Wolf: Kassandra – Unterrichtseinheit

https://norberto68.wordpress.com/2014/05/07/erzahltheorie-einfuhrung-ubersicht/

Ich beziehe mich auf die Textausgabe in der Bibliothek der Süddeutschen Zeitung (München 2007). Eine vergleichende Übersicht der Seitenzählung in den Ausgaben SZ-Edition und Luchterhand (2004) finden Sie unten lokalisiert (ein eigener Beitrag hier in diesem Blog!).

P.S. Das Lehrerheft zur Unterrichtsreihe ist gerade erschienen:
Christa Wolf: Kassandra. Materialien von Norbert Tholen, siehe
http://www.krapp-gutknecht.de/Produkte/Literatur/Kassandra/Kassandra.htm (19.06.08)

Diese Überlegungen sehen drei Schritte in der Erarbeitung der Erzählung vor:
1. Schritt: den Text kennen lernen,
2. Schritt: den Text analysieren,
3. Schritt: die Erzählung interpretieren.

Diese drei Schritte können begrifflich klar voneinander getrennt werden, praktisch jedoch nicht immer; auch ist die Reihenfolge der Schritte theoretisch vielleicht einleuchtend, aber nicht streng durchzuhalten.
Da der Text auch in der Ausgabe der SZ-Edition in der alten Rechtschreibung abgefasst ist, wird man sich mit den Schülern verständigen müssen, ob man ihn nach alter oder neuer Rechtschreibung zitiert.
Es genügt, wenn Schüler elementare Hilfsmittel zu gebrauchen lernen und auf Hinweise im Internet zurückgreifen können; Sekundärliteratur gehört im Wesentlichen in die Universität.

Lernziele: Die Schüler sollen
– einen Überblick über das Geschehen gewinnen,
– die Zeitstruktur des erinnerten Geschehens skizzieren können,
– die Entwicklung Kassandras als Seherin nachzeichnen,
– die Beziehungen verschiedener Figuren (plus Motto) zu Kassandra aufzeigen,
– Themen über den Verlauf des Geschehens verfolgen können,
– die Eigenart der „Erzählweise“ Kassandras erfassen,
– einen Überblick über Hilfsmittel zum Verständnis des Romans gewinnen,
– den Roman in seiner Stellung in der deutschen Literatur um 1980 begreifen,
– die Bedeutung von Christa Wolfs Roman für unsere Gegenwart reflektieren.

Links zum Buch (November 2007 – leider funktionieren viele Links inzwischen nicht mehr):
http://www.editionkerpen.de/kassandra_wolf.htm (Armin König: Bedeutung der Erzählung)
http://www.aixtema.de/inger/diplom.html (Inger Tilk: Weiblichkeit und Feminismus in „Kassandra“)
http://www2.vol.at/borgschoren/lh/lh5c.htm (Unterrichtseinheit: v.a. die Figuren, der Aspekt Krieg!)
http://www.aixtema.de/inger/semesterarbeit.html (Inger Tilk: Utopie in „Kassandra“)
http://www.google.com/search?q=%22Wolf:+Kassandra%22+ (Über die Lesarten soziohistorisch / genderorientiert, von Irmgard Nickel-Bacon, leider nicht mehr als pdf-Datei)
Dominique Stöhr: Christa Wolfs Kassandra (www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/5706: feministische Ethnologie, genderstudies, Mythenrezeption – Magisterarbeit)

1. Schritt: den Text kennen lernen

Aufgrund der Erzählform ist der „Inhalt“ des Textes nicht leicht zu überblicken; auch darf der trojanische Krieg nicht mehr als den Schülern bekannt vorausgesetzt werden. Deshalb ist es erforderlich, dass nicht nur der Lehrer, sondern auch die Schüler sich während der Lektüre Notizen machen – also das lesen verzögern und sich Rechenschaft geben von dem, was sie lesen. Dazu gibt es zu Wolfs „Kassandra“ mehrere Möglichkeiten:
* ein Blatt Papier in der Mitte falten und Eindrücke (in zwei Spalten) notieren, mit Seitenzahl; dieses übliche Verfahren bereitet hier Probleme, weil die Ich-Erzählerin in ihren Gedanken oft hin und her springt und sich nur bei der Darstellung des Krieges an eine chronologische Ordnung hält;
* ein Blatt Papier quer legen und in drei Spalten aufteilen (oder sogar zwei Blätter zusammenkleben und entsprechend nutzen): in der Mitte die Spalte „Ereignisse“, links eine Spalte „Entwicklung Kassandras“, rechts eine Spalte „Krieg und Männerwelt“. Mit dieser Dreiteilung kann man das, was Erzählt wird, vorsortieren;
* bei wikipedia gibt es einen Artikel „Kassandra (Christa Wolf)“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Kassandra_%28Christa_Wolf%29). Es wäre naiv zu glauben, die Schüler fänden den Artikel nicht, und unklug, ihn nicht für den Unterricht zu nutzen. Dieser Artikel gibt einen ersten „soliden“, chronologisch geordneten Überblick über das in der Erinnerung berührte Geschehen, ohne dem Buch formal gerecht zu werden.
Man könnte den Wikipedia-Artikel auf zwei verschiedene Weisen nutzen:
a) Man verweist auf ihn als (unzulängliches) Hilfsmittel und arbeitet auf der Basis so, dass man das Buch in drei Etappen lesen lässt (bis S. 49 Mitte; bis S. 107 Mitte; bis Ende). Die Lektüre kann man durch die drei mitgegebenen Arbeitsblätter leicht überprüfen.
b) Man druckt den Wikipedia-Artikel als Spalte (linke Hälfte) aus und lässt rechts Platz, um beim Lesen Notizen zu den erwähnten Personen und Ereignissen zu machen.
Ich schlage vor, zuerst den Artikel lesen zu lassen und für die eigene Lektüre der „Kassandra“ eine Liste mit drei Spalten anzulegen; den Schülern sollte man erlauben, ins eigene Buch Hinweise auf Parallelen (Querverweise) einzutragen, aber nur als Seitenangabe – genauso mache ich es selber auch.
Nach der Lektüre jedes der drei „Teile“ sollte man einen ersten Eindruck schriftlich festhalten; es ist aufschlussreich zu sehen, wie sich das eigene Verständnis später von diesem ersten Eindruck entfernt, dieses Verständnis überholt. Ich habe den Text in einem Zug gelesen, ohne den Wikipedia-Artikel zu kennen und ohne Notizen in drei Spalten zu machen (auf diese Idee bin ich erst bei der zweiten Lektüre gekommen). Mein Bericht von meinem ersten Gesamteindruck fällt entsprechend aus.
Nach der Lektüre der ersten 49 Seiten kann man mit der „Analyse“ des Textes beginnen, indem man die Form des Erzählens untersucht; diese Untersuchung kann nur ein vorläufiges Ergebnis zeitigen, aber doch schon einen guten Einblick in die Erzählform gewähren. Ein allererster Einstieg könnte auch in der sorgfältigen Lektüre bis S. 12 (bis „Achill“) gelingen.

