Nelly Sachs: Chor der Geretteten – Analyse

Dies ist eine Skizze des Gangs des Verstehens – keine vorbildlich formulierte und gegliederte Analyse.

Es spricht offensichtlich ein Chor der Geretteten (V. 1 und 10, Überschrift), zu euch – wer ist das? Und in welcher Situation tritt ein Chor auf?
Zuerst sprechen die Geretteten von sich selbst; sie stellen sich indirekt vor. Sie sind von ihrer Vergangenheit bestimmt, und das war eine absolute Todesnähe (zweimal „schon“, V. 2 f.); diese Todesnähe ist noch nicht vorbei (viermal „noch“, V. 4, 7, 9, 11).
Diese Geretteten tragen Bitten an „euch“ vor (ab V. 13 bzw. 15). Wer ist dieses Ihr?
Das sind (die?) Leute, die nicht bedroht waren. Die Geretteten grenzen sich von ihnen ab oder sind von ihnen abgegrenzt in dem Bild vom Sonnenbesitz (V. 12 / 15): Die anderen besitzen eine Sonne, die sie vorzeigen können; die Sonne („unser Gestirn“) der Geretteten dagegen „ist vergraben im Staub“, sie leben demnach in der Finsternis.
Worum bitten die Geretteten? „Zeigt uns langsam eure Sonne (…) Zeigt uns noch nicht den beißenden Hund-“ (V. 15, 23); sie sagen auch, was das heißt: „Lasst uns das Leben leise wieder lernen.“ (V. 17) Sie begründen ihre Bitten damit, dass sie noch schwach sind, verschiedene Bilder – dazu später mehr (V. 18 ff., 24 ff.), jeweils mit der einleitenden Formel „Es könnte (sonst)…“
Mir ist nicht ganz klar, wo die Begründungen enden; beim ersten Durchgang möchte ich die vier Verse „Wir odemlos Gewordene“ („Odem“ müsste man Schülern erklären, wenn sie kein Wörterbuch benutzen können, vielleicht auch „Arche“ in V. 31?) als Erklärung zu V. 27 ziehen, den aber als Begründung zu V. 26. Dann finge mit „Wir Geretteten“ (V. 32) der letzte Teil an, formal ist dieser Vers gleich V. 1, 6 und 10, wo sie sich quasi vorstellen. Am Ende bestätigen sie die Gemeinschaft mit den anderen, die aber genauso zerbrechlich wie das Leben der Geretteten ist; unklar ist die Aussage „zusammen hält uns“ (V. 35). Man muss die drei Verse 35-37 zusammen lesen, dann erhält man eine Parallele (V. 35 / 36 f.), dann wäre sinngemäß auch in V. 35 „mit euch“ zu ergänzen. Das ergibt dann eine reichlich paradoxe Aussage: Der Abschied (von euch?) hält uns mit euch zusammen. „Abschied“ ist ohne Attribut gebraucht; man muss gleich noch einmal prüfen, ob auch „der Abschied“, absolut gebraucht, einen Sinn ergibt.
Wenn man weiß, dass „Chor der Geretteten“ 1947 veröffentlicht worden ist, zwei Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft in Europa, und dass Nelly Sachs selbst als Jüdin sich nur knapp nach Schweden retten konnte, kann man den Chor der Geretteten als den Chor derer verstehen, die ganz real bedroht waren, vielleicht in KZs oder in bombardierten Städten, und die so eben noch gerettet wurden, während Millionen andere ermordet wurden. Man müsste noch prüfen, ob sich über die „Herkunft“ der Geretteten etwas sagen lässt.

