Goethe: Fünfte Elegie (Römische Elegien) – Analyse

Wer sich umfassend in Gothes „Römische Elegien“ einarbeiten will, dem sei „Goethes Italienische Reise“ im Goethezeitportal (http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3303) empfohlen; für eine erste Information genügt die wikipedia. Eine Einführung braucht man in jedem Fall; handelt es sich doch bei den Römischen Elegien um einen Kranz von 20 Gedichten; wenn hier nur die Fünfte Elegie vorgestellt und besprochen wird, sind Querverweise auf die anderen zum Verständnis erforderlich. – Den Text der Erstausgabe gibt es im Goethezeitportal (http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=roem_elegien_text), die Ausgabe letzter Hand bei zeno.org, die erste Fassung mit noch 24 Elegien in einem dänischen Portal (http://www.kalliope.org/vaerktoc.pl?fhandle=goethe&vhandle=romi).

Im Schülerlexikon Literatur ist es das Stichwort „Fallender Versfuß“, wo man u.a. den Daktylus und den Hexameter (Vers aus sechs Daktylen) erklärt bekommt:

Daktylus
Auch der Daktylus ist ein fallender Versfuß. In der antiken Metrik bezeichnete Daktylus den Namen für einen dreisilbigen Versfuß mit langer erster Silbe, auf die zwei kurze Silben folgen. Im Deutschen wird er entsprechend einmal betont und zweimal nicht betont bzw. schwächer betont. (– U U)

Der Hexameter ist der Grundvers des antiken Epos. Der Name bedeutet Sechsmesser: Er besteht aus sechs daktylischen Metren, wobei es möglich ist, in den ersten vier Versfüßen die zwei kurzen Silben durch eine lange Silbe zu ersetzen.
– U U – U U – U U – (–) – U U – U
– U U – U U – (–) – U U – U U – U
Nun erhob sich Achilleus vom Sitz vor seinem Gezelte,
wo er die Stunden durchwachte, die nächtlichen, schaute der Flammen
fernes schreckliches Spiel und des wechselnden Feuers Bewegung,
ohne die Augen zu wenden von Pergamos rötlicher Feste.
Tief im Herzen empfand er den Hass noch gegen den Toten,
der ihm den Freund erschlug und der nun bestattet dahinsank.
(GOETHE, Achilleis)

Dann geht es weiter über den sogenannten Pentameter zum Distichon:
„Der Pentameter ist ein Fünfmesser mit verkürztem drittem und sechstem Versfuß. Der Name irreführend, weil 6 Hebungen erhalten bleiben:
[ Éine gróße Epóche hát das Jahrhúndert gebóren, ]
Áber der gróße Momént / fíndet ein kléines Geschlécht
(GOETHE/SCHILLER: Xenien)

Das Distichon ist ein Doppelvers, das aus einem Hexameter und einem Pentameter besteht. SCHILLER verfasste ein Distichon mit dem Titel „Distichon“, das zugleich als Merkvers gelten kann:
Ím Hexámeter stéigt / des Spríngquells fl´ü ssige Säúle,
Ím Pentámeter dráuf / f´ällt sie melódisch heráb.
– U – U U –/ U – U – U U – U
– U – U U – / – U U – U U – “

Eine Elegie ist dann ein Gedicht aus mehreren Distichen, während das Epigramm in der Regeln nur aus einem einzigen Distichon besteht. (Adresse des Schülerlexikons:
http://www.schuelerlexikon.de/SID/0346055808d88f01a331c8ce90f98702/index.php, dort „Literatur“ anklicken, dann „Lexikon öffnen“, dann entweder über das Inhaltsverzeichnis links oder (einfacher) über die Suchmaske links oben gehen und  vielen Querverweisen später folgen!)