2. Schritt: den Text analysieren

Ziel: die Zeitstruktur des erinnerten Geschehens skizzieren können
Die Schüler sollen sehen, dass auf 150 Seiten (in etwa sechs Stunden Erzählzeit) die Ereignisse von rund 30 Jahren selektiv, teilweise nicht in chronologischer Reihenfolge erinnert und bedacht werden.
Für die Bedeutung der einzelnen Erinnerung gibt es drei Kriterien:
1. Wie lange spricht Kassandra davon? Der Kampf ihres Bruders Troilos mit Achill, seine Flucht und seine Ermordung durch jenen (S. 83-85) mag vielleicht zwei Stunden gedauert haben; Kassandra verwendet etwa fünf Minuten (2 Seiten) Zeit auf diese Erinnerung; ebenso verwendet sie rund 5 Minuten (2 Seiten) für die Erinnerung an ihren Auftritt vor dem Rat, als sie den Meuchelmord an Achill missbilligt, wonach sie festgenommen wird (S. 140-142).
Rechnet man die 150 Seiten bzw. sechs Stunden auf die Ereignisse von 30 Jahren um, dann hat Kassandra für die Ereignisse eines Jahres 12 Minuten ( gleich 5 Seiten) Zeit der Erinnerung; an diesem Maßstab erkennt man, wie wichtig ihr die Erinnerung an den Mord und an ihren eigenen Widerspruch vor dem Rat sind.
2. Das zweite Kriterium der Bedeutsamkeit ist die Anzahl, wie oft Kassandra von einem Ereignis oder von einer Person spricht. Nach diesem Kriterium sind (alphabetisch geordnet) Aineias, Achill, Anchises, Hekabe, Panthoos, Paris , Priamos und Polyxena die wichtigsten Bezugspersonen für Kassandra.
3. Welche Bedeutung misst Kassandra selbst kurz vor ihrem Tod einem Ereignis bei?
Es bestände die Möglichkeit, die Darstellung des Wikipedia-Artikels „Kassandra (Christa Wolf)“ zu überarbeiten: zu ergänzen, mit einer geschätzten Chronologie und mit Belegen aus dem Roman zu überarbeiten.
Man sollte wahrnehmen, dass „die Stunde vor der Dunkelheit“ eine metaphorische Bedeutung hat; das Leben in der Frauengemeinschaft am Skamander wird so datiert (S. 150), was wohl bedeutet: die Zeit vor dem (Kriegs-)Ende. Dieser Stunde ist wiederum ein besonderes Licht zugeordnet: „Das Licht der Stunde, ehe die Sonne untergeht. Wenn jeder Gegenstand aus sich heraus zu leuchten anfängt…“ (S. 150); dieses Licht hat Kassandra oft mit Aineias gesehen (S. 150, S. 154: auch beim letzten Treffen), wenn die beiden es auch verschieden interpretiert haben; bei diesem Licht vor Sonnenuntergang hat sie auch von Myrine Abschied genommen (S. 8); dieses Licht kommt jetzt am Ende ihres Wartens vor dem Tor (S. 154). Es ist also das Licht der Klarheit wie des Untergangs und entspricht so dem umfassenden Wissen, was man nur vor dem Tod erlangen kann (S. 110).