Jetzt geht es um die sprachlichen Feinheiten. Der Chor spricht „irgendwo“ zu den anderen; er spricht bilderreich, die Form seines Sprechens ist nicht durch Metrum, Reim, Silbenzahl im Vers oder Strophen geregelt. Die innere Logik des Chor-Vortrags ist bereits erklärt; in der Form bestimmt die fünfmal gebrauchte Wendung „Wir Geretteten“, die jeweils einen Vers ausmacht (V. 1, 6, 10, 13, 32), das Bild; einmal steht parallel „Wir odemlos Gewordene“ – eigentlich das Gegenteil des Gerettetseins. Diese Paradoxie wird so aufgelöst, dass die Seele „zu Ihm“, also zu Gott floh (V. 29; „Er“ müsste man Schülern erklären) und Rettung suchte aus der Mitternacht (Finsternis als Bild des Leidens, vgl. V. 12) – bevor man den Leib rettete; sie sind mindestens „zerrissen“, normalerweise gilt die Trennung der Seele vom Leib als Tod des Menschen. Mit „Odem“ und „Arche“ liegen zwei Wörter der biblischen Sprache vor: Gott hauchte Adam den Lebensodem ein (Gen 2,7), die Arche ist von Noach nach Gottes Anweisungen zu seiner Rettung gebaut worden (Gen 6). „Arche des Augenblicks“ (V.31): Die Rettung gewährt nicht Bestand auf Dauer, sondern nur flüchtig, nur für einen Augenblick.
Es wird langsam gesprochen, die Sätze sind kurz, es gibt viele Gedankenstriche. Die atemlos Gewordenen können nicht schnell sprechen; ich möchte das nur für den Anfang belegen: Selbstvorstellung (V. 1), ein Relativsatz zu „wir“ (V. 2), noch einer (V. 3) – der Zeilenschnitt verlangt und ermöglicht, dass nach jedem Relativsatz eine Pause gemacht wird, der Gedankenstrich hinter V. 3 verlangt eine lange Pause. V. 4 ist dann ein kleiner Satz, V. 5 ein dazu gehörendes, aber nicht unbedingt erforderliches Adverbial, hinter V. 4 also ein kleine Pause, hinter V. 5 eine große (Satzende). Es gibt im ganzen Gedicht nur zwei Verse, wo ein Satz über das Versende hinaus gesprochen wird, V. 7 und V. 19.
Vielleicht sollte man die Todesbilder, mit denen die Geretteten ihre Situation erklären, gemeinsam untersuchen? In V. 2 f. haben wir das mittelalterliche Bild vom Totentanz: der Tod als Geiger; seine Instrumente sind bzw. waren aus den Knochen der Geretteten gebildet (hohles Gebein, Sehnen) – sie waren dem Tod so nah, dass sie bildlich „schon tot“ waren. „Verstümmelte Musik“ (V. 5) ist die gegenwärtige Klage der Geretteten; die Metonymie ist nicht ganz aufzulösen, vielleicht so: Der Tod hatte ihnen schon Knochen und Sehnen genommen, um seine Musik zu machen, sodass ihre Leiber verstümmelt waren.
Die beiden nächsten Bilder für den Zustand der Geretteten (V. 7 ff.) sind die Situation unter dem Galgen, die noch besteht, und ein fremdartiges Bild: Das tropfende Blut der Gequälten oder Ermordeten füllt „die Stundenuhren“, die normalerweise mit feinem Sand gefüllt sind (und dann abgeschlossen sind, damit ihre Normierung nicht gestört wird). Vielleicht wird über die so gefüllten Stundenuhren die Dauer der Leiden erfasst?
Es folgen traditionelle Bilder: Würmer fressen an Verwestem; an uns fressen metaphorisch „Würmer der Angst“ (V.11). Durch das Attribut „Angst“ wird der Würmerfraß entschärft, aber die Angst als Todesangst verschärft. Das Bild von der Sonne ist bereits erklärt.
Die Bitten drehen sich um eine behutsame Wieder-Einführung ins Leben (V. 15 ff.); im Bild der Versiegelung wird der Schmerz wie eine frisch vernarbte Wunde dargestellt, die wieder aufbrechen kann (V. 20); wie schwach der Stand oder Bestand der Geretteten  ist (vgl. „Arche des Augenblicks“), zeigt das Bild vom Wegschäumen (v. 21): Selbst das Lied eines Vogels oder das Füllen des Eimers mit Wasser könnte „zu viel“ sein und sie wegschäumen, wie man beim Putzen mit einem Eimer Wasser den Schmutz wegspült. Dass ihr Bestand gefährdet ist, zeigt auch die Möglichkeit, augenblicklich zu Staub zu zerfallen (also tot zu sein), und die Frage, was „unsere Webe“ (Gewebe, eventuell Schülern erklären?) zusammenhält (V. 27) – die Sehnen sind ja schon für den Totentanz entnommen (V. 3).
Die Gemeinschaft der Geretteten mit den anderen wird zunächst als „normal“ beschrieben (Hand drücken, Auge erkennen, V. 33 f.). Mit dem „aber“ wird die Normalität jedoch widerrufen: Der Zusammenhalt beider Gruppen ist nur durch einen „Abschied im Staub“ gesichert. Das ist einmal paradox, dass der Abschied den Zusammenhalt sichert – paradox wie das ganze Noch- oder Wieder-Leben der Geretteten; es ist zweitens als Abschied im Staub selbst ein Todesabschied: eine nicht mehr auflösbare Chiffre des Leidens.
Die Geretteten weisen sich nicht nur durch ihre Flucht zu Gott im Leiden (V. 29), sondern auch durch die Nähe zur biblischen Sprache (Odem, Arche, Er) als biblisch Gläubige aus. Die Bilder von Totentanz und Stundenuhr bezeugen einen großen Bildungshorizont, der Eimer am Brunnen (statt an der Wasserleitung) sowie die Naturbilder (Vogel, Sonne, Stern) eine eher traditionelle Bildlichkeit.

