Oskar Maria Graf: Gelächter von außen – Besprechung

Ich kenne Oskar Maria Graf (1894 – 1967), seit ich „Wir sind Gefangene“ (1927) vor Jahrzehnten gelesen habe: den faszinierenden Bericht einer schwierigen Kindheit im Bäckerhaushalt in Berg am Starnberger See, einer unruhigen Jugend, der Emanzipation in die Münchener Boheme, der Verstrickung in den 1. Weltkrieg und in die Revolution 1918/19 … Mit einem Leistungskurs Deutsch habe ich später „Die Geschichte meiner Mutter“ gelesen; dabei waren die Schüler wohl etwas weniger begeistert als ich. Als ich kürzlich die von Walter Treß herausgegebene Anthologie „Verbrannte Bücher 1933“ gelesen habe, bin ich wieder auf Oskar Maria Graf gestoßen und habe beschlossen, sein letztes Buch „Gelächter von außen. Aus meinem Leben 1918 – 1933“ zu lesen.

„Gelächter von außen“ (1966) ist quasi die Fortsetzung von „Wir sind Gefangene“; für das Verständnis der familiären Verhältnisse bei Graf zu Hause ist es hilfreich, wenn man „Wir sind Gefangene“ kennt. „Gelächter von außen“ ist ein Buch voller Anekdoten von der Begegnung mit Menschen in der Zeit vor 1933, von Entstehung und Verfall der Republik (dazu sein kleines Manifest S. 505 f., Ausgabe dtv 10206) und von der Karriere Grafs als Schriftsteller. Wenn Graf nach 40 Jahren die alten Geschichten erzählt, darf man natürlich nicht meinen, das seien Protokolle der damaligen Gespräche und Ereignisse – es sind gut erzählte Geschichten, ohne genaue Datierung, oft thematisch geordnet. Im 21. Kapitel wird erzählt, wie „Wir sind Gefangene“ entstanden ist. Der Autor nennt sein Buch eine unordentliche Chronik (S. 245); er konzediert, dass der geregelte Fluss „und die zeitliche Folgerichtigkeit der Erzählung“ zuweilen etwas verwirrt sind, weil seine fast manische Mitteilsamkeit ihn abschweifen lasse (S. 339).

So gewinnt man beim Lesen ein lebendiges Bild der Zeit vor 1933 und lernt auch viele Menschen und Namen kennen, die man vielleicht noch nicht kannte (z.B. Karl Radek oder Franz Jung) und deren Geschichte man bei Wikipedia verfolgen kann. Für mich, Jahrgang 1942, ist die Zeit vor 1933 Geschichte – also ein Bereich trockenen Wissens, der durch solche Bücher lebendig wird. Für meine Kinder ist die gleiche Zeit schon Vorgeschichte und vielleicht nicht mehr interessant. Ich kann das Buch zur unterhaltsamen Lektüre empfehlen, auch wenn manche Episoden vom Saufen und Streiten sowie der Aufruf zur Sexualdemokratie etwa ab S. 300, 350 an Reiz verlieren, weil man sie ähnlich bereits gelesen hat.

http://epub.ub.uni-muenchen.de/5170/1/5170.pdf (Heimatliteratur im Exil)

http://www.versalia.de/Rezension.Graf_Oskar_Maria.837.html

http://rudolf-homann.blog.de/2010/07/25/geboren-juli-anmerkungen-oskar-maria-graf-9034700/

http://www.lesekost.de/deutsch/by/graf/HHLBYG03.htm

http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44658?pdf=true

http://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?task=lpbauthor.default&pnd=118541358

http://www.oskarmariagraf.de/index.html

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