Ziel: die Entwicklung Kassandras als Seherin nachzeichnen
Es ist in jedem Fall wichtig zu sehen, dass Kassandra in ihrem Leben eine Entwicklung durchgemacht hat; man kann aus Zeitgründen aber nicht alle Aspekte gleichermaßen beachten. Neben dem Aspekt „Kassandra als Seherin“ könnte auch stehen „Kassandras Weg vom Palast zu den Höhlen am Skamandros“, den sie mit den Wort abgeschlossen sieht: „Da, endlich, hatte ich mein ‚Wir’.“ (S. 139); die Familienmitglieder sind „sie“ geworden. Einen anderen Hinweis gibt ein Gedanke Kassandras: „Mir kommt der Gedanke, insgeheim verfolge ich die Geschichte meiner Angst. Oder, richtiger, die Geschichte ihrer Entzügelung, noch genauer: ihrer Befreiung.“ (S. 41, der ganze Absatz) In der Sache handelt es sich wohl um eine einzige Entwicklung, die man unter verschiedenen Begriffen thematisieren kann.
„Kassandra als Seherin“, diese geläufige Formel lenkt vielleicht die Aufmerksamkeit gleich zu Beginn in eine falsche Richtung. Sie selber sagt: „Mit meiner Stimme sprechen: das Äußerste. Mehr, andres hab ich nicht gewollt.“ (S. 6) und sie preist sich glücklich, dass der Ton der Verkündigung am Ende dahin ist (S. 7). Vielleicht sollte man also sagen, dass die Seherin Kassandra auch die Sprecherin ist, die im Nein ihre eigene Stimme gefunden hat (S. 128 und 140 ff., S. 6: mit eigener Stimme sprechen) Am Anfang der Erzählung „Was bleibt“ (1990) sagt das Wolf-Ich: „In jener anderen Sprache, die ich im Ohr, noch nicht auf der Zunge habe, werde ich eines Tages auch darüber reden.“ (S. 7)
Die Höhle(n) ist Ort [eine Metapher] des gelingenden Lebens; vgl. zu Höhle
http://www.lochstein.de/hoehle.htm („Mensch und Höhle“)
http://www.lochstein.de/hrp/themen/koerper/koerper.htm (Körper und Höhle)
http://www.neon.de/kat/fuehlen/psychologie/179599.html (Wie viel Höhle braucht der Mensch?)
http://www.rcom.marum.de/Heinrich_Jakob_Fried.html (Die blaue Grotte)
http://www.lochstein.de/sprache/sz2005.htm („Höhle“ 2005 in der SZ)
http://www.univie.ac.at/Medienwissenschaft/reichert/dipl/04Traum.htm (Höhle Kino Traum)
http://www.txtbank.de/metaphern/vergessen_und_memoria/ (zur Metaphorik von Landschaft)
http://www.zeit.de/1996/16/blumenb.txt.19960412.xml?page=all (ganz kurz zu Blumenbergs fundamentalem Buch „Höhlenausgänge“)
http://db.swr.de/upload/manuskriptdienst/wissen/wi20050511_3137.rtf (über Hans Blumenberg: Leben in der Höhle, Schutz durch den Mythos und später durch das Lesen – Kassandra kann nicht schreiben, S. 148)
http://www.lochstein.de/kunst/kuenstler/lindenmayr/moderne/moderne.htm (moderne Höhlen)
http://www.bechteler.com/referate/max_frisch/index.htm (Höhlengeschichte im Roman „Stiller“)
http://www.sommeruniversitaet.eu/download/vortrag_scholz_070730.pdf (über Metaphern, unter anderem die Metapher „Höhle“)
Goethe: Faust I, Szene „Wald und Höhle“ (V. 3217 ff.)
Man könnte einigen Aspekten dieser Entwicklung auch nachgehen, wenn man Kassandras Annäherung an verschiedene, vor allem fremde Figuren oder einfach deren Auftreten verfolgt (das nächste Lernziel).

Ziel: die Beziehungen verschiedener Figuren (plus Motto) zu Kassandra aufzeigen (dabei Penthesilea und Polyxena als weibliche Gegenfiguren begreifen)
Dieses Ziel überschneidet sich in gewisser Hinsicht mit dem vorherigen, die Entwicklung Kassandras aufzuzeigen. Es sollten die wichtigsten Figuren (Achill, Agamemnon, Aineias, Anchises, Eumelos, Panthoos, Paris; Arisbe, Briseis, Hekabe, Marpessa, Polyxena) berücksichtigt werden; das kann arbeitsteilig geleistet werden – hierbei lesen die Schüler den Roman zum zweiten Mal, wenn man ihnen die relevanten Stellen nicht vorgibt. Die zweite Lektüre sollte zu einem vertieften Verständnis des Romans führen. Man kann eine große Übersicht über die Gesamtkonstellation oder einzelne Figurengruppen anlegen; die Beziehungen zu einer Figur ändern sich im Lauf von Kassandras Leben.
Zur Analyse von Erzähltexten siehe
https://norberto68.wordpress.com/2011/02/13/was-heist-analysieren/
https://norberto68.wordpress.com/2011/02/13/erzahltexte-analysieren/
https://norberto68.wordpress.com/2014/05/07/erzahltheorie-einfuhrung-ubersicht/
https://norberto68.wordpress.com/2015/04/25/einfuhrung-in-die-erzahltheorie/
Die Figuren und ihre Beziehungen zu Kassandra können auch in produktiven Verfahren verstanden werden, vgl. http://www.lfkdeutsch.de/html/szenisches_interpretieren.html
http://www.teachsam.de/deutsch/d_schreibf/schr_schule/protex/protex10.htm
http://www.schwark.de/dwn/szi.pdf
Auch und gerade bei dieser Erzählung halte ich es für sinnvoll, einzelne Passagen laut („gestaltend“) zu lesen: Sinnvolles Lesen setzt Verstehen voraus, ist „Interpretation“.
Die Figuren Achill, Eumelos, Paris und Priamos stehen für das Thema Männer-Krieg, die drei ohne Eumelos auch für das Verhältnis Männer-Frauen. Es gibt Querverbindungen zwischen der Betrachtung von Figuren und der Untersuchung von Themen – das sind nur verschiedene Methoden, das erzählte Geschehen zu erfassen. Die Figur des Achill sollte man sich für die Interpretation reservieren: Wie Christa Wolf den Mythos verändert.

Das Motto, welches von der Autorin über ihre Erzählung gesetzt worden ist, kann ich nur mit Mühe in Beziehung zur Figur Kassandra setzen; es gibt für diese keinen unbezähmbaren Eros – nur eine einzige erotisch erfüllte Begegnung mit Aineias (S. 100; dagegen S. 130: „Nichts regte sich.“), sie verzichtet auf Aineias um einer Authentizität willen, die auch keine Rücksicht auf ihre Kinder oder Marpessa nimmt. Allerdings bereitet es ihr Lust, in Myrines Haar zu wühlen (S. 9); dann gibt es noch Lust für die männlichen Kriegsopfer (S. 148), im Zusammenhang mit den Berührungsfesten (S. 149). Anderseits berichtet sie, sie habe sich vom sexuellen Begehren befreit (S. 62). – Vielleicht ist Achill von unbezähmbarem Eros erfüllt – doch für den gilt: „Achill das Vieh“ (S. 83).