Vortrag: http://www.deutschelyrik.de/index.php/chor-der-geretteten.html

Begrenzte Analyse,
Gedichtvergleich: Symbol der Sonne in M.-L. Kaschnitz: Dreimal

Es spricht der Chor der Geretteten („wir“, V. 3) zu den „Normalen“, die nicht in Todesgefahr waren. Das Gedicht ist 1947 veröffentlicht worden (Sachs: In den Wohnungen des Todes, 1947 – Verszählung nach „Epochen der deutschen Lyrik 1900 – 1960“, S. 341 f.); aus der Intensität und Eigenart der Leiden (V. 9) und der Tatsache, dass es die Gruppe der Nichtgefährdeten gibt, kann man schließen, dass die Geretteten aus den KZs der Nazis gerettet worden sind.
Zunächst stellt diese Gruppe klagend sich den anderen vor (V. 3-14), und zwar als Menschen, die „noch“ bedroht sind (V. 6) und „immer noch“ (dreimal ab V. 9) Angst haben, deren „Gestirn“ also im Staub vergraben ist (V. 14), während die Sonne der anderen leuchtet (V. 17). Die Situation der Geretteten ist so, dass sie eigentlich schon tot waren (V. 4 f.): Der Tod hat schon aus ihren hohlen, also verwesenden Knochen Flöten geschnitten und auf ihren Sehnen seinen Bogen zum Totentanz gespielt. Das Bild von Totentanz steht hinter der paradoxen Aussage, dass sie schon tot waren (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Totentanztotentanz-online.dehttp://www.rowane.de/html/totentanz.htmhttp://www.totentanz.de/totentanz.htm). Die Paradoxie der Aussage wird später (V. 30-33) noch einmal aufgegriffen und zeigt, dass das Leiden im KZ weit über normales Leiden hinausgegangen ist. Die Geretteten sprechen langsam; viele Gedankenstriche zeigen das an (V. 5, 10 usw. – ein Hinweis Carinas). Ihnen ist nicht danach, metrisch kunstvoll in Strophen und Reimen zu sprechen. Nur in Wiederholungen (z.B. V. 9, 11, 13) und Triolen (z.B. V. 17, 18, 19) deuten sie die Fülle, in Kontrasten (leuchtende Sonne – vergrabenes Gestirn) die Härte ihrer Leiden an.
Die Geretteten wenden sich mit Bitten an die anderen, was diese ihnen zeigen bzw. nicht zeigen sollen: Zeigen mögen sie „eure Sonne“ (V. 17), aber nur langsam; diese Bitte wird zweimal variiert (V. 18 f.) und erläutert; begründet wird die Bitte um langsames Vorgehen damit, dass eine rasche Einführung in die schönen Seiten des Lebens den „schlecht versiegelten Schmerz aufbrechen lassen“ könnte (V. 22), sie dahinraffen könnte (V. 23). Dem entspricht die Bitte, selbst Bilder bedrohlicher Situationen (wie des beißenden Hundes, V. 25) nicht zu zeigen, weil sie sonst vor Schreck sogleich zu Staub zerfallen, also vergehen könnten (V. 25-28).
Zur Begründung oder Erklärung dieser Sorge fragen die Geretteten: „Was hält denn unsere Webe zusammen?“ Wir können ergänzen: noch zusammen? In den folgenden vier Versen reflektieren die Geretteten (analog zu V. 4-7) ihren Lebensstatus: Sie haben ihre Seele schon lange im KZ ausgehaucht zu IHM, im Zustand der dort herrschenden „Mitternacht“ (V. 31 – vgl. V. 14 und V. 17), den „Odem des Lebens“ (vgl. die alte klassische Übersetzung von Gen 2,7) ausgehaucht; gerettet wurde nur noch der seelenlose Leib „in die Arche des Augenblicks“ (V. 32 f.), wo die Rettung also keinen Bestand hat, das neue „Leben“ nicht auf Dauer angelegt ist.
