Bachmann: Psalm 1 – Erläuterungen

Den Text des Gedichtes (aus: Die gestundete Zeit, 1953) findet man über das Bachmann-Forum (http://www.ingeborg-bachmann-forum.de/) mit dem Link http://www.uibk.ac.at/literaturhaus/2002/lit/lit.html.
Erläuterungen zu Vers
1 Viele Psalmen beginnen mit der Aufforderung zum Gotteslob, so etwa Ps 117: „Lobet den Herrn, alle Völker, / preist ihn, alle Nationen!“
2 Nachgeburt, neue Nahrung: Hier wird eine Zweiteilung der Zeit vorgenommen, wo eine neue Zeit nach der Vergangenheit („alles gewesen“, V. 7) angesetzt wird
3 Geschmeiß: ekelerregendes Ungeziefer und dessen Brut; met. von Menschen
4 Karfreitag: christlicher Feiertag zum Gedenken des (Erlösungs)Todes Jesu
5 Hand am Firmament: die Hand Gottes; bereits in der altkirchlichen Kunst wurde die Gegenwart Gottes durch den Engel oder „die Hand Gottes“ (oft als Hand, bei der der kleine und der Ringfinger zurückgebogen sind) dargestellt. Im AT wird das Bild häufig für das Eingreifen Gottes gebraucht, vgl. eine Zusammenstellung unter http://de.wikipedia.org/wiki/Hand_Gottes_%28Religion%29 bzw. http://www.bibelwissenschaft.de/nc/wibilex/das-bibellexikon/details/quelle/WIBI/zeichen/h/referenz/40970/cache/ba5c7fc66a92d3f1864e4a93575b43b1/ (Ende des Artikels)
5 Firmament: Himmel, Himmelsgewölbe
9 jemanden entrücken: ihn in den Himmel aufnehmen (von Elija wird in 2 Kg 2 erzählt, dass er im feurigen Wagen entrückt wurde; vgl. Himmelfahrt Jesu)
10 freigehen: evtl. Verb zu Freigang, das ist ein Hafturlaub
11 Hier wird ganz unbestimmt (Subjekt, Modalverb) eine Krankenszene beschrieben die mit der Szene der untätigen bzw. tätigen Gotteshand verbunden werden muss, evtl. über den ersten letzten Vers des Gedichtes.
16 Metzger: Da die Metzger „behandschuht“ sind, denke ich an Ärzte; vermutlich genügt es aber, die Handschuhe als Mittel anzusehen, dass die Täter sich nicht beschmutzen oder keine Fingerabdrücke hinterlassen.
18 Mond: In einem Gedicht Georg Heyms hängen die Dämonen der Städte dem Mond eine schwarze Larve vor (1911); Gefährdung des Mondes: ein apokalyptisch-expressionistisches Bild der Katastrophe.
20 die letzte Ölung: Sterbesakrament in der katholischen Kirche, als Salbung des Kranken an verschiedenen Körperteilen (Hände usw.) mit heiligem Öl. Zur Vorbereitung wird ein Kreuz aufgestellt, Kerzen werden angezündet, man legt einen Wattebausch dazu. – Durch die letzte Ölung soll der Christ auf einen guten Tod und Übergang in den Himmel vorbereitet werden.

Eine reizvolle Aufgabe besteht darin, Bachmanns Psalm 1 mit Celans „Tenebrae“ zu vergleichen (vgl. den vorigen Artikel!), da beide Gedichte in der Psalm-Form gehalten sind; diese selbst ist ebenfalls zu thematisieren. – Bachmanns „Psalm“ besteht aus vier Teilen (Psalm 1 – 4), doch halte ich es für möglich, Psalm 1 gesondert zu betrachten; auch bei Krolows „Robinson“ wird oft Teil I isoliert gelesen.

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