Ziel: Themen über den Verlauf des Geschehens verfolgen können
Dieses Ziel ist der Thematik des Buches verpflichtet; ob es ein einziges Thema gibt, darüber lässt sich trefflich streiten. Es geht um das Verhältnis von Männern und Frauen. Für das Thema „Männer“ gibt Achill Stichwort und Anschauung: „Die nackte gräßliche männliche Lust.“ (S. 84) Männer sind ichbezogene Kinder (S. 11), Männer brauchen uns Frauen als Opfer (S. 136); Kassandra ist am Ende froh, dass sie Frau sein darf (S. 125).
Achill und Panthoos werden in Tiervergleichen erfasst (S. 123, 129, 135, 137 u. ö.).
Dieses Thema spaltet sich in zwei Unterthemen auf:
a) der Krieg; Prototypen sind Paris und Eumelos, der von ihm abhängige Priamos und Achill; Lug und Betrug, Verrat und Ende jeden geregelten Anstands, das ist der Krieg.
b) die Beziehungen zwischen Männern und Frauen; das sollen hier die von Kassandra beobachteten Beziehungen sein, also die von Priamos und Hekabe, die der Geschwister,
Achill und die Frauen, Agamemnon und die Frauen.
Das zweite Thema sind die Frauen; da denke ich zunächst an das, was Kassandra als Frau selbst erlebt, mit vielen Unterthemen: als Tochter, als Schwester, als Freundin,
als Geliebte (mit der seltsamen Aufspaltung Panthoos – Aineias) bzw. „Schülerin“ des griechischen Priesters, als Ehefrau und Mutter, als freie Frau in der Kommune (wir Frauen). Das überschneidet sich naturgemäß mit den Frauen, die sie beobachtet:
Arisbe, Briseis, Marpessa, Myrine, Penthesilea. Bedeutsam ist das Pronomen „wir“, in dem Kassandra ihre Zughörigkeit festhält („wir Frauen alle“, S. 135; S. 137!).
Die Kriegsdarstellung kann man auf den Ost-West-Konflikt im Kalten Krieg mitsamt der damaligen Nachrüstung beziehen, aber auch grundsätzlicher sehen; die feministische Gegen-Darstellung der mythischen Figuren muss unbedingt beachtet werden; das ist eine Aufgabe für den 3. Schritt, die Interpretation.

3. Schritt: die Erzählung interpretieren

Unter der Interpretation wird hier verstanden, dass man die Erzählung in Zusammenhänge einordnet: in die deutsche Literatur um 1980, in das Werk Christa Wolfs, in die von ihr selber in den Frankfurter Poetik-Vorlesungen skizzierten Voraussetzungen. Konkret bedeutet dass, dass man das Buch auch in die Geschichte des Kalten Krieges um 1980 und auch in die feministische Literatur einordnet.Ziele: Die Schüler s– einen Überblick über Hilfsmittel zum Verständnis des Romans gewinnen,

– den Roman in seiner Stellung in der deutschen Literatur um 1980 begreifen,
– die Bedeutung von Wolfs Roman für unsere Gegenwart reflektieren.

Mit diesen Zielen könnte man sich monatelang befassen, aber dazu fehlte die Zeit; ich schlage vor, dass man die Themen arbeitsteilig bearbeitet und die Ergebnisse referieren lässt, vgl. http://norberto42.kulando.de/post/2007/10/23/arbeitstechnik_prasentation
Die Analyse von Sachtexten und ihre Erörterung wird v. a. am dritten Lernziel orientiert sein, vgl. http://norberto42.kulando.de/post/2005/12/21/theoretische_texte_analysieren
http://norberto42.kulando.de/post/2007/09/14/
http://norberto42.kulando.de/post/2006/01/05/erortern
http://norberto42.kulando.de/post/2006/01/21/
Vielleicht sind die Aufsätze über Argumentationsansatz und Argumentationsstrategie in http://norberto42.kulando.de/category/rhetorik_und_argumentation hilfreich.

Zur deutschen Literatur um 1980:

Schlosser, Horst Dieter: dtv-Atlas Deutsche Literatur (8. Aufl. 1999, S. 263 ff.)
Friedrich, Anne-Cathrin u.a.: Basiswissen . Literatur (2002, S. 408 ff.; im Netz unter www.schuelerlexikon.de)
Jäger, Manfred: Kultur und Politik in der DDR 1945 – 1990. 1994
Literatur Lexikon. Daten, Fakten und Zusammenhänge. Hrsg. von Wieland Zirbs, 4. Aufl. 2004, Stichwort „DDR-Literatur“
http://lbs.hh.schule.de/welcome.phtml?unten=/faecher/deutsch/epochen/brd/
http://lbs.hh.schule.de/welcome.phtml?unten=/faecher/deutsch/epochen/ddr/
http://www.literarischesleben.uni-goettingen.de/ (Jahresdaten zur deutschen Literatur 1945-2000)
http://www.udoklinger.de/Deutsch/Gesch/BRD.html (DDR fehlt)
http://www.ws-schwabach.de/Deutsch/10a/ddr.htm (DDR-Literatur)
Deutschland 1945-2005 (eine Chronik: http://www.bpb.de/publikationen/XHLLMV)
http://www.ddr-suche.de/ (Suchmaschine zur DDR allgemein)
http://www.grenzschild.de/links.htm (DDR-Links)
http://www.ddr-im-www.de/index2.htm (DDR im www)
http://www.tcd.ie/Germanic_Studies/wende/kultur.htm (Kultur in der DDR)
http://www.politeia.uni-bonn.de/begriffe/begriffe.html (Nachkriegszeit in Frauensicht)
Zur Geschichte der BRD: http://www.bpb.de/themen/E4L482,0,0,Geschichte_der_Bundesrepublik_Deutschland.html
Geschichte der DDR: http://www.bpb.de/themen/68PQ10,0,Geschichte_der_DDR.html
Müller-Ensbergs, Helmut u.a. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR? Bonn 2000
http://www.bpb.de/themen/2Q7F55,8,0,Ursachen_und_Entstehung_des_Kalten_Krieges.html (vgl. auch das Stichwort: Krieg, Aggression, Gewalt!)

