Brecht: Legende von der Entstehung des Buches Taoteking… – Analyse

Als er Siebzig war und war gebrechlich…

Taoteking

http://www.iging.com/laotse/LaotseD.htm (Text)

http://home.arcor.de/holofeelings/Tao_Te_King.pdf (Text, der Brecht vorlag)

http://www.tao-chi.info/Kursangebote/sight-seeing/Philosophie/LAO-TZE/lao-tze.html (Text)

http://www.seeger-laux.gmxhome.de/zenroku/Tao-te-King.htm (Text, mit Kommentar)

http://www.das-klassische-china.de/Tao/Titelseite/index.htm

http://www.iging.com/laotse/LaotseD.htm (dort: Des Wassers Güte)

http://de.wikipedia.org/wiki/Laozi (über Laotse)

Bild: Laotse auf dem Ochsen

http://www.buch-antik.ch/photogallery/Bilder3_Sachgebiete_Buecher/LAOTSE~1.GIF

http://www.teeweg.de/graphik/daodejing/laotse.jpg

http://www.zitate-aphorismen.de/images/authors/laotse.jpg

Text

http://www.rohanda.de/fileadmin/data/PDFs/Geschichten/25_TaoTeKing.pdf

http://www.tao-te-king.org/brecht.htm (auf „Original“ klicken!)

http://www.ottosell.de/brecht.htm (mit Gedanken dazu)

http://ciml.250x.com/archive/literature/german/brecht_kalendergeschichten.pdf (Text der „Kalendergeschichten“, darin die Ballade als Parallelgeschichte zu „Die unwürdige Greisin“)

Das Gedicht ist 1937/38 in Svendborg entstanden, 1939 in Moskau und Basel veröffentlicht worden und in die „Svendborger Gedichte“ (1939), später in die „Kalendergeschichten“ (1949) aufgenommen worden. Es geht im Anschluss an das „Taoteking“ darum, dass (im Klassenkampf) der Mächtige unterliegt und wie Wissen und Weisheit zustande kommen. – Der wikipedia-Artikel und die Vorlesung von Frau Fliedl (s. unten Links zur Analyse) sind übersichtlich gegliedert und je auf ihre Weise lehrreich; was dort gesagt worden ist, brauche ich nicht zu wiederholen. Ich gebe zunächst einen kurzen Überblick über Aufsätze Franz Norbert Mennemeiers, Han-Soon Yims (s. Links zur Analyse) und Walter Hincks – detailliert kann es jeder selbst nachlesen.

Franz Norbert Mennemeier: Von der „Freundschaft“ zur „Freundlichkeit“. Zu Bertolt Brechts „Ballade von der Freundschaft“ und „Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration“. In: Deutsche Balladen. Gedichte und Interpretationen, hrsg. von Gunter E. Grimm. Stuttgart 1988, S. 401 ff.

  • Das Gedicht als Ballade in den „Chroniken“ der „Svendborger Gedichte“, die „realistische Schreibweise“ (S. 416 f.)
  • Ballade von einem der „Großen“, soll neue Tugenden einer neuen Gesellschaft propagieren (ideologiekritisch) (S. 417)
  • Simplizität und Heiterkeit der Ballade stammen aus dem Geist der Legende (S. 417 f.)
  • Demokratisierung des traditionell „hohen“ Legendenstils („intressiert“, V. 32; der ganze V. 40 und V. 55; ähnlich die Reime) (S. 418 f.)
  • Geschehen gipfelt in der 9. und 10. Strophe (eine Art Anagnorisis: er erkennt den Zöllner) (S. 419 f.)
  • Lehrgedicht: 5. Str., Hoffnung für alle Verfolgten des Naziregimes (ähnlich bereits 1. Str.: das geschichtlich Übliche) (S. 420)
  • Freundlichkeit im Auftreten des Weisen und im Vortrag des Erzählers (S. 420 f.)
  • „höflich“ (Str. 10, 12): Distanz in der Zuwendung (S. 421)
  • „Zöllner“ (Str. 4, 11): biblische Assoziationen (S. 422)
  • Kern der „Legende“: Bild einer neuen, auf Solidarität gründenden Form von Kommunikation und gesellschaftlichem Handeln: Auch der Hörer arbeitet an der Entstehung des Werkes mit (S. 422 f).
  • Brechts Interesse am „chinesischen“ Thema bereits 1920; das bezeugt, dass für ihn das Thema „Freundlichkeit“ von fundamentaler Bedeutung ist (S. 423 f.)

