Norbert Bischof: Psychologie – Besprechung

Untertitel des 2008 (2. Auflage 2009) erschienenen Buchs: Ein Grundkurs für Anspruchsvolle

Ich habe das Buch nicht als Psychologiestudent, sondern als pensionierter Lehrer gelesen und kann deshalb die fachwissenschaftliche Leistung des Autors nicht würdigen. Mit dieser Einschränkung möchte ich zwei Hauptgedanken des Buches hervorheben. Der erste ist die alte Leib-Seele-Problematik, die Bischof im Sinn einer Identität löst: Seele ist neben Leib das, was wir erleben; Psyche und Gehirnvorgänge sind das, was die Forschung untersucht, und sie sind nichts anderes als „Seele“ in anderer Perspektive. Damit ist der Erzfeind ausgemacht, der in allen Erscheinungsformen bekämpft wird: der Dualismus des Herrn Descartes.

Der zweite Grundgedanke besagt, dass Psychologie genau wie die Basiswissenschaft Biologie eine Strukturwissenschaft, keine Materiewissenschaft ist; es geht also darum, psychische Leistungen eingebettet in Regelkreise zu erklären, welche man auch schematisch darstellen kann.

Erhellend und ernüchternd zugleich ist das letzte, das 20. Kapitel: Psychologie heute; dort wird gezeigt, wie der Wissenschaftsbetrieb läuft und wie ganz andere Interessen als das an der reinen Einsicht bestimmen, was in der Psychologie vorkommt und wer in der Psychologie vorankommt – für Ältere ist das ohnehin klar, weil es „überall“ so zugeht, für Jüngere mag es lehrreich sein und einige Illusionen zerstören.

Das Buch umfasst auf 560 Seiten Text 20 Kapitel, die in acht Themenkreisen zusammengefasst sind: Leib und Seele; Wirklichkeit und Wahrheit; Anlage und Umwelt; Aristoteles und Galilei; Ordnung und Organisation; Mensch und Tier; Triebe und Motive; Denken und Fühlen. Diese Übersicht zeigt, dass Bischof den wissenschaftstheoretischen Grundfragen eine breiten Raum einräumt. Inhaltsverzeichnis: http://www.bischof.com/norbert_psychologie_grundkurs_inhalt.html; eine gewisse Vorstellung von dem, was einen erwartet, vermittelt die Zusammenfassung einer Vorlesung Norbert Bischofs, welche man unter www.bischof.com/mat/psych_einf_1.pdf bis www.bischof.com/mat/psych_einf_14.pdf aufrufen kann; die Dateien mit den Indizes 2 bis 13 kann man natürlich auch einsehen.

Ein wenig hat mich Bischofs Neigung, neue Fremdwörter einzuführen, gestört – im Augenblick versteht man zwar die Bedeutung dieses Begriffs, aber später erinnert man sich nicht mehr so genau an seine Bedeutung – zumindest mir ist es so ergangen. Das heißt aber nicht, dass man Bischofs Buch nicht mit Gewinn läse, falls man an den wissenschaftstheoretischen Grundsatzfragen interessiert ist. Psychologie für den Hausgebrauch findet man in diesem Buch jedoch kaum. Wer Freude an deftiger Polemik hat (gegen den Konstruktivismus, gegen den Behaviorismus, gegen die Überschätzung der „Gesellschaft“, gegen den wissenschaftlichen Mainstream, gegen alle möglichen Deppen), kommt voll auf seine Kosten.

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