Christa Wolf:
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/WolfChrista/ (Skizze einer Biografie) Es gibt
Biografien von Franz Baumer, Sonja Hilzinger usw. – man muss schauen, was am Ort greifbar ist. In Kindlers Neues Literatur Lexikon sollte man die Artikel über „Der geteilte Himmel“ (1963), „Nachdenken über Christa T.“ (1968), „Kindheitsmuster“ (1976) und „Kassandra“ (1983) lesen.
http://www.politeia.uni-bonn.de/biographien/wolf/wolf.html
http://www.feministische-sf.de/einzelne_autorinnen/fsf_christa-wolf.html
http://www.ub.fu-berlin.de/internetquellen/
Christa Wolf ist nicht Kassandra – dessen muss man sich bewusst sein. In ihrer Erzählung (nicht: im Protokoll) „Was bleibt“ (1990), im Sommer 1979 geschrieben und im November 1989 überarbeitet (?), wird ein Tag aus dem Leben der von der StaSi beobachteten Frau Wolf erzählt. Diese Erzählung könnte man nutzen, um „Kassandra“ besser zu verstehen; Kassandra ist eine Figur Christa Wolfs, die den Weg des Widerstands gegen die Staatsgewalt zu Ende geht.
Auch die Erzählung „Kein Ort. Nirgends“ (1979) berührt thematisch „Kassandra“ (1983). An der Macht und am Staat Preußen leidet der Denker Kleist – Kassandra leidet mit den anderen Frauen an den Machthabern und ihrer Männlichkeit. Man wird in Kleists Leiden an Preußen Christa Wolfs Leiden an der DDR erkennen dürfen; und man wird ihren Weg von 1967 (Verlust des Status: Kandidatin des Zentralkomitees des SED) über 1976 (Protest gegen die Ausbürgerung Biermanns) bis 1989 (Austritt aus der SED) als eine Geschichte verstehen dürfen, in der sie ihren Konflikt zwischen marxistisch-kommunistischer Überzeugung und dem Streben nach Autonomie gelebt hat. Im Westen wurden im Kalten Krieg solche persönlichen Konflikte als Auflehnung gegen die staatliche Gewalt wahrgenommen („Dissidenten“).
(Christa Wolf hat die Zensur ihrer „Voraussetzungen einer Erzählung“ in der DDR 1983 noch hingenommen; im Juni 1989 ist sie aus der SED ausgetreten.)

Rezeption der Erzählung „Kassandra“
Eine Übersicht über die westliche Rezeption bietet Preusser, Heinz Peter: Projektionen und Missverständnisse. In: Text und Kritik, Heft 46: Christa Wolf, 4. Aufl. 1994, S. 68-87
Für die Rezeption in der DDR siehe Jäger, Manfred: Kultur und Politik in der DDR 1945-1990. Köln 1994, S. 219 ff.
http://www.editionkerpen.de/kassandra_wolf.htm

Feministische Literatur in Deutschland:
In der BRD erschien 1973 Katrin Struck: Klassenliebe; 1975 Verena Stefan: Häutungen; in der DDR 1974 Irmtraut Morgner: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz; 1974 Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand. 1977 erschien in ganz Deutschland Maxi Wander: Guten Morgen, du Schöne (Interviews, Lebenswege von Frauen in der DDR; das Vorwort für die West-Ausgabe schrieb Christa Wolf). Feministische Literatur gab es in Ost und West: Der Unterschied zwischen den Gesellschaftssystemen relativierte sich.

Feminismus:
„Doch was ist eigentlich der Kern des Feminismus? In zwei Sätzen gesagt: Es sind die uneingeschränkt gleichen Chancen, Rechte und Pflichten für Frauen wie Männer; sowie die Infragestellung des herrschenden männlichen Prinzips – zugunsten einer menschlichen Utopie. Das und nichts anderes waren Anfang der Siebziger die deklarierten Ziele der Frauenbewegung.“
(Alice Schwarzer, Vorwort ihrer Gespräche mit Simone de Beauvoire, Neuauflage 2007 – hier nach SZ vom 27. Oktober 2007: „Besuch bei der großen Dame“, S. 16)
Was ist „das herrschende männliche Prinzip“?
Die Sachverständigenkommission für Kriminalprävention der Hessischen Landesregierung formulierte: „Die männliche Gewaltkriminalität entspricht und entspringt dem gesellschaftlichen Konzept der Männlichkeit, dem ‚männlichen Prinzip‘, das sich beispielsweise ausdrückt
– in der Härte gegen sich selbst und andere
– in Durchsetzungsvermögen um jeden Preis,
– in der Herrschafts- und Erfolgsorientierung,
– in der Rücksichtslosigkeit gegen Schwächere,
– in der Betonung des Individuellen gegenüber dem Sozialen,
– in der Unterdrückung ‚weicher‘ Anteile
– in der Verdrängung von Ängsten.“
Diese Attribute seien für Erfolgs- wie für Kriminalkarrieren funktional und typisch.
(http://cgi.dji.de/bibs/252_1995MaennlicheGewalt.pdf, dort S. 3)
http://www.fluter.de/de/feminismus/thema/6355/?tpl=162 (Was bedeutet heute Feminismus? – Dem Thema Feminismus ist ein ganzes Heft fluter.de gewidmet.)
Fünf weitere fluter-Hefte, die thematisch relevant (und sprachlich verständlich) sind:
http://www.fluter.de/de/utopie/editor/?tpl=83 (Utopie)
http://www.fluter.de/de/protest/editor/?tpl=83 (Protest)
http://www.fluter.de/de/eliten/editor/?tpl=83 (Eliten)
http://www.fluter.de/de/gleichheit/editor/?tpl=83 (Gleichheit)
http://www.fluter.de/de/freiheit/editor/?tpl=83 (Freiheit)
In diesen fluter-Heften (bzw. -Dateien) sollte man Texte finden können, die für eine Analyse und Erörterung zu gebrauchen sind.
Geschichte der Frauenbewegung: http://www.bpb.de/themen/KYOE75
http://www.conne-island.de/nf/74/23.html (Materialistische Gesellschaftskritik und radikaler Feminismus)
http://www.freitag.de/2004/09/04092302.php (Ökonomie der Geschlechter, marxistisch)
http://www.frauenmediaturm.de/heymann_weibl_pazifismus.html (weibl. Pazifismus)
http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wuf/wf-85/8530700m.htm (Mutterrecht und Friedfertigkeit)
http://www.wedernoch.de/thesen/mensch2.htm (Hierarchien und das männliche Prinzip)
http://www.aspekt.sk/desat.php?desat=113 (Unterdrückung eigener Erfahrungen und Gefühle zugunsten der gesellschaftlichen Ideologie: Frauen akzeptieren ihre Benachteiligung – warum?)
http://wilhelm-griesinger-institut.de/veroeffentlichungen/seelenvergiftung.html (über feministische Seelenvergiftung)
http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/levy-alfred-2000-12-12/HTML/levy-ch3.html (Matriarchat und Marxismus bei E. Fromm)
http://www.wedernoch.de/thesen/mensch1d.htm (Mensch, Gesellschaft und Macht)
Susanne Buettner: Über den feministischen Tellerrand hinausblicken (pdf-Datei: Menschliches statt männliches Fehlverhalten in „Kassandra“ und „Medea“)
Ein Aspekt von Kassandras Feminismus ist, dass sie keinen Helden lieben kann (S. 154). Es könnte geprüft werden, was sie damit meint, und erörtert werden, welche Bedeutung Helden haben.

