Schiller: Don Karlos – Analyse wichtiger Szenen

Analyse I 1

Analyse I 

Aufbau von II 2

Analyse II 15

Analyse III 10

Neues Schema: Aufbau III 10

Analyse IV 3

IV 9 – Analyse: Gesprächsabschnitt

Analyse V 1 und V 3

Analyse V 3

Analyse V 11

Neue Analyse

Die Analyse finden Sie in meinem Buch „Friedrich Schiller. Kabale und Liebe“, das bei Krapp & Gutknecht erschienen ist.

P.S. Schillers Brief an Körner vom 3. Juli 1785 bezeugt, dass im Zusammenhang des Themas „Freundschaft“ die Säkularisisierung zentraler christlicher Motive Schiller nicht fremd war: „Bester Freund – der gestrige Tag, der zweite des Julius, wird mir unvergesslich bleiben, so lange ich lebe. Gäbe es Geister, die uns dienstbar sind und unsere Gefühle und Stimmungen durch eine sympathetische Magie fortpflanzen und übertragen, Du hättest die Stunde zwischen halb acht und halb neun Vormittags in der süßesten Ahnung empfinden müssen. Ich weiß nicht mehr, wie wir eigentlich darauf kamen, von Entwürfen für die Zukunft zu reden. Mein Herz wurde warm. Es war nicht Schwärmerei, – philosophisch-feste Gewißheit war’s, was ich in der herrlichen Perspective der Zeit vor mir liegen sah. Mit weicher Beschämung, die nicht niederdrückt, sondern männlich emporrafft, sah ich rückwärts in die Vergangenheit, die ich durch die unglücklichste Verschwendung missbrauchte. Ich fühlte die kühne Anlage meiner Kräfte, das misslungene (vielleicht große) Vorhaben der Natur mit mir. Eine Hälfte wurde durch die wahnsinnige Methode meiner Erziehung und die Misslaune meines Schicksales, die zweite und größere aber durch mich selber zernichtet. Tief, bester Freund, habe ich das empfunden, und in der allgemeinen feurigen Gährung meiner Gefühle haben sich Kopf und Herz zu dem herkulischen Gelübde vereinigt – die Vergangenheit nachzuholen, und den edlen Wettlauf zum höchsten Ziele von vorn anzufangen. Mein Gefühl war beredt und theilte sich den anderen elektrisch mit. O, wie schön und wie göttlich ist die Berührung zweier Seelen, die sich auf ihrem Wege zur Gottheit begegnen. Du warst bis jetzt noch mit keiner Sylbe genannt worden, und doch las ich in Huber’s Augen Deinen Namen – und unwillkürlich trat er auf meinen Mund. Unsere Augen begegneten sich, und unser heiliger Vorsatz zerschmolz in unsre heilige Freundschaft. Es war ein stummer Handschlag, getreu zu bleiben dem Entschlusse dieses Augenblicks – sich wechselweise fortzureißen zum Ziele – sich zu mahnen und aufzuraffen einer den andern – und nicht stille zu halten bis an die Grenze, wo die menschlichen Größen enden. O, mein Freund! Nur unserer innigen Verkettung, ich muß sie noch einmal so nennen, unserer heiligen Freundschaft allein war es vorbehalten, uns groß und gut und glücklich zu machen. Die gütige Vorsehung, die meine leisesten Wünsche hörte, hat mich Dir in die Arme geführt, und ich hoffe, auch Dich mir. Ohne mich sollst du ebenso wenig Deine Glückseligkeit vollendet sehen können, als ich die meinige ohne dich. Unsere künftig erreichte Vollkommenheit soll und darf auf keinem anderen Pfeiler als unserer Freundschaft ruhen. – Unsere Unterredung hatte diese Wendung genommen, als wir ausstiegen, um unterweges ein Frühstück zu nehmen. Wir fanden Wein in der Schenke. Deine Gesundheit wurde getrunken. Stillschweigend sahen wir uns an, unsere Stimmung war feierlich Andacht, und jeder von uns hatte Thränen in den Augen, die er sich zu ersticken zwang. Göschen bekannte, daß er dieses Glas Wein noch in jedem Gliede brennen fühlte, Huber’s Gesicht war feuerroth, als er uns gestand, er habe noch keinen Wein so gut gefunden, und ich dachte mir die Einsetzung des Abendmahls – „Dieses thut, so oft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtniß.“ Ich hörte die Orgel gehen und stand vor dem Altare. Jetzt erst fiel’s uns auf die Seele, daß heute Dein Geburtstag war. Ohne es zu wissen haben wir ihn heilig gefeiert. – Theuerster Freund, hättest du deine Verherrlichung in unseren Gesichtern gesehen – in der vom Weinen erstickten Stimme gehört: in dem Augenblicke hättest Du sogar Deine Braut vergessen, keinen Glücklichen unter die Sonne hättest Du beneidet. – – – Der Himmel hat uns seltsam einander zugeführt, aber in unserer Freundschaft soll er ein Wunder gethan haben. Eine dunkle Ahnung ließ mich so viel, so viel von Euch erwarten, als ich meine Reise nach Leipzig beschloß, aber die Vorsehung hat mir mehr erfüllt, als sie mir zusagte, hat mir in Euren Armen eine Glückseligkeit bereitet, von der ich mir damals auch nicht einmal ein Bild machen konnte. Kann dieses Bewußtsein Dir Freude geben, mein Theuerster, so ist Deine Glückseligkeit vollkommen.“

 

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