Brecht: Sonnenburg – Analyse

Es steht zu Sonnenburg…

Über das KZ Sonnenburg

http://www.stiftung-bg.de/kz-oranienburg/index.php?id=303

http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Sonnenburg

http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/143/Martyriums-Museum-Sonnenburg

Text des Gedichts

http://www.oocities.org/wellesley/garden/6745/Brecht1_13.html

http://members.aon.at/sroth/lyrik/brecht.htm

Das Gedicht ist 1933 entstanden, 1934 erstmals in „Der Gegen-Angriff“ gedruckt worden und wurde in „Lieder Gedichte Chöre“ (1934 bei Editions du Carrefour in Paris) aufgenommen; dieses politische Liederbuch sollte einen Gegenpol dazu bilden, dass die traditionellen Volkslieder von den Nazis vereinnahmt wurden. Es wird polemisch, teils auch ironisch beschrieben, was im Lager Sonnenburg passiert (Str. 1-5). In den beiden letzten Strophen wird sarkastisch vorgeschlagen, dass die KZ-Schergen besser die Ausbeuter statt der Ausgebeuteten ins KZ sperrten: „Dann hätte in Sonnenburg / Das Lager einen Nutzen…“ (V. 25 f.) – Zynismus des Klassenkämpfers Brecht, der sich nur gegen die Quälung der Genossen stellt und die Schikanierung der Ausbeuter im KZ befürwortet.

Das Eigentümliche dieses Gedichts besteht in der Verbindung von Nazi-Kritik und Klassenkampf-Propaganda. Das zeigt sich in der Bedeutung des Wortfeldes „mager/Hunger“ (V. 4, 5, 8, 12, indirekt 19 f., 23 f., 27): Die Bewacher werden mit den Eingesperrten als Magere zu den Hungernden gezählt; ihr gemeinsamer Feind ist der fette Mann, den man besser einsperrte (V. 24) und zum Stiefelputzen abstellte (V. 27 f.).

In den Strophen 4 und 5 wird der Hitlergruß ironisch als Beweis für die bleibende Armut der Nazi-Mitläufer oder -Schergen erklärt, woran sich dann der sarkastische Vorschlage, die Fetten zu inhaftieren, anschließt. In dem Sinn könnte man auch vorschlagen, die Str. 1-3 als Beschreibung der Zustände im Lager und Str. 4-7 als Vorschlag zur sinnvollen Nutzung von KZs anzusehen. Die beiden Teile gehören jedoch untrennbar zusammen: Als Zweck der Bewachung der Gefangenen wird erklärt, „Daß die nicht aufstehn / Und dem Hunger entrinnen.“ (V. 7 f.) So wird der Vorschlag des zweiten Teils (Str. 4-7) bereits in der Beschreibung des Lagers vorbereitet. In dem Sinn könnte man das Gedicht auch als zynischen Vorschlag dafür lesen, wie man KZs sinnvoll nutzen kann. Dass KZs an sich ein Übel sind, kommt dem Klassenkämpfer Brecht hier nicht in den Sinn.

Der Sprecher tritt nicht als Ich, wohl aber in seinen Wertungen deutlich hervor. Er steht im Zweifrontenkrieg gegen die Nazis und die Ausbeuter; die Nazi-Schergen werden als fehlgeleitete Brüder der Inhaftierten angesehen (V. 18): Der Feind steht also nicht „rechts“, sondern „oben“ als fetter Mann. Die Sprache des Gedichtes ist einfach; das Metrum unregelmäßig, zu Beginn zwei Hebungen pro Vers mit unregelmäßiger Füllung, später teilweise mehr Hebungen (V. evtl. 11, 15, 17 f., 22 f). Es reimen sich jeweils der 2. und 4. Vers jeder Strophe. Die einfache Sprache macht das Gedicht zu einem geeigneten Kandidaten für „Lieder Gedichte Chöre“; ethisch und poetisch hat Brecht sich hier auf das Niveau der SA-Lyrik begeben.

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