dienst der Bedeutung!); die Wasserquelle und der Ort (Situation) des Geschehens; Bezeichnungen der Schalen und des Fließens; die Idee.
Wir haben einen neutralen, letztlich jedoch vom Geschehen berührten Sprecher, der zunächst das Wasserspiel in einem dreistufigen Brunen beschreibt und dann das Geschehen in Worten deutet, welche ein göttliches Ereignis, die Präsenz des Vollkommenen (coincidentia oppositorum – vgl. „Wonnegraus“ im „Faust I“) andeuten.
Es liegen verschiedene Bezeichnungen der Quelle vor; v.a. wird in den mittleren Fassungen die Umgebung als Park beschrieben. Die drei Schalen tendieren dazu, einfach Schalen zu sein (gegen die 1. Fassung), die Verben für die Wasserbewegung erreichen zum Schluss in einer Kombination von finiter Form und Partizip I eine sprachliche Nähe zum Fließen. Die Deutung ist im Prinzip in allen Fassungen gleich, nur die Worte wechseln (in der 1. Fassung ist auch symbolistisch noch das „Bild“ präsent); in der letzten Fassung ist die Deutung gestrafft (ohne „reich“), die Kürzung im 8. Vers macht auch sprachlich die Ruhe deutlich.
In den kürzeren Fassungen liegt ein vierhebiger Jambus vor, in den längeren ein dreihebiger Vers unterschiedlicher Silbenzahl (z. T. jambisch); die Kadenzen sind in der letzten Fassung alle männlich, sodass ein ruhiges, fließendes Sprechen möglich ist – abgesehen von der betonten 1. Silbe des Gedichts, wo der aufsteigende Strahl im betonten „auf-“ sich metrisch zeigt. Auch der Übergang zum Kreuzreim ab der 2. Fassung hebt die Reimpause nach jedem zweiten Vers eines Paarreims auf.
Fazit: In der Endfassung liegt eine sprachlich reduzierte Form (kein Park, nur „Schalen“) vor, die man gleitend-strömend lesen kann (Kadenzen, Partizip I, Paarreim) und wo die Deutung in Kurzfassung „alles“ sagt.

P.S. Den Düsseldorfern war das Material zu umfangreich; so musste die Anzahl der zu vergleichenden Fassungen auf zwei reduziert werden, was ich vorsichtig dadurch umgangen habe, dass ich in der Erläuterung eine weitere Fassung skizziert habe; in Wirklichkeit ist die Arbeit am Text umso einfacher, je mehr Fassungen vorliegen – aber wie sollte man das in Düsseldorf wissen?

http://gymtoalt.projekte.mho-service.net/Faecher/Deutsch/FacharbeitenDeutsch03/HTML/Katarina%20Kemper.htm (Schülerarbeit)

http://www.hoelderlin-gesellschaft.de/index.php?id=625&L=3 (Fragen zur Analyse)

http://www.kahl-marburg.privat.t-online.de/Kahl_RoemischerBrunnen.pdf (philosophische Deutung)

http://mpg-trier.de/d7/read/cfmeyer_derroemischebrunnen.pdf (große Analyse)

http://home.bn-ulm.de/~ulschrey/literatur/meyer-c-f/meyer_brunnen.html (kurze Analyse)

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