Im Lexikon der Fernuni Hagen heißt es (mit Schema-Zeichnung):
„Das antike Strophenmaß des Distichons besteht aus einem Hexameter und einem Pentameter.
Der Pentameter ist eng mit dem Hexameter verwandt und stellt eigentlich – entgegen seinem Namen – kein Versmaß mit fünf metrischen Einheiten dar (griech.: pénte = fünf), sondern einen verkürzten Hexameter: Die Kürzen / Senkungen des dritten und des letzten Daktylus des Hexameters fallen (katalektisch) weg. Dadurch ergeben sich erstens eine durch die hier absolut verpflichtende Zäsur (bzw. Dihärese) besonders betonte Schnittstelle zwischen zwei Längen / Hebungen in der Mitte des Verses sowie zweitens ein markanter, weil betonter bzw. langer Versabschluß.“

Römische Elegien
Fiktiv ist es in den Elegien so, dass das lyrische Ich, ein Dichter, sich in Rom aufhält und sagt, was er erlebt und denkt. So beginnt die Erste Elegie:
„Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr hohen Paläste!
Straßen, redet ein Wort! Genius, regst du dich nicht?
Ja, es ist alles beseelt in deinen heiligen Mauern,
Ewige Roma; nur mir schweiget noch alles so still.“
Er spricht die Steine Roms an und bittet um ihr Wort, so ähnlich wie der Erzähler der Odyssee die Muse anfleht, ihm den trefflichen Helden so vieler Leiden zu nennen. Aber noch schweigt ihm alles – in der 2. Elegie hat sich die Situation verändert, da hat er eine Liebste gefunden und ist unter dem Fittich Amors geborgen, er ist froh in Rom (vgl. den Anfang der 7. Elegie!).
Die Pointe der Elegien besteht darin, dass die Vergangenheit mit der Gegenwart verbunden ist durch das Erleben der Liebe, und dass diese Liebe in Rom ein freies Künstlerleben möglich macht. Dies sagt ihm Amor in der 13. Elegie:
»Ich, der Lehrer, bin ewig jung, und liebe die Jungen.
Altklug lieb’ ich dich nicht! Munter! Begreife mich wohl!
War das Antike doch neu, da jene Glücklichen lebten!
Lebe glücklich, und so lebe die Vorzeit in dir!
Stoff zum Liede, wo nimmst du ihn her? Ich muß dir ihn geben
Und den höheren Stil lehret die Liebe dich nur.«
Die Römischen Elegien sind also Liebeslyrik, die um 1800 angesichts ihrer un-moralischen Tendenz große Empörung hervorriefen. Sie unterscheiden sich auch von dem Typus der Liebeslyrik und –romane vorher, von der Liebesdichtung der „Jungen“, wie der Dichter in der 18. Elegie ausführt:
„Reizendes Hindernis will die rasche Jugend; ich liebe,
Mich des versicherten Guts lange bequem zu erfreun.
Welche Seligkeit ist’s! wir wechseln sichere Küsse,
Atem und Leben getrost saugen und flößen wir ein.
So erfreuen wir uns der langen Nächte, wir lauschen,
Busen an Busen gedrängt, Stürmen und Regen und Guß.“
Dass Goethe in seinen Elegien Rom gegen Weimar setzt, aus dem er 1786 geflohen war, und dass man in der römischen Geliebten und ihren vielen Gestalten auch Christiane Vulpius erkennen kann, wird in der 2. Elegie deutlich. Aber das kann jeder dort selber nachlesen.