Helden, Idole, Vorbilder
http://www.dwds.de/?kompakt=1&sh=1&qu=Held (Wörterbuch zu „Held“)
http://www.textlog.de/cgi-bin/search/search.cgi?q=Held („Held“ in der Literatur)
http://www.wie-sagt-man-noch.de/synonyme/ (Synonyme für „Held“)
http://synonyme.woxikon.de/synonyme/Held.php (dito)
Unter der Kombination „Held Vorbild Idol“ habe ich im Netz
gefunden:
http://www.immanuel-online.de/pdf/helden.pdf (Wörterbuch zu „Held“)
http://www.ron-matz.de/textosteron_idolatrie.php („Held“ in der Literatur)
http://web.uni-frankfurt.de/fb09/kunstpaed/indexweb/publikationen/idol.htm (Jugend-Idole in der medialen Präsentation)http://www.schulfach-ethik.de/ethik/Grund-Hauptschule/personen_als_vorbild.htm (Idole und Vorbilder)
http://www.suedwestweb-berlin.de/struktur/v0199/s0199.html (weitere Links!)
http://www.dramaking.de/archiv/356 (Blog-Beitrag)
http://www.zeit.de/2003/24/Jan_Ullrich?page=2 (Jan Ulrich als „Held“)
http://www.jf-archiv.de/archiv03/503yy57.htm (Vorbild und ein bisschen Held: über gute Lehrer)
Wer sich sachlich fundiert über frühe Formen von Recht und Herrschaft informieren will, sollte lesen: Wesel, Uwe: Der Mythos vom Matriarchat, 1980; derselbe: Frühformen des Rechts in vorstaatlichen Gesellschaften, 1985; Popitz, Heinrich: Phänomene der Macht, unbedingt 2. Aufl. 1992, v. a. S. 185 ff.; Vowinkel, Gerhard: Verwandtschaft, Freundschaft und die Gesellschaft der Fremden. Grundlagen menschlichen Zusammenlebens, 1995.
http://de.wikipedia.org/wiki/Soziokulturelle_Evolution

Krieg, Aggression, Gewalt
Vermutlich wird man diese Thematik sachlich (d. h. soweit sie über die Textanalyse des Romans „Kassandra“ hinausgeht) höchstens in Zusammenarbeit mit einem Kurs Sozialwissenschaften bearbeiten können, wenn selbst dazu die Zeit nicht fehlt.
http://www.fluter.de/de/gewalt/editor/?tpl=83 (Gewalt)
http://logos.kulando.de/post/2007/11/17/motive_der_weltliteratur_krieg
Ruloff, Dieter: Wie Kriege beginnen, München 1985
Zum Stichwort „Feindbilder“ findet man im Internet mehr als genug Links, falls man die Entstehung und Wirkung von Feindbildern erörtern möchte.
http://www.dhm.de/ausstellungen/kalter_krieg/start.htm (deutsch-deutsche Feindbilder im Kalten Krieg, berührt die Untersuchung der deutschen Geschichte)
http://www.stiftung-aufarbeitung.de/downloads/pdf/BALBIER.pdf
http://www.geschichte-lernen.de/index.cfm?5E09F594E38E4CF58CECC63BF031FC35
http://www.burkhard-mohr.de/archiv.liste.php?rubrik=1&i=20 (aktuelle Karikaturen)

Frauenliteratur:
http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenliteratur
http://referateguru.heim.at/Frauenliteratur.htm
http://www.faz.net/s/Rub117C (kritisch zum Begriff)
http://misoskop.viennablog.at/2007/07/09/frauenliteratur (kritisch zum Begriff)

Weibliches Schreiben:

http://www.kritische-ausgabe.de/hefte/frauen/frauwolff.pdf (Rochus Wolff zur Frage, ob Frauen anders schreiben; an die Unterscheidung sex-gender gebunden)
http://www.kultur.uni-hamburg.de/volkskunde/Texte/Vokus/2000-1/tagebuch2.html (kluge kritische Reflexion des „weiblichen“ Schreibens!)
http://prghorn.kilu2.de/journal/Kassand2.htm (antimythologische Begründung weiblichen Schreibens in „Kassandra“!)
http://www.uni-hamburg.de/volkskunde/Texte/Vokus/2000-1/tagebuch2.html
http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/methoden/feminlitwiss.htm
http://www.astridhoffmann.de/ (kritisch zum Thema)
http://wwwcs.uni-paderborn.de/~bergerma/texte/schreib.html (Mann / Frau / Mensch, in Konfrontation mit der Maschine; schwierig!)
Beispiel: „Lexikon deutschsprachiger Epik und Dramatik von Autorinnen (1730-1900)“, 2006, besprochen in http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=1891 und
http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=2577.

