John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter – Besprechung

John Green hat ein Jugendbuch geschrieben (Carl Hanser Verlag, 2012), in dessen Lob die Rezensenten sich überschlagen:

http://www.ndr.de/kultur/literatur/johngreen103.html

http://www.roterdorn.de/inhalt.php?xz=rezi&id=18452

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1863602/

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1733756/Das-Schicksal-ist-ein-mieser-Verraeter

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article109282868/Romeo-und-Julia-haben-Krebs.html

http://blog.libri.de/empfehlungen/rezensionen-pressespiegel/rezension-zu-das-schicksal-ist-ein-mieser-verraeter-von-john-green/

http://www.kultur-vollzug.de/article-35040/2012/09/01/lachen-und-lieben-weinen-und-weiterlesen/

http://buchgedanken.blogspot.de/2012/08/rezension-das-schicksal-ist-ein-mieser.html und so weiter, vielleicht schauen Sie jedoch noch bei http://www.buecherrezensionen.org/buecher/rezension/john-green-das-schicksal-ist-ein-mieser-verraeter.htm nach.

Es ist ein bewegendes Buch, das als zarte Liebesgeschichte zweier todkranker Jugendlicher das Gemüt des Lesers berühren kann: zweier Jugendlicher, die in erstaunlicher Frühreife mit ihrer todbringenden Krankheit umgehen und in der ersten Liebe ihre Grenzen überschreiten. [Die begeisterte Aufnahme des Buches zeigt auch, dass solche postmodernen Theoreme wie das vom Tod des Erzählers Hirngespinste sind: Die Ich-Erzählerin Hazel vermag die Leser sehr wohl zu fesseln.]

Damit ist aber noch nicht alles gesagt. Mein erster Einwand betrifft den Ablauf des erzählten Geschehens: Dass der Schriftsteller Van Houten beim Begräbnis Augustus’ auftaucht, ist nicht nur unwahrscheinlich, sondern auch überflüssig; es trägt nichts zum weiteren Geschehen bei. Mein zweiter Einwand betrifft die Menge kolportagehafter Elemente, die dem fesselnden Mix von Liebe und Krankheit zum Tod beigegeben sind: dass Augustus als einziger überhaupt Kontakt zu Van Houten bekommt, dass die beiden Jugendlichen eine Reise nach Amsterdam geschenkt bekommen, dass sie ausgerechnet im Anne-Frank-Haus … Hierunter fällt auch die intellektuelle Frühreife der beiden und die Übernachtung im Kierkegaard- und Heidegger-Zimmer in Amsterdam – es fehlt nur noch, dass sie „Der Begriff Angst“ lesen oder „Sein und Zeit“ interpretieren. Dieser zweite Einwand verliert jedoch etwas an Gewicht, wenn man bedenkt, dass es sich um ein Jugendbuch handelt; da muss wohl mit dickerem Pinsel gezeichnet werden. Mein dritter Einwand richtet sich gegen die Übersetzung: Sophie Zeitz beherrscht offenbar den Konjunktiv nicht („als Dr. Maria am Freitagmorgen hereinkam, eine Minute lang an mir herumschnüffelte und schließlich sagte, ich konnte gehen“, S. 103 – ein Beleg für viele; der Genitiv von „Jesus“ ist außerdem „Jesu“, nicht „Jesus’“).

Fazit: ein gutes Buch, wenn bedenkt, dass es ein Jugendbuch ist. Es ist zu vermuten, dass es mit erbaulichem Unterton Standardlektüre in Schulen wird, wenn es als Taschenbuch vorliegt. Ich bin gespannt, ob es eine zweite Lektüre aushält, und werde von meiner diesbezüglichen Erfahrung berichten.

P.S. Auch in der SZ wird der Roman Greens gelobt (http://www.sueddeutsche.de/kultur/roman-von-john-green-wenn-nicht-klar-ist-woher-die-traenen-kommen-1.1426687 sowie eine Besprechung in der Wochenendbeilage vom 22. September 2012); aber zur Buchmesse 2012 gab es in der SZ ein Verdikt, „zehn Einsprüche gegen Bücher, die sich zum Ärgernis entwickelt haben“: Was zunehmend an den Nerven sägt, ist die „bewegende Liebesgeschichte vor dem Hintergrund großer internationaler Konflikte“ (Schöffling), gern auch als „Geschichte einer großen Liebe in düsteren Zeiten“ (KiWi) beworben, als Erzählung von „Hoffnung und Liebe inmitten von Grausamkeit und Tod“ (Knaus) oder, historisch konkreter, als „mitreißende Liebesgeschichte vor der Kulisse des besetzten Paris“ (DVA). Bei der grassierenden Variante „Die schönste Liebesgeschichte seit Doktor Schiwago“ (ebenda) sind Krieg und finstere Zeiten platzsparend im Referenztitel versteckt. (http://www.sueddeutsche.de/leben/frankfurter-buchmesse-zehn-vetos-gegen-den-trend-1.1488269-6, 6. Oktober 2012, SZ-online; wer der Autor ist, konnte ich nicht feststellen.) Ob der Autor wohl auch an das Buch vom Schicksal als miesen Verräter gedacht hat?

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