Über die Form der Elegie
sagt Reiner Wild Folgendes (Goethe Handbuch Bd. 1, 1996, S. 228 f.): Goethe hatte sich bereits vor der Reise nach Italien in Epigrammen am Distichon versucht. Nach 1794/95 prägte das elegische Distichon einen großen Teil seiner Dichtungen; er nutzte aber auch in einigen Versepen den Hexameter. Goethe ging damit auf das von Klopstock initiierte Bemühen ein, die antiken Versmaße in die deutsche Dichtung zu übertragen; dabei hatte Johann Heinrich Voß in den 80er Jahren die Rolle des Vorreiters eingenommen. Einfluss auf Goethe hatten die Überlegungen von Karl Philipp Moritz und die Arbeit Knebels, der an einer Übersetzung der Elegien des Properz arbeitete. Goethe ließ sich für die Veröffentlichung von Wilhelm von Humboldt und vor allem von August Wilhelm Schlegel beraten.
Vorbild für die Römischen Elegien sind die Liebeselegien des klassischen Roms (Zeit des Augustus); Goethe tritt in einen Wettstreit mit Tibull, Catull und vor allem Properz. „So sind die Römischen Elegien vor allem der Versuch des modernen Dichters, im Bewußtsein der eigenen Modernität dem antiken Vorbild nahezukommen, nicht die Antike zu wiederholen, sondern als Moderner zu erreichen, was an ihr musterhaft erschien. Deshalb werden in Römischen Elegien auch die Antike selbst und vor allem die Begegnung mit ihr zum Thema.“
H.A. Korff sagte 1958 (Goethe im Bildwandel seiner Lyrik, Bd. 1, S. 338 ff.): Die Römischen Elegien sind Nachahmung der metrischen Form antiker Vorbilder, zweitens ihres dichterischen Stils (eine der Prosa nahe stehende Mischform von erzählender und reflektierender Dichtung) und drittens ihres Gegenstandes: eine auf naturhaft-sinnlicher Verbundenheit beruhende Erotik (Verhältnis zwischen einem Künstler und einem Mädchen aus dem Volk). Diese Nachahmung muss als Ausdruck der von Goethe in Italien gewonnenen klassischen Gesinnung verstanden werden: der besonderen Art der Kunstgesinnung, aber auch des besonderen Lebensgefühls und Lebensideals.
An der Form fällt der zyklische Charakter auf, die 20 Elegien ergänzen in der zwanglosen Behandlung eines Themas einander. Dann ist die Form sehr einheitlich: Distichon folgt auf Distichon, aber von allen Reimen befreit. Hier ist ein Miteinander von Freiheit und Gesetz erreicht, worin die Elegien entfernt mit den freien Rhythmen aus Goethes Vergangenheit verwandt sind: Aber allein die Elegien sind klassische, gebundene Kunst. Diese eröffnet auch den Blick in eine neue Welt: ein freies Künstlerleben in Rom, wozu auch eine neue freie Erotik gehört – so konnte er sich am Anfang einer zweiten Jugend fühlen.

So, das ist genug der Gelehrsamkeit; jetzt sollte man endlich die Elegien lesen! Und genießen! Und sich von dem freien Lebensgefühl anstecken lassen, das nicht mit Abenteuern in der Besenkammer und Pornobildchen gleichzusetzen ist, auch wenn die religiös-bürgerlich befangenen Zeitgenossen wie Herder das meinten oder meinten äußern zu müssen.

