Goethe: Es schlug mein Herz (= Willkommen und Abschied)

= Mir schlug das Herz …

Die Textgestalt des Gedichtes ist nicht eindeutig, es gibt verschiedene Fassungen (frühe Fassungspäte Fassung). – Was man beim Lesen bemerken, also bei der Analyse berücksichtigen sollte:

* die subjektlose Bewegung: Es schlug…, es war getan (V. 1 f.);
* das Tempus Präteritum, durchgängig bis zur 4. Strophe; in den beiden letzten Versen wird deutlich, dass das Ich nicht erzählt, sondern sich erinnert;
* Unterbrechungen des Präteritums (z.T. wird personal erzählt): „geschwind zu Pferde!“ (V. 1), ebenso V. 15 f., V. 23, V. 26-28 und 31 f.; es ist zu prüfen, ob sinngemäß ein Prädikat im Präteritum zu ergänzen wäre (etwa V. 15 f.);
* „Störungen“ des Jambus, also des Metrums: „fast“ (V. 2), „schon“ (V. 5), ebenso die ersten Wörter in VV. 14, 17, 18, 19, 25 und die Betonung der Personalpronomina in V. 29;
* der gleichmäßige Rhythmus, verbunden mit langsamen Tempo V. 3;
* die Personifikation der Naturphänomene Abend, Nacht, Eiche, Finsternis, Mond, Winde, Nacht (V. 3 ff.);
* der Kontrast zwischen der erlebten Natur (kläglich, schauerlich) und dem Innern (frisch und fröhlich, Glut; 2. Str.);
* es fehlen weithin Zeitangaben (Abend, Nacht – Morgensonne); die Begegnung mit dem geliebten Du wird nicht datiert (3. Str.);
* Begegnung mit dem Du unterscheidet sich von dem erlebten Ritt: Blick der Nacht – süßer Blick; Feuer – milde Freude; Glut/Nacht – rosenfarbnes Frühlingswetter; kläglicher Blick des Mondes – lieblicher Blick u. Ä.;
* die Totalität der Hingabe wird in der Äußerung organischen Lebens sichtbar: „jeder Atemzug für dich“ (V. 20);
* Verzicht auf jede „Schilderung“ der Liebesbegegnung; es geht nur um die Gefühle der Liebe:
* Spannung in den Gefühlen, bedingt durch den Abschied (betont „doch, ach“, V. 25, deswegen langsam gesprochen, aufgenommen in „schon mit“): Wonne und Schmerz zugleich (V. 27 f.); erinnert werden nur die Momente der Ankunft (3. Str.) und des Abschieds (4. Str.); der Abschied gehört wesentlich zur Liebe hinzu;
* Reflexion der Widersprüche, der Spannung im Liebeserleben, abgegrenzt gegen die Erinnerung an den Schmerz („und doch“, V. 31): „welch ein Glück!“ (V. 32).
* Wichtig: Die handelnde, sprechende Größe ist das lyrische Ich.

Analysen
http://www.erlangerliste.de/barock/opitzgoe.html#2 (Gedichtvergleich mit Opitz, dort das 2. Gedicht!)
http://mpg-trier.de/d7/read/willkommenundabschied.pdf (große Analyse!)
http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/bs/lyrik/goethe/gedeck1/gedeck1.pdf (mit Auszügen aus Interpretationen: Arbeit in der Lehrerfortbildung)
http://www.htwm.de/gym-rl/privat/smay/werke/willkommen.html http://vorhilfe.de/forum/Gedicht/t404376 (Schüleranalyse mit Korrekturvorschlägen)
http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/willkommen-abschied-arbeitsblatt/ (kurzer Vergleich: zwei Textfassungen)

http://forum.giga.de/archiv-%5Bread-only%5D/200263-willkommen-und-abschied-von-goethe-analyse-und-interpretation.html

http://www.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/17/435/ (rhetor. Stilmittel)

Rezitation
http://www.youtube.com/watch?v=D1fCzWObdCs (W. Quadflieg)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/willkommen-und-abschied.html (Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=FHbHywdj_Xs (Christoph Grube)

Vertonung
http://www.youtube.com/watch?v=EtelM15xhfA&feature=related (Schubert)

http://www.youtube.com/watch?v=W9Rjpi8D4pE (Schubert: Werner Güra)

http://www.youtube.com/watch?v=o53pXo8OGiQ (Pfitzner: Hans Hotter)
http://www.youtube.com/watch?v=1lpi5i6ntBk&feature=related (moderne Vertonung)

Zum biografischen Hintergrund von Goethes Liebesgedicht ist lesenswert Dieter Wellershoff: Der verstörte Eros, 2001 (als Taschenbuch 2004), 2. Kapitel.

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