Benn: Schöne Jugend – Analyse

Text: hier!

Insgesamt ist die erste Version ein kurzer Bericht einer Obduktion; in der zweiten Version wird eher erzählt, wie (indirekt: beim Obduzieren, vgl. V. 3) in der Leiche ein Nest mit jungen Ratten gefunden wird.
Wenn man prüft, in welche Richtung die Überarbeitung gegangen ist, sieht man Folgendes:
1. Aus „dem Mädchen“ ist „ein Mädchen“ geworden; das ist eine distanziertere Betrachtung. Das Subjekt des Agierens ist „man“, völlig unbestimmt.
2. Der Aspekt des Obduzierens ist verschwunden (Obduktion, Skalpell).
3. Einzelne Körperteile des Mädchens werden benannt, der Blick geht von oben nach unten; mit „angeknabbert“ und „löcherig“ wird erzählerisch der Rattenfund vorbereitet.
4. Ein Plus ist „Nest“, das die Konnotation „Geborgenheit“ aufweist; mit dem Stichwort „Nest“ wird der zweite Teil des Gedichtes eingeleitet. „Schwesterchen“ (V.6) und „schöne Jugend“ (Titel und V. 9) sind Personifikationen der Ratten. Insgesamt zeigt der Erzähler eher Interesse an den Ratten als an der menschlichen Leiche.
5. Im V. 10 greift der auf eine auktoriale Weise sprechende Erzähler auf V. 11 vor; V. 12 ist ein potenziell mitfühlender Kommentar zum Tod der kleinen Ratten.

Das zum Motiv „Wasserleiche“ gehörende Requisit „Ratten“ (oder allgemein: Tiere) ist hier auf eine originelle Weise gestaltet; vgl. andere Wasserleichen-Gedichte (unter „Heym: Die Tote im Wasser“).

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