Die Fünfte Elegie
Die ersten vier Verse möchte ich gegen den Anfang der 1. Elegie setzen: Es ist eine Veränderung eingetreten („nun“, V. 1), die Vorwelt der Vergangenheit Roms und die gegenwärtige Mitwelt spricht zum Ich (Singular: eine Stimme!). Es ist froh und begeistert (Rahmen von V. 1), es liest die Werke der Klassiker (V. 3) – der Rat und Ruf der Humanisten der frühen Neuzeit war „ad fontes!“. Die Alten galten als Quelle des Verstehens, der klugen menschlichen Lebensführung; sie zu lesen bereitet dem Ich Genuss (V. 4). Es fällt auf, dass das Ich in den Werken blättert, sie mit der Hand durchblättert, statt zu „lesen“ – die Hand wird hier unmerklich als Organ der Erkenntnis eingeführt, wie auch der Genuss der Lektüre hervorgehoben ist: eine Vorbereitung auf den neuen Gedanken.
„Aber“ (V. 5) – damit beginnt ein neuer Gedanke, der gegen die klassische Bildung die Freuden der Liebe setzt, jedoch auch das Lieben in zwei Aspekten als Bildung im gleichen klassischen Sinn behauptet und so Gegenwart und Vergangenheit, Bildung und Lieben verbindet: als Hand-Werk und Genuss.
An das Adverb „täglich“ (V. 4) knüpft die Zeitangabe „die Nächte hindurch“ (V. 5) an, da ist es „anders“ – die erste Verteidigung des anderen Lebens bildet V. 6: Die Halbheit der Belehrung wird durch die Fülle des Vergnügens kompensiert. Die tiefere Verteidigung folgt in V. 7-10: Mit der rhetorischen Frage „Und belehr ich mich nicht?“ wird das Lieben als Form des Sich-Belehrens verteidigt. Das Fühlen mit der Hand, das Sehen mit dem Auge, beide haben ihr Recht in der Liebe, beide verbinden auch das Erfassen der Geliebten (mit Hand und Auge, V. 7 f.) mit dem Erfassen antiker Statuen (V. 9 f.); beide sind auch mit dem Denken und Vergleichen verbunden (V.9), sind nicht als niedere Formen des Erkennens verachtet. – „Dann versteh ich erst recht den Marmor“ (V.9), das hatte ich zuerst als spöttische Bemerkung mir zurechtgelegt; aber man muss den Satz im Sinn der Rede Amors aus der 13. Elegie verstehen: Die Statuen der Antike sind Gestalten ehemaliger Lebewesen, wenn sie zu mir sprechen, nicht antike Trümmer!
Es folgt die zweite Verteidigung der Liebes-Bildung (V. 11-18, parallel V. 5-10). In V. 11 f. wird die gleiche Denkfigur wie in V. 6 vorgeführt, womit die Nacht als die Zeit der Liebes-Bildung noch einmal (vgl. V. 5) thematisiert wird. Die Küsse sind der eine, das vernünftige Gespräch der andere Teil dieser Bildung; im Bett kann das Ich auch denken, in den Armen der Liebsten wird auch gedichtet, mit den Fingern der Hand kann man auch Hexameter trommeln – und ihr Hauch durchglüht die Brust des dichtenden Liebhabers. Im „Ganymed“ hat der Frühling das Ich angeglüht, und Prometheus hatte ein heilig glühend Herz – hier ist der Hauch der Geliebten durchglühend  (V. 18), den Dichter durchglühend als sein Genius.
Es folgt zum Abschluss wie ein Epigramm der Bericht von dem, was Amor „indes“ tut, also wenn die Liebste schläft und ihr Atem dem Dichter die Brust durchglüht: Amor schürt indes die Lampe – „schüren“, was nach Adelung „eigentlich rütteln bedeutet, aber nur noch von dem Feuer gebraucht wird, wenn man das brennende Holz auf- oder zusammen rüttelt, damit das Feuer desto heller brenne.“ Die Lampe zu schüren ist nicht möglich, man kann nur ein Feuer im Herd oder im Freien schüren; ich möchte deshalb den Satz so lesen, dass Amor das Feuer der Liebe schürt und die Begierde erneut weckt, wenn denn der Hexameter auf dem Rücken der Schlafenden genug gezählt sind. Dieser gleiche Amor – (AMOR ist ROMA im Palindrom) – hat seinen Dienst der Liebes-Bildung und Liebes-Dichtung bereits den antiken Dichtern getan (Triumvirn: Bündnis der Drei, hier der Dichter Catull, Properz, Tibull), und dessen gedenkt er heute, womit Amor selber die Verbindung von Gegenwart und klassischer Antike herstellt.