Han-Soon Yim:

  • Brechts Beziehung zum Fremden, speziell zu China; das Wassermotiv (1)
  • Eine Aufführung der „Legende…“ in Korea;
  • Form und Aufbau des Gedichts; Bedeutung der 5. Strophe (2)
  • Das Wasser und die Verwandlung bei Brecht;
  • die Stärke der Schwachen: ein Grundbegriff der Dialektik;
  • Vergleich mit den Gedichten „Ballade vom Wasserrad“, „Das Lied von der Moldau“, „Lied der Ströme“ (1954), „Eisen“ (1953), „Beim Lesen des Horaz“ (3)
  • Wie kann man das Gedicht ins Koreanische übersetzen? (4)

Walter Hinck: Der Weise und der Wißbegierige, in: Gedichte von Bertolt Brecht. Interpretationen, hrsg. Von Jan Knopf. Stuttgart 1995, S. 133 ff.

  • Laotse als Weiser: eine Wunschprojektion Brechts (S. 133)
  • Ausgesprochen epischer Stil des Gedichts, in der Form verankert: Kürze des jeweils fünften Verses (S. 135 f.)
  • Motiv der Freundlichkeit bei Brecht (vgl. An die Nachgeborenen“)
  • Das Taoteking kommt Brechts Gedanken vom Wechsel der Klassenherrschaft entgegen (S. 137), s. auch „Ballade vom Wasserrad“ und „Lied von der Moldau“ (S. 137 f.)
  • Sozialer Gestus der Dichtung Brechts: besondere Rolle des Adressaten für die literarische Produktion, er fehlt im Exil (vgl. „Lehren ohne Schüler“, S. 139)
  • Die Rolle des Adressaten ist hier im erzählten Geschehen verankert: „He, du! Halt an!“ (V. 30) und Str. 13 (S. 139 f.)
  • Der Weise als Gegenbild der akademischen Philosophen (S. 140), dabei Abgrenzung gegen das Gedicht „Der Schuh des Empedokles“ (S. 141 f.)
  • Über Svendborg: Gedicht „Zufluchtsstätte“ (S. 142 f.)
  • Lob des Gedichts „Legende von…“, Hinweis auf das Gedicht „Eisen“ (S. 144 f.)

Ich beschreibe den Aufbau des Gedichts (nach Strophen) und vergleiche anschließend meine Lösung mit zwei anderen Lösungen:

  • Aufbruch Laotses wird erzählt, (1) – (3)
  • Kleine Störung („Doch“) der Reise, (4)
  • Unterbrechung („Doch“) der Reise zur Fixierung de Lehre, (5) – (8)
  • Beschreibung des armen Zöllners, (9)
  • Lehre wird niedergeschrieben, Fortsetzung der Reise (10) – (12)
  • Höreranrede: „Sagt jetzt…“ [letzter Vers von (12)], leitet über zu
  • Lob der beteiligten Figuren und Belehrung der Hörer: vom Erwerb des Wissens und der Weisheit (13)

In der ersten Mitschrift der Vorlesung Fliedl wird der Aufbau so beschrieben:

Inhaltlicher Aufbau

1, 2, 3: Einleitung: Reiseentschluss, Aufbruch, Reise;

4 – 6: Zöllnerbegegnung: Rede des Knaben (Knabe taucht zum 1. Mal auf); Botschaft des Taoteking; Scheinaufbruch;

7 – 8: Zöllnerapell: Erkundigung des Zollbeamters steht im Vordergrund; Einladung (Rede des Zöllners wird fortgesetzt, verlangt Antwort);

9: Status des Zöllners: soziale Markierung des Zöllners, ist Unterprivilegierter;

10: Antwort – Rede des Knaben (Entschluss zu bleiben);

11 – 13: Schreibaufenthalt, zweiter Aufbruch (endgültige Abreise), Moral.

Ich zitiere, was Han-Soon Yim zum Aufbau schreibt:

„Die ersten vier Verse jeder Strophe sind fünf- bis achtfüßig, wobei die Fünffüßigkeit am häufigsten vorkommt. Die Sonderstellung des fünften Verses zeigt sich nicht nur in seiner Kürze – er ist drei- bis fünffüßig, meist aber vierfüßig –, sondern auch in der Reimgestaltung: Auf den liedhaft wiederholten Kreuzreim abab folgt dessen letzte Hälfte b, wodurch der fünfte Vers die Strophe jeweils zu einer relativ selbständigen Erzählstation abschließt.

