Brecht: O Lust des Beginnens – Analyse

O Lust des Beginnens! O früher Morgen!…

Text

http://www.pathologie-moers.de/sinne/olust.htm

http://www.gestaltung.hs-mannheim.de/designwiki/files/10941/motivation_2_semester_ss2009.pdf (andere Textgestalt)

http://members.aon.at/sroth/lyrik/brecht.htm (dito)

http://www.bibl.u-szeged.hu/exhib/brecht/brecht2.html (mit dem „Blick der Liebe“, aber ohne den passenden Zeilenschnitt)

Das Gedicht ist um 1945 entstanden, während der Arbeit am Messingkauf. Es gibt auch einen Zusammengang mit dem Galileo, der zwischen 1945 und 1947 entstanden ist: „Wie sagt der Dichter? ‚O früher Morgen des Beginnens!…’“ (Bild 1: es 1, S. 10), sagt Galilei. Darauf zitiert Andrea: „O früher Morgen des Beginnens! / O Hauch des Windes, der / Von neuen Küsten kommt!“  Galilei hatte zuvor im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Revolution und der Herrschaft des Zweifels den Aufbruch aufs offene Meer propagiert (S. 8 ff.). – Im Kommentar der sechsbändigen Werkausgabe (Bd. 4, S. 548) wird auf Gedichte Whitmans und Baudelaires als mögliche Quellen von Brechts Gedicht verwiesen, wobei nur Whitmans Gedicht „Ein Sang der Freuden“ den gleichen fröhlichen Ton wie das vorliegende Gedicht besitzt.

Die Textgestalt schwankt bei den Versionen, die man im Internet findet. Ich halte mich an die Gestalt  des ersten Links (ohne Stropheneinteilung, mit dem Teilvers 8 „O Beginn der Liebe…“), die auch in der Werkausgabe zu finden ist.

Ein ungenannter Sprecher preist die Lust des Beginnens (V. 1). Wo er diese Lust erlebt hat, wird in den folgenden Versen preisend dargestellt, jeweils persönlich angesprochen (was mich an Goethes „Mailied“ erinnert): „O früher Morgen!“ (V. 1) So geht die Reihe weiter: erstes Gras im Frühjahr, erste Seite des neuen Buchs, erster Wasserguss, das frische Hemd, der Beginn der Liebe, Beginn der Arbeit, erster Zug beim Rauchen – und zum Schluss: „Und du / Neuer Gedanke!“ (V. 12 f.)

Das Neue des Brecht’schen Gedichts zeigt sich im Vergleich mit Goethes „Mailied“: Bei Goethe waren es Frühling, Natur und Liebe, die gepriesen, ja angehimmelt wurden – die klassischen Themen der Lyrik; jetzt kommen auch so prosaische Dinge wie ein Wasserguss beim Waschen, ein frisches Hemd oder der Beginn der Arbeit hinzu; selbst das Rauchen bleibt nicht unerwähnt, aber den Schluss bildet als Höhepunkt der neue Gedanke. Brechts Gedicht berührt sich an einer Stelle auch mit Hesses „Stufen“:

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,


Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Bei Hesse wird erklärt, worin der Zauber der neuen Stufen besteht; bei Brecht werden sie nur in ihrer Vielzahl gepriesen.

Das Neue – das ist ein altes Thema, seit die Menschen den Glauben an die ewig gleiche kreisende Bewegung der Gestirne aufgegeben haben. Schiller hat es im Gedicht „Die Hoffnung“ besungen. Ja, die Hoffnung auf das Neue ist noch älter: Es ist die eschatologische Hoffnung, die an die religiöse Chiffre „Auferweckung der Toten“ gebunden ist und unter dem Symbol des neuen Jerusalems vorgestellt wird: „Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein…“ (Apk 21,3) Wir sind bescheidener geworden; wir genießen den frischen Wasserguss in ein verschwitztes Gesicht und den Beginn der Liebe. – Als Kontrastprogramm könnte man Peter Bichsels Erzählung „Ein Tisch ist ein Tisch“ nennen.

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=so0GiW_0Lb0

Rezeption

http://www.donaukurier.de/nachrichten/kultur/Ingolstadt-Alles-auf-Anfang;art598,2502869

Sonstiges

http://www.zeno.org/Literatur/M/Whitman,+Walt/Lyrik/Grashalme+(Auswahl)/%C2%BBEin+Sang+der+Freuden%C2%AB/Ein+Sang+der+Freuden (Whitman: Ein Sang der Freuden)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Baudelaire,+Charles/Lyrik/Die+Blumen+des+B%C3%B6sen+(Auswahl)/Pariser+Bilder/Morgend%C3%A4mmerung (Baudelaire: Morgendämmerung)

Schiller: Die Hoffnung (http://www.autoren-gedichte.de/schiller/die-hoffnung.htm)

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