In den Römischen Elegien ist eine neue Weltfrömmigkeit vorgestellt:
„Fromm sind wir Liebende, still verehren wir alle Dämonen,
Wünschen uns jeglichen Gott, jegliche Göttin geneigt.“
So beginnt die 4. Elegie; sie deklariert neben den alten Gottheiten eine neue:
„Diese Göttin, sie heißt Gelegenheit! lernet sie kennen!
Sie erscheinet euch oft, immer in andrer Gestalt.“
Das war für die bessere Weimarer Gesellschaft natürlich ein Affront, wie auch Goethes freies Liebesverhältnis mit Christiane ein Affront war. Sie ist es auch, die unter dem verfremdeten Bild der römischen Geliebten besungen wird:
„Einst erschien sie auch mir, ein bräunliches Mädchen, die Haare
Fielen ihr dunkel und reich über die Stirne herab.
Kurze Locken ringelten sich ums zierliche Hälschen,
Ungeflochtenes Haar krauste vom Scheitel sich auf.
Und ich verkannte sie nicht, ergriff die Eilende, lieblich
Gab sie Umarmung und Kuß bald mir gelehrig zurück.
O wie war ich beglückt! – Doch stille, die Zeit ist vorüber,
Und umwunden bin ich, römische Flechten, von euch.“
Die beiden letzten Verse halten nur mühsam den Anschein aufrecht, das alles sei römische Vergangenheit – das Erscheinungsbild der Geliebten ist das Christianes.
Wer etwas zu dieser heidnischen Kunst-Frömmigkeit lesen will, welche den Kern der deutschen Klassik ausmacht, kann dies in Korffs Buch „Goethe im Bildwandel seiner Lyrik“ (1. Band, 1958, S. 338 ff. bzw. S. 303 ff.) oder in den theoretischen Schriften Schillers tun.

Analysen der Elegie V findet man u.a. in
Poetologische Lyrik, hrsg. von Olaf Hildebrand, 2003, S. 51 ff. (T. J. Reed);
Gedichte und Interpretationen, Band 3, hrsg. von Wulf Segebrecht, 1984, S. 49 ff. (Wulf Segebrecht)
http://www.referate.de/Goethe_Johann_Wolfgang_von_Roemische_Elegien_V_S__rd-101241.htm (simpel), ferner eine Vorlesungsmitschrift über Gedichtzyklen: http://www.univie.ac.at/iggerm/files/mitschriften/Gedichtzyklen-Neubauer-SS11.pdf, dort S. 18-22 die Römischen Elegien; außerdem mit grafischer Markierung http://de.scribd.com/doc/21070836/K12-Deutsch-Mitschrift-Romische-Elegie-V-Gedichtanalyse.
Rezitation:
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=2506 (mehrere Sprecher: Faber / Weinzierl – störend)
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=2673 (H.J. Schatz – viel besser!)

Nachtrag:
Italien – von Goethe anders gesehen im 21. der Venezianischen Epigramme

XXI.

Emsig wallet der Pilger! Und wird er den Heiligen finden?
    Hören und sehen den Mann, welcher die Wunder gethan?
Nein, es führte die Zeit ihn hinweg: du findest nur Reste,
    Seinen Schedel, ein Paar seiner Gebeine verwahrt.
Pilgrime sind wir Alle, die wir Italien suchen;
    Nur ein zerstreutes Gebein ehren wir gläubig und froh.
(Text: Projekt Gutenberg; zur Einführung s. den Artikel in wikipedia)

Epigramme – ich referiere jetzt H.A. Korff (Goethe im Bildwandel seiner Lyrik, 1958, S. 356 f.) – haben den Zweck, persönliche Erfahrungen in eine knappe Form zu bringen; sie enthalten keine Lehren, sondern sind „nichts als kurze Überschriften für Erlebnisse, Gedanken, seelische Regungen.“ In einem Epigramm gewinnt das Erlebte eine Form, durch die es sich objektiviert, wenn das Epigramm auch keine begriffliche Form darstellt.
Epigramme drängen sich Goethe zu „weil die Erfahrungen sich ihm zudrängen und sein Geist das Bedürfnis hat, jede Erfahrung sogleich festzuhalten und zu verewigen. Epigramme in diesem Sinn sind Verewigungen der Augenblicke, Momentbilder des Lebens, (…) aufgenommen von einem überlegen urteilenden Geiste, der sich in ihnen ebenso spiegelt wie sie in ihm.“

Zum biografischen Hintergrund von Goethes Liebesgedicht ist lesenswert Dieter Wellershoff: Der verstörte Eros, 2001 (als Taschenbuch 2004), 2. Kapitel.

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