Die Geretteten wenden sich solidarisch (grüßend? sich verbündend? – dreimal „Wir“) an die anderen, an „euch“ als Gruppe (wobei „euch“ auch die Leser repräsentieren kann); unklar ist der Hinweis darauf, dass die Geretteten „euer Auge“ erkennen – das mag körperliche Nähe signalisieren. Trotz dieser Nähe, so konstatieren die Geretteten, ist das die beiden Gruppen verbindende Band (so lese ich: „zusammen hält uns“, V. 37 und V. 39, nur noch [„aber“, V. 37] „der Abschied“); das wird dann in der chiastischen Wiederholung präzisiert: „Der Abschied im Staub“ (V. 38). Diese Formel ist nicht eindeutig; ich schlage vor, in Analogie zu V. 32 f. und in Verbindung mit V. 35 den Abschied als eine Situation der Gemeinsamkeit zu verstehen, aber eben eine ganz kurze, sozusagen nur einen Augenblick währende, die „im Staub“ stattfindet, also „unten“ (V. 14; V. 4 f.; V. 30 f.), wo die Geretteten in Wahrheit sind.
Man darf die Paradoxie der Bilder in V. 4-7 und V. 30-33 nicht auflösen, sondern soll sie bestehen lassen und dann verstehen: Der Tod hat den Geretteten schon zum Totentanz aufgespielt, ihre Vernichtung war [beinahe?] schon vollzogen; nur die Leiber der Geretteten mit ihren Gliedern geben jetzt noch verstümmelte Musik (ein unklares Bild: eine abgebrochene Todesmusik?) von sich, was bedeuten könnte, dass der Tod immer noch ein bisschen auf ihnen spielt. Das zweite paradoxe Bild ist oben bereits erklärt worden: Die Trennung von Leib und Seele ist bereits im KZ erfolgt, die Seele entflohen (wenn auch zum rettenden HERRN), nur der Leib wurde für einen kurzen Moment noch gerettet.
Vom Staub wird dreifach gesprochen: Einmal ist es der normale Staub der Erde oder des Unten, der das Gestirn (Licht) der Geretteten verbirgt (V. 14); damit ist ihr Noch-bedroht-Sein bezeichnet. Sodann besteht die Gefahr, dass sie augenblicks zu Staub zerfallen (V. 27 f.), also umkommen angesichts kleiner Gefahren oder unvermittelter Begegnung mit Schönem (V. 17 ff.). Das dritte Mal ist vom Staub als dem Ort der niedrigsten, gefährdetsten Existenzstufe die Rede; es ist paradox, das „der Abschied im Staub“ uns noch einen Moment zusammenhält, wie ich oben ausgeführt habe. Das Verhältnis der aus dem Naziterror Geretteten zu den Normalen kann nicht normal werden, zumindest nicht schnell, das ist die Botschaft des Gedichts.
Die Sonne steht als „eure Sonne“ (V. 17) unserem im Staub vergrabenen Gestirn gegenüber, wie bereits dargestellt worden ist. Sonne ist Symbol des Lebens in Fülle und Kraft, das die Normalen führen und die Geretteten nicht führen können. In M.-L. Kaschnitz‘ Gedicht „Dreimal“ (1962) ist die Sonne dagegen das Symbol dafür, dass das Leben der Witwe wieder begonnen hat; die Sonne steht über dem Gras und den Blumen; das Oedland des Todes, des Toten ist nicht mehr zu sehen (V. 25 ff.). Der Frau ist der Abschied von ihrem toten Mann gelungen, der sich langsam in steter Distanzierung vorbereitet hat (V. 4 – V. 12 – V. 20). Auch die Zeit und die Elemente der Erde, die vorher für die Witwe in ihrer Trauer nicht mehr da waren (V. 2 – V. 10 – V. 18), sind wieder da, das dreimal betretene Oedland ist endgültig durchschritten. Dafür steht die Sonne, die anstelle des Toten der Frau zum Gruß zunickt (V. 8, 16, 24, 28 – das Nicken ist die dritte Triade, womit die Vollständigkeit der Trauer bezeichnet ist).