Auseinandersetzung mit dem Mythos
Ich schlage vor, dass man eine Liste anlegt und (aufgrund von Robert von Ranke Graves: Griechische Mythologie. Quellen und Deutung, Bd. 2) untersucht, welche Figuren in Wolfs Kassandra gegenüber dem traditionellen Mythos neu hinzukommen und welche fehlen; dieses Buch von Ranke-Graves ist eine wichtige Quelle für Christa Wolf gewesen.
http://www.hamburger-bildungsserver.de/ (Antike auf dem Hamburger BS)
http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen.pdf
http://home.bn-ulm.de/~ulschrey/literatur/wolf/kassandra.html
(Dieter Schrey, über die Arbeit am Mythos in „Kassandra“)
An der Figur der Kassandra kann man untersuchen, worin sich Wolfs Darstellung oder Sicht von der des Mythos unterscheidet; dazu kann man auch ihre Poetik-Vorlesungen heranziehen. Auch ihr Vortrag ist zu beachten:
http://www.bbs1-northeim.de/Unter-projekte/.pdf
Schmidt, Svenja: Antiker Mythos und moderne Literatur am Beispiel der Erzählung „Kassandra“ von Christa Wolf, 1999 (e-book)
Frenzel, Elisabeth: Stoffe der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. 10. Aufl. 2005, Artikel „Kassandra“
Dominique Stöhr: Christa Wolfs Kassandra im Spannungsfeld von feministischer Ehtnologie, gender studies und Mythosrezeption (2001, pdf-Datei)
Walther, Lutz: Antike Mythen und ihre Rezeption. Leipzig 2003
Mythos Kassandra. Texte von Aischylos bis Christa Wolf, hrsg. von Matthias Falke. RBL 20114
Wichtig erscheint mir eine Konfrontation der Darstellungen Achills als des Helden bzw. des Viehs schlechthin (im Mythos / bei Christa Wolf).
http://de.wikipedia.org/wiki/Trojanischer_Krieg
http://de.wikipedia.org/wiki/Achilles
http://www.f-r-g.de/website/faecher/de/13antikemythen/13antikemythen.html
Artikel „Ilias“ im KLL
Frenzel, Elisabeth: Stoffe der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. 10. Aufl. 2005, Artikel „Trojanischer Krieg“ und „Achilleus“
Allgemein:
http://www.mythenrezeption.uni-tuebingen.de/links.html (dort anklicken: Mythologie im Internet)
http://www.wedernoch.de/thesen/z_mythen2.htm
Das Stichwort „Entmythologisierung“ ist von der Theologie besetzt; allgemeiner ist der Aufsatz http://www.postmoderne-theologie.de/de/entmythologisierung.html.
Man könnte vielleicht auch auf den Artikel „Dekonstruktion“ in literaturwissenschaftlichen Wörterbüchern zurückgreifen.
Eine andere Art der Auseinandersetzung mit dem Mythos demonstriert Leszek Kolakowski: Der Himmelsschlüssel. Erbauliche Geschichten, München 1966. Man könnte ein, zwei dieser Geschichten mit Christa Wolfs Erzählweise vergleichen und die Angemessenheit der beiden Verfahren für heutige Zeit erörtern. Schlinks Rückgriff auf die „Odyssee“ dürfte aus dem Zentralabitur 2007/08 noch bekannt sein.
Weiteres Material findet man, wenn man „biblische Motive, moderne Literatur“ in der Suchmaschine eingibt, und bei den genannten Wörterbüchern (E. Frenzel, L.Walther).
Ein anderes Suchwort neben „Auseinandersetzung mit dem Mythos“ ist „Antikerezeption“, unter dem einige Projekte an deutschen Unis laufen, oder der Begriff „Transformation der Antike“. Vgl. http://c2m.free.fr/al/litte.htm oder http://de.wikipedia.org/wiki/ (Kategorien der Antikerezeption dort)
Vielleicht kommt man weiter, wenn man Wolfs „Kassandra“ als Gegenentwurf gegen das antike Heldenepos oder die Heldensage versteht und sich nicht am Begriff „Mythos“ festklammert:
http://lexikon.meyers.de/meyers/Heldenepos
http://lexikon.meyers.de/meyers/Epos
http://de.wikipedia.org/wiki/Heldenepos
http://www.freenet.de/freenet/kino/filme/troja/index.html
http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/
http://lexikon.meyers.de/meyers/Heldensage
http://wapedia.mobi/de/Heldensage
http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=107882#Heldensage
Dirk Schindelbeck: Schöpfungsmythos und Goldenes Zeitalter – Unsere Nachkriegsgeschichte als Heldenepos (pdf-Datei) kann man als moderne Verfremdung des Heldenepos lesen. Eine Einführung in die historische Wirklichkeit des Heldensangs bietet Meyers Darstellung.

