Brecht: Schwächen – Analyse

Du hattest keine …

Text

http://www.zitate-online.de/sprueche/kuenstler-literaten/16191/schwaechendu-hattest-keineich-hatte-eineich-liebte.html (mit Rezeption)

http://kirschbluetengleich.blog.de/2011/07/11/title-11467527/

http://www.joergalbrecht.de/es/deutschedichter.de/werk.asp?ID=1204

Das Gedicht ist im März 1950 entstanden, für Ruth Berlau geschrieben. – Dass Brecht 1950 ihre Beziehung „versachlichen“ wollte, hat sie nicht verkraftet.

Ein lyrisches Ich wendet sich an ein Du (biografisch gelesen, Brecht an Ruth Berlau). Es blickt zurück (Präteritum). Es gesteht sich eine „Schwäche“ ein, nämlich dass es liebte. Wen es liebte, wird nicht gesagt, aber es kann nur das Du sein – wozu sollte es sonst dem Du sagen, dass es jemand anderes liebte? Und nun frage ich mich: Wozu sagte das Ich dem Du, dass es (das Du) liebte (Präteritum)?

Das wird erst klar, wenn man die beiden vorhergehenden Sätzen liest: „Du hattest keine [Schwäche] / Ich hatte eine“. Das hört sich zunächst nach einem Schuldbekenntnis an, wobei allerdings das Präteritum verwundert; Schwächen „hat“ man ja eher, als dass man sie „hatte“. Aber das ist nicht so wichtig – die beiden Sätze bekommen durch den dritten Satz ein ganz anderes Sinngefüge: „Ich liebte“ (V. 3). Hier wird das Lieben als „Schwäche“ ausgegeben, also vielleicht als etwas, was verwundbar macht. Aber vor allem wird dem Du vorgeworfen, dass es nicht liebte, wo doch das Ich liebte. Wozu sollte man im Rückblick sonst sagen, dass man (einseitig: eine Schwäche) das Du liebte? Und was soll ein solcher Vorwurf leisten, außer dass man dem Du noch einmal Bescheid sagt, es womöglich verletzt?

Die Rhetorik des Gedichtes ist raffiniert; aber die Aussage ist als Aussage Brechts gegenüber Ruth Berlau eine ziemliche Flegelei, finde ich. Es sei denn, man änderte das zu ergänzende Objekt zu „Ich liebte“ und dächte sich gesagt: „Ich liebte viele Frauen.“ Das wäre dann in der Tat ein Schuldbekenntnis im Rückblick, passend in die Situation Brecht-Berlau 1950: ‚Du liebtest nur mich, aber ich liebte viele Frauen. Das war meine Schwäche.’ [Als dritte Möglichkeit könnte man erwägen, dass Brecht ein Rollengedicht für ein weibliches Ich, konkret Ruth Berlau, geschrieben hat; dann würde er ihr den Vorwurf gegen sich in den lyrischen Ich-Mund legen: „Ich liebte dich, das war meine Schwäche.“ Rhetorisch zöge er sich so aus der Affäre, dass er ihr den letzten Vorwurf gestattet – eine Spekulation, wie gesagt, ich kenne die Person B. Brecht nicht wirklich.] – Hier sieht man übrigens aus, wie problematisch es ist, Gedichte aus der Biografie des Dichters zu interpretieren (es sei denn, sie seien ausdrücklich so konzipiert!).

Die Form ist ganz einfach: Drei Sätze in Umgangssprache, auf drei Zeilen verteilt, einzig durch einen Doppelpunkt verbunden, der die bekannte „Schwäche“ erklärt. Durch die Unbestimmtheit des Objekts ist das Gedicht vieldeutig, ohne Einbindung in die Situation Brecht-Berlau (oder ähnliche Situationen) sinnlos.

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=XcQTdVZMN3E

Rezeption

http://gluecksgestalter.typepad.com/gluecksgestalter/2011/01/schw%C3%A4chen.html

Ruth Berlau

http://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_Berlau

http://stiftung-aufarbeitung.de/wer-war-wer-in-der-ddr-%2363%3B-1424.html?ID=235

http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/ruth-berlau/

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/530195/

http://www.berliner-lindenblatt.de/content/view/218/235/

http://www.welt.de/kultur/article5891970/Wie-Bertolt-Brecht-seine-Geliebte-ausnutzte.html

http://www.joachim-dietze.de/pdf/brecht_ab.pdf (Brecht und seine Frauen)

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