Brecht: Dunkel im Weidengrund – zur Analyse

Dunkel im Weidengrund

Orgelt der Wind…

http://www.oocities.org/wellesley/garden/6745/Brecht27_39.html Text

http://teddy-aktuell.beepworld.de/brecht.htm

In den ersten drei Strophen beschreibt ein unbeteiligter Sprecher, wie sie „es“ macht und warum sie es so macht: weil die Mutter ruft (V. 3), weil es schon dunkel ist (V. 7), weil es nass und kalt im Gras ist (V. 9 f). „Es“ in der Männersprache: Sie gibt sich hin (V. 12). Es könnte sein, dass das dem Wind metaphorisch zugesprochene Orgeln (V. , V. 6) eine Anspielung auf das sexuelle Bemühen des Mannes ist; allerdings ist „orgeln“ beim jungen Brecht häufig das, was der Wind tut: „Doch die Bäume rauchen und orgeln eine düstere Melodie.“ (Lied von der Eisenbahntruppe)

Das wird in einem zügigen Versmaß beschrieben: zwei Daktylen pro Vers, wobei im jeweils zweiten Vers zwei Silben fehlen, wodurch eine Pause entsteht; die jeweils zweiten Verse reimen sich auch mehr oder weniger sinnvoll. Der Satz geht über das Versende der jeweils ersten Verse hinaus, was das Tempo hoch hält;  am Versende der jeweils dritten Verse endet zweimal ein Nebensatz (V. 3, V. 7).

In der vierten Strophe wird das Ende dieses emsigen Treibens im Weidengrund beschrieben: „Wenn rot der Neumond hängt …“ (V. 13 ff.). Nun hängt aber nicht der Neumond rot, sondern der Vollmond, und der Zeitpunkt des Todes („wenn der Neumond hängt“) ist ohne rechten Zusammenhang mit der sexuelllen Aktivität im Weidengrund; dass der Mond „im Weidenwind“ hängt, soll diesen Zusammenhang irgendwie herstellen. „Jungfrau und Kind“ (V. 16) schwimmen im Fluss – damit ist einmal das Motiv der Wasserleichen berührt (vgl. https://norberto42.wordpress.com/2012/11/01/brecht-vom-ertrunkenen-madchen-analyse/); zum anderen ist die Bezeichnung „Jungfrau“ bewusst schnodderig, weil sachlich unmöglich, gewählt.

Es ist der gleiche Großmannston wie im Gedicht „Erinnerung an die Marie A.“ – der Ton eines Sprechers, der locker das unglückliche Geschick eines anscheinend leichtfertigen Mädchens beschreibt. Entgegen den Prinzipien meiner Auswahl nehme ich Brechts Gedicht „Dunkel im Weidengrund“, 1920 entstanden, nicht in meinen Kanon der Brecht-Gedichte auf: Das Gedicht ist zu simpel gestrickt.

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