Brecht: Auf einen chinesischen Teewurzellöwen (Theewurzellöwen) – Analyse

Die Schlechten fürchten deine Klaue…

Text

http://www.brigittefuchs.ch/serendipity/auf-einen-chinesischen-theewurzellowen_300/

http://littalk1.blogspot.de/2008/12/adventskalender-tag-11.html

http://www.nk-rock-city.de/board/index.php?page=Thread&postID=177933&l=3

Wieland Herzfelde wählte das Gedicht als Motto für die von ihm 1951 herausgegebenen „Hundert Gedichte“. Herzfelde hatte als Illustration auf dem Schutzumschlag ein kleines Gebilde aus Wurzeln vorgeschlagen, das einem Tier glich, und gab dazu diese Erläuterung: „Figur aus Wurzeln des Theestrauches, im alten China als Glückstier betrachtet und um so höher bewertet, je weniger Schnitzarbeit sie aufweist.“ Brecht hatte die Figur im amerikanischen Exil erworben; bei ihm heißt sie immer „Theewurzellöwe“.

Absicht des Gedichtes sei es, zu belehren und zu beeinflussen, was durch Mittel sprachlicher Verfremdung erreicht werde. Das sei in diesem Fall die Emblematik, meint Dieter Lamping. Prüfen wir diese Interpretation:

„Ein Emblem besteht aus einem (rätselhaften) Kupferstich oder Holzschnitt (Pictrura), einer sentenzhaften Überschrift (Inscriptio, Motto) und einem den Bildinhalt deutenden Epigramm (Subscriptio), meist in lateinischer Sprache. Diese dreiteilige Bauform ist für das Emblem charakteristisch, die Doppelfunktion von Abbild und Deutung gehört zum Wesen des Sinn-Bildes.“ (kerber-net.de) Wendet man diese emblematische Dreiteilung auf das Gedicht an, ergibt sich: Inscriptio wäre die Überschrift des Gedichtes, die aber nicht sentenzhaft ist. Pictura wären die beiden ersten Verse mit der konträren Einstellung der Schlechten/Guten (fürchten/freuen sich), denen auf Seiten des Löwen seine Klaue/Grazie entspricht. „Derlei“ (V. 3) nimmt auf die beiden ersten Verse Bezug und leitet über zur Deutung (Subscriptio): Der Löwe steht für „mein Vers“, d.h. die Gesamtheit der Verse Brechts. Das lyrische Ich, welchen den Teewurzellöwen direkt anspricht (was auch im geistigen Monolog geschehen kann!), ist in diesem Fall ausdrücklich der Autor Bertolt Brecht; wichtig ist Theo Bucks Hinweis, dass „Hörte“ (V. 4) vermutlich ein Konjunktiv II ist (= ich würde gern hören). – Zweifellos ist das Gedicht „bildhaft“, mit dem Löwen als Bild für „meinen Vers“, genauer: mit dem ambivalenten Verhältnis der Menschen zum Löwen als Bild für ihr ambivalentes Verhältnis zu Brechts Gedichten; aber ein wirkliches Emblem ist es nicht, weil Pictura (es geht um ein zweischneidiges Verhältnis!) und Inscriptio im strengen Sinn fehlen. Ich sehe auch nicht, dass Brecht mit diesem Gedicht jemanden belehren oder beeinflussen wollte; er drückt sein Selbstverständnis als Dichter aus, er spricht von der erhofften Wirkung seiner Gedichte.

Eine Vorstufe des Gedichts, dessen endgültige Fassung im August 1951 entstanden ist, lautet (nach Theo Buck) so:

„Sein Fell ist stachlich

Sei mein Vers stachlich!

Sein Auge blickt jeden an

Blicke mein Vers jeden an!

Er war eine Wurzel und springt zu

Sei mein Vers verwurzelt und treffend!“

Interessant ist es auch, Brechts Selbstverständnis von 1951 mit dem von 1933 zu vergleichen, wie es im folgenden überaus selbstbewussten Gedicht formuliert ist:

»Ich benötige keinen Grabstein, aber
Wenn ihr einen für mich benötigt
Wünschte ich, es stünde darauf:
Er hat Vorschläge gemacht. Wir
Haben sie angenommen.
Durch eine solche Inschrift wären
Wir alle geehrt.« (Brecht, 1933)

In der Literatur findet man auch einen Vergleich mit Vergleich mit Benns Gedicht „Ein Wort“. Kurt Binneberg schlägt den Vergleich dreier poetologischer Gedichte zur politischen Lyrik vor: B. Brecht: „Auf einen chinesischen Theewurzellöwen“ (1951) – H.M. Enzensberger: „Poetik-Vorlesung“ (1955/70) – G. Kunert: „So soll es sein“ (1974).

http://books.google.de/books?id=Rm3gAiTbMa8C&pg=PA257&lpg=PA257&dq=brecht+auf+einen+chinesischen+theewurzell%C3%B6wen&source=bl&ots=Ts6WGKgoCB&sig=AEE1z-VgyX7Fjkmr2ov0CDoBeLo&hl=de&sa=X&ei=Zm_TUN3yFIXptQaAqYGQDg&ved=0CDwQ6AEwAjgK#v=onepage&q=brecht%20auf%20einen%20chinesischen%20theewurzell%C3%B6wen&f=false (Theo Buck, S. 256 ff.)

Rezeption

http://www.stimmeundchor.de/nr.4chinTeewurzelloewe-2.pdf (Vertonung)

Sonstiges:

http://de.wikipedia.org/wiki/Emblem_(Kunsthistorische_Kategorie) (dito)

http://www.lyrikschadchen.de/Motivkreis_Sprache.pdf (Die Sprache als Thema von Gedichten)

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