Hilfsmittel: Im DWDS findet man
Gestịrn, das; -(e)s, -e geh. Himmelskörper: das hellste G. am Himmel ist die Sonne; ein neues G. entdecken, erblicken; d. Gang, Lauf der Gestirne; Von den Großen dieser Erde / Melden uns die Heldenlieder: / Steigend auf so wie Gestirne / Gehn sie wie Gestirne nieder (Brecht Gedichte 7); /übertr./ Schicksal, das dem Aberglauben nach von den Sternen abhängt: ein glückliches G. führte uns zusammen; so wie dieses Paar, seinen Gestirnen vertrauend, bereit war, sich zu trennen (A. Zweig Junge Frau 333)
Den „Odem des Lebens“ aus der Lutherbibel muss man natürlich kennen; man kann „Bibel“ aber auch in der Erlangener Lexikonliste nachschlagen:
1. Mose 2,7: „Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens ein.“

Zur Biografie der Nelly Sachs
„Die deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin Nelly Sachs, eigentlich Leonie Sachs, Tochter eines jüdischen Elternhauses, wird am 10. Dezember 1891 in Berlin-Schöneberg geboren. Ihre Eltern entschließen sich zum Wohle des Kindes für eine Privaterziehung. Nelly kommt durch den Besitz der väterlichen Bibliothek sehr früh mit den deutschen Klassikern in Berührung und beginnt mit 17 Jahren ihre ersten Gedichte im Stil des literarischen Impressionismus zu schreiben. Ihre Dichtungen werden in den zwanziger Jahren in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht. In den dreißiger Jahren setzt sich Nelly Sachs in ihren Werken mit dem wachsenden Faschismus in Deutschland und ihren jüdischen Wurzeln, dem Chassidismus und der Kabbala, auseinander. Durch die Bedrohung des Nationalsozialismus entschließt sich Nelly Sachs zusammen mit ihrer Mutter 1940 mit Hilfe der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf nach Schweden zu emigrieren. Dort lebt und arbeitet sie bis zu ihrem Lebensende, unterbrochen von einigen Aufenthalten in Sanatorien und Nervenheilanstalten. All ihre Empfindungen und das Entsetzen über den Holocaust und ihre eigenen Jahre im Exil geben das Werk von Nelly Sachs wie kaum ein anderes die Erfahrung der nationalsozialistischen Gräueltaten wieder. Das tragische Schicksal ist die Quelle ihrer bedeutenden Werke. 1950 stirbt Nellys Mutter, es folgen Gedichte, in denen sie sich damit auseinandersetzt. Zwei Jahre später erhält Sachs die Schwedische Staatsbürgerschaft. Im Jahr 1965 erscheint Nelly Sachs‘ Lyrikband ‚Späte Gedichte‘ und noch im selben Jahr erhält sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ein Jahr später erhält sie gemeinsam mit dem israelischen Schriftsteller Samuel Josef Agnon den Nobelpreis für Literatur für ihre herhausragenden Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Kraft und Ehrlichkeit interpretieren und wiedergeben. Am 12. Mai 1970 stirbt Nelly Sachs in Stockholm.“ (http://www.nelly-sachs.de/)

Aus dem umfangreicheren Artikel http://www.exilarchiv.de/DE/index.php?option=com_content&task=view&id=981&Itemid=1 (vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Nelly_Sachszitiere ich nur einen Auszug:

„In den Dreißigern wird sie zu Gestapo-Verhören geladen und auch ihre Wohnung wird geplündert. Daraufhin beginnt sie, sich erstmals intensiv mit der eigenen jüdischen Abstammung auseinanderzusetzen.
Erst 1939 entscheidet sich Sachs schließlich mit ihrer Mutter zur Flucht nach Schweden. Die Hilfeversuche einer bereits dort lebenden Freundin, über Vermittlung von Selma Lagerlöf an die notwendigen Papiere zu kommen, scheitern am schlechten Gesundheitszustand der weltberühmten Dichterin. Letztlich verhilft ein Bruder des Schwedischen Königs Nelly Sachs und ihrer Mutter zur Flucht. Quasi in letzter Minute können die beiden Frauen im Mai 1940 Nazi-Deutschland noch verlassen. Den Befehl zum Abtransport haben sie zu diesem Zeitpunkt bereits erhalten.
Die im schwedischen Exil in äußerst bescheidenen Verhältnissen lebende Dichterin beginnt, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Mutter zu verdienen, zeitgenössische schwedische Lyrik zu übersetzen. Ab 1945 schließlich verarbeitet sie ihre Erfahrungen mit dem Naziregime in Gedichten, mit denen ihr eigentliches Werk beginnt. Viele ihrer Texte setzen sich mit dem jüdischen Schicksal und dem Tod in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern auseinander, und ihren ersten Gedichtband widmet Nelly Sachs dem im KZ ums Leben gekommenen Verlobten.“

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