Zur Interpretation des Dritten (S. 120, vgl. 99 und 133)
Wenn man fragt, was mit dem so genannten Dritten gemeint ist, kommt man vielleicht auf drei Wegen weiter:
1. Es geht um die Überwindung einer Konfrontation, in der vermeintlich nur einer gewinnen kann, vielleicht aber beide verlieren (die politische Interpretation); das wird in der Spieltheorie theoretisch und praktisch diskutiert:
http://www.uwenowak.de/arbeiten/gefangenendilemma.xhtml (einfach, mit Aufgaben)
http://www.4managers.de/themen/spieltheorie/
http://www.methode.de/st/ws/stws003.htm (einfach)
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,408327,00.html
http://www.spieltheorie.de/ (mit praktischen Aufgaben)
http://www.mathematik.de/spudema/spudema_beitraege/beitraege/kuhlenschmidt/index.htm (einfach, mehrere Stichwörter)
http://infos.aus-germanien.de/Spieltheorie (mit Querverweisen)
http://classic.unister.de/Unister/wissen/sf_lexikon/ausgabe_stichwoerter27_y.html (Lexikon!)
http://wikiludia.mathematik.uni-muenchen.de/index.php/Spieltheorie (mathematisch)
http://www.eckhartarnold.de/papers/spieltheorie/node1.html (skeptisch)
2. Wenn es um die theoretische Geltung zweiwertiger Unterscheidungen geht, kann man sich mit dem Phänomen der sprachlichen Antonyme und mit Gotthard Günthers Kritik an der zweiwertigen Logik befassen (Vorsicht, schwierig!):
a) Antonyme: Müller, Wolfgang: Das Gegenwörterbuch. Ein Kontrastwörterbuch mit Gebrauchshinweisen, Berlin 2000
Lyons, John: Semantik. Band I, München 1980, S. 281 ff.
http://santana.uni-muenster.de/Linguistik/user/steiner/semindex/paradigma.html
http://santana.uni-muenster.de/Linguistik/user/steiner/semindex/semindex.html
(Semantik und Pragmatik: Basis der Ausführungen über Antwonyme)
http://wapedia.mobi/de/Antonym (Übersicht: Arten von Antonymen)
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/asw/gfs/deutsch/onlinewb/frames.html (dort: „Bedeutungsbeziehungen, logische“)
b) zu Gotthard Günther:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gotthard_G%C3%BCnther
http://www.thinkartlab.com/pkl/media/kurtk/obgeist.htm
http://www.textem.de/346.0.html
http://www.vordenker.de/ggphilosophy/ggphilo.htm
http://userpage.fu-berlin.de/~gerbrehm/GG_Seite.htm
http://beat.doebe.li/bibliothek/p00877.html
3. Mit der Formel „Leben im Geist“ greift Kassandra auf christliche Schlagworte vor (Christa Wolf greift darauf zurück), die auf eine Befreiung hinweisen und deshalb oft im Predigtton behandelt werden. Ich habe unter den Stichworten „Geist – Buchstabe“ (bzw. pneuma – gramma) und „Leben Geist“ nachgeschaut:
http://also.kulando.de/post/2006/12/30/ber_ds_unaussprechliche
http://www.welt-der-bibel.de/bibliographie.1.3.zweite_Brief_Paulus_Korinther.75.html (vor allem zu Vers 6!)
http://theopoint.de/html/geist_und_bibel.html
http://www.bible-only.org/german/handbuch/Spirituelle_Interpretation.html
http://www.stereo-denken.de/joachim.htm
http://www.fbgg.de/perspektiven/06-00/0600-1.htm
http://www.come2god.de/koeberlelebenimgeist.htm
Das Thema „Geist“ als eines der zentralen Themen europäischen Denkens kann nicht erschöpfend behandelt werden. [Der Autorin Wolf mag es um ein Leben aus dem Geist des Sozialismus statt aus dem Buchstaben der SED gegangen sein.]

Dem Lehrer sei das Buch „Moderne Literatur in Grundbegriffen“, hrsg. von Dieter Borchmeyer und Viktor Zmegac, 2., neu bearbeitete Auflage 1994, empfohlen: „Frauenliteratur, Innerer Monolog, Intertextualität, Metatextualität, Moderne/Modernität, Mythos, Neue Subjektivität, Realismus, Roman, Utopie/Antiutopie“ sind relevante Stichwörter.

30. Nov. 007

Ich möchte noch auf Angelika Schmidts Rezension des Buches hier in diesem Blog nebst dem begleitenden Briefwechsel hinweisen.

Nach menschlichem Ermessen erscheint im Frühjahr 2008 ein von mir verfasstes Lehrerheft mit der Ausarbeitung dieser Ideen in Aufgaben und Lösungserwartungen sowie mit Materialien (im Verlag Krapp & Gutknecht, Rot an der Rot). Deshalb behalte ich mir alle Rechte der wirtschaftlichen Nutzung dieses Beitrags über Wolfs „Kassandra“ vor.
Inzwischen bin ich „natürlich“ in meiner Arbeit für das Lehrerheft ein Stück über den Stand meiner Einsichten vom 30. November hinausgekommen – aber dazu sage ich jetzt nichts; sonst bestünde ja kein Anlass mehr, sich das Lehrerheft anzuschauen.
30. Dezember 007

Idee: produktiv zu Bildern schreiben
Kassandra
http://www.museumonline.at/2003/servus_latein/antike/bilder/museum_13.jpg (Portrait)* http://www.bc.edu/bc_org/avp/cas/ashp/NEWhp252/portnov/Kassandra1234.jpg (Kassandras Vergewaltigung; Quelle dafür: http://www.bc.edu/bc_org/avp/cas/ashp/NEWhp252/portnov/cassandrat.html) http://pl.wikipedia.org/wiki/Grafika:Aias_Kassandra_Louvre_G458.jpg (Vergewaltigung, wobei sie die Statue der Athene umfasst) http://www.hellenica.de/Griechenland/Mythos/Kassandra.html (mit Flucht des Aineias)http://www.mlahanas.de/Greeks/Mythology/Cassandra.html (viele Kassandras!)
Achilleus http://www.hellenica.de/griechenland/Biographie/Exekias.html (dort: Ajax und Achilleus beim Brettspiel)* http://www.mlahanas.de/Greeks/Mythology/Achilles.html (viel Achill, u.a. im Film)
http://users.bigpond.net.au/bstone/achilles.htm (viel Achill, Patroklos) http://www.marvunapp.com/Appendix/achilles.htm (im Comic) Anchises, Aineias http://www.mlahanas.de/Greeks/Mythology/Aeneas.html http://chss2.montclair.edu/classics/aeneidetc.htm

Es gibt in diesem Blog noch weitere Analysen und Interpretationen zu Wolf: Kassandra; man findet sie, wenn man am rechten Rand die Kategorien sieht und dort „Romane“ anklickt oder bei den Schlagwörtern „Wolf“:
– ketzerische Randbemerkungen
– Rezension 2007
– Interpretation der Formel „Zeugin bleiben“
– Kassandras Situation
– Eros (im Motto)
– Materialien zur Interpretation
– die Erzählsituation
(überstrapazierte Ich-Erzähler)
Abendlicht/Sonnenuntergang: Motiv und Metapher
– Priesterin oder Seherin
Seitenzählung der Ausgaben SZ-Edition und Luchterhand (2004)

Nachtrag: 
Herlinde Koelbl hat 1998 das Buch „Im Schreiben zu Haus. Wie Schriftsteller zu Werke gehen“ mit Fotos vieler bedeutender Schriftsteller (auch ihrer Arbeitsgeräte und -räume) und Gesprächen mit ihnen veröffentlicht (Verlag Knesebeck). Das Buch ist lesens- und sehenswert; den Beitrag über Christa Wolf findet man S. 238 ff.

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