H. Schleichert: Wie man mit Fundamentalisten diskutiert … (Besprechung)

ohne den Verstand zu verlieren oder Anleitung zum subversiven Denken (1997, jetzt für 9,95 bei Beck zu kaufen, oder http://www.irwish.de/Site/Biblio/Sprachkritik/Schleichert.htm zu lesen – dort leider ohne Literaturverzeichnis und mit unklarer Abgrenzung der Zitate; aber mit ein bisschen Verstand kriegt man das hin)

Das ist das erste Buch, das ich online gelesen habe – ich habe es nicht bereut. Es besteht eigentlich aus zwei Teilen; einmal ist es eine an Beispielen demonsrierte Einführung in normale Argumentationsmuster oder -figuren, also in die geläufigen Formen des Argumentierens, ihre Stärken und Schwächen, die offensichtlich seit der Antike bekannt sind. [Was mich am ersten Teil stört, ist lediglich die Tatsache, dass Schleichert die Konklusion aus den Prämissen „These“ nennt; ich ziehe „Folgerung“ oder „Konklusion“ vor, weil „These“ an die Sprachhandlung behaupten gebunden ist, aber nicht jede Argumentation in einer bloßen Behauptung endet.] Im zweiten Teil setzt Schleichert sich mit der Frage auseinander, wie man mit Fundamentalisten (Ideologen, Gläubigen) diskutieren kann und wie man sich mit ihnen auseinandergesetzt hat. Das Ergebnis: Man kann mit ihnen nicht diskutieren, sondern nur subversiv sich herumschlagen, vor allem mit einer fundamentalistisch-diktatorischen Obrigkeit. Im zweiten Teil gibt es einige Längen und Überschneidungen bzw. Wiederholungen; wie man mit schlicht fundamentalistischen Zeutgenossen diskutieren kann, weiß auch Schleichert nicht. Insgesamt ist die Lektüre zu empfehlen – zumindest der erste Teil ist zum Beispiel für Deutschlehrer oder Juristen usw. praktisch brauchbar, der zweite Teil scheint heute insgesamt weniger aktuell zu sein, weil „wir“ nicht das Bedürfnis haben, mit Fundamentalisten zu diskutieren – das kann sich jedoch leider sehr schnell ändern: Annette Ramelsberger berichtete am 8. Februar 2012 in der SZ („Um Gottes Willen“, S. 3) über den verstockten Christen und Bibelfundamentalisten Axel H., der seine vier Kinder nach Ägypten entführt hatte und dem dem Prozess gemacht wurde; aus meiner Verwandtschaft kenne ich einen ähnlichen Menschen: ein Mann von fast 50 Jahren, rechthaberisch und arbeitsscheu, aber fromm und täglich im Gespräch mit seinem Gott.

Zugleich kann das Buch als Spiegel denen dienen, die eine religiöse (auch eine quasireligiöse politische?) Vergangenheit haben und sich mühsam als kritische Geister mit ihrer Religion auseinandergesetzt haben: Erinnerung an die vielen Tricks, mit denen man sich seine Gläubigkeit zu bewahren suchte, oder mit denen die Funktionäre der Religion einen im Denken und Leben klein gehalten haben bzw. halten wollten.

Zur Vorgeschichte meiner Lektüre sowie Links (Besprechungen) zum Buch siehe https://also42.wordpress.com/2012/02/03/rationale-argumentation-mit-fundamentalisten/!

Links zur Argumentationstheorie stehen hier.

One thought on “H. Schleichert: Wie man mit Fundamentalisten diskutiert … (Besprechung)

  1. Pingback: Rationale Argumentation mit Fundamentalisten? « philo42

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s