Aus den Strophen ließen sich allerdings weitere Erzähleinheiten herausbilden. Möglich und sinnvoll wäre eine Einteilung der 13 Strophen in 4 Einheiten nach dem Schema 4-4-4-1. Auf die Exposition (1.-4. Strophe: Aufbruch des Alten – Begegnung mit dem Zöllner) und die eindringliche, aber »höfliche« Bitte des Mannes (5.-8. Strophe) kommt das ebenso »höfliche« Entgegenkommen des Lehrers (9.-12. Strophe); und im Schluß­teil verändert der Erzähler bzw. das lyrische Ich plötzlich – genau genommen bereits mit dem letzten Vers der 12. Strophe (»Sagt jetzt: kann man höflicher sein?«) einsetzend – sein bisher neutrales Erzählverhalten zu einem auktorialen, wendet sich direkt an den Leser, um gemeinsam mit ihm aus dem geschilderten Geschehnis aus der alten Zeit eine Lehre für die Gegenwart zu ziehen, und zwar im Modus eines Vorschlags: »Aber rühmen wir nicht nur den Weisen« für seine Weisheit, sondern der wißbegierige Zöllner soll auch bedankt sein: »Er hat sie ihm abverlangt.« (GW 9, 663) Das Gleichgewicht zwischen den vier Erzähleinheiten ist also dadurch erreicht, daß der letzten, kleinsten Einheit das Schlußwort des Erzählers zuteil wird.“ (S. 172 f.)

Der Koreaner hat m.E. besser als der die Vorlesung Mitschreibende (oder Frau Fliedl) den Aufbau verstanden; die Sonderstellung von Str. 9 wird durch Deterings Forschungen, welche Frau Fliedl referiert, erklärt: Das Gedicht stammt ursprünglich vermutlich von Frau Steffin (vgl. https://norberto42.wordpress.com/2012/11/25/brecht-morgens-und-abends-zu-lesen-analyse/), Brecht hat es leicht überarbeitet und die Str. 9 eingeschoben. Meine Vorstellung vom Aufbau differenziert die Ausführungen des Koreaners.

Analyse

http://de.wikipedia.org/wiki/Legende_von_der_Entstehung_des_Buches_Taoteking_auf_dem_Weg_des_Laotse_in_die_Emigration-brecht.php

http://brecht.german.or.kr/jungbo.net/Hwizard/contents/jahrbuecher/1/12wasser.doc (Han-Soon Yim: Das Wasserbild des Taoteking bei Brecht)

http://wassertroepfchen.files.wordpress.com/2009/01/2008_12_10-gedichte-brecht-legende-von-der-entstehung-des-buches-taoteking.doc (Mitschrift der Vorlesung Konstanze Fliedl, 10.12.2008)

http://www.univie.ac.at/iggerm/files/mitschriften/Gedichte-2008W-Fliedl.pdf (andere Mitschrift der gesamten Vorlesung der Frau Fliedl, fehlerhaft, dort die 8. Vorl. – es ist interessant, zwei verschiedene Mitschriften der gleichen Vorlesung zu vergleichen)

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/das-harte-unterliegt-1685277.html (Besprechung der Analyse von H. Detering)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=l517Cb4zagk

http://www.youtube.com/watch?v=TD8Up0aR2uI (Ernst Busch)

http://www.rezitator.de/gdt/1026/ (Lutz Görner)

http://www.youtube.com/watch?v=jUdZks-4pc4 (Deutsch Lk)

Rezeption, z.B.

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/fileadmin/Redaktion/Institute/Sozialwissenschaften/Politikwissenschaft/Dokumente/Alemann/98_alemann_oetv.pdf

http://www.schulpsychologie.de/wws/bin/567882-569930-2-muth_text.pdf

Vertonungen von Hans Werner Henze, Hans Ludwig Schilling

Das Gedicht, eines der ganz großen Gedichte Brechts, wird oft und gern zitiert (s. google!).

Sonstiges

http://www.reinhard-doehl.de/forschung/ballade/ballade_11.htm (über Legende und Ballade)

Meine Analyse der Ballade vom Wasserradhttps://norberto42.wordpress.com/2012/01/30/brecht-das-lied-vom-wasserrad-analyse/

3 thoughts on “Brecht: Legende von der Entstehung des Buches Taoteking… – Analyse

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