David van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte – Besprechung

Es gilt ein bemerkenswertes Buch vorzustellen, die von David van Reybrouck erzählte Geschichte des Staates Kongo, der als persönliche Kolonie des Königs Leopold II. begann, dann Kolonie des belgischen Staates wurde, 1960 unabhängig wurde und seitdem Bürgerkriege und Diktaturen erlebte. Daraus ist ein bewegendes Buch geworden, großartig erzählt; van Reybrouck war oft vor Ort und hat mit Leuten gesprochen, die bei wichtigen Ereignissen dabei waren.

Das Buch zeigt beispielhaft, wie die unheilige Dreifaltigkeit von Staat, Kapital und Kirche das reiche Land „zivilisiert“ und ausgebeutet hat, wie inkompetente und machtgierige Politiker sich den Reichtum des Landes unter den Nagel gerissen oder verschleudert haben. Auch freie Wahlen nach westlichem Muster nützen nicht viel: Sie bringen dem Volk keine Mitsprache und keinen Anteil am Reichtum des eigenen Landes. Neu war für mich, dass die sogenannten afrikanischen Stämme weithin den Lehrbüchern der Weißen entsprungen sind, dass der damit entstehende Tribalismus verheerende Folgen hatte. Ich erinnere mich noch daran, wie die Namen Kasavubu, Tschombé  und Lumumba vor 50 Jahren täglich in den Nachrichten genannt wurden – hier erlebt man sie als Akteure und als Opfer ihrer Gegner. Das Neueste ist das Interesse Chinas an den Bodenschätzen des Landes und das Interesse findiger Kongolaner am Handel mit billigen chinesischen Waren oder der Exodus in die kleine kongolesische Kolonie in Gouangzhou/China.

Ich erinnere mich noch, wie ich die Zeit der Scheutistenmissionare in Deutschland erlebt habe: Wir katholische Kinder bezogen um 1950 ein Heftchen vom Päpstlichen Werk der Glaubensverbreitung (oder vom Päpstlichen Werk der heiligen Kindheit?), „Die Sternsinger“; auf der letzten Seite waren in einem Comic die Abeuteuer von Jumbo und Wambo dargestellt – zwei kleine Afrikaner, die mehr oder weniger lustige Streiche anstellten und uns darin bestärkten, für ihre Missionierung (und Zivilisierung) monatlich zwanzig Pfennig zu spenden.

Hier sind die Renzensionen, die ich gefunden habe:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/1987425/

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1963832/ (Interview mit Deltlef Felken)

http://www.swr.de/swr2/literatur/buch-der-woche/david-van-reybrouck-kongo/-/id=8316184/nid=8316184/did=9999302/1pc6riv/index.html (Interview mit D. van Reybrouck)

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/david-van-reybrouck-kongo-bei-suhrkamp-a-829640.html

http://www.taz.de/!94621/

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2012-3-192

http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Uebersicht/David-Van-Reybrouck-gewinnt-NDR-Sachbuchpreis

http://www.tagesspiegel.de/kultur/buch-der-woche-rohstoff-afrika/6594426.html

http://www.fluter.de/de/113/buecher/10797/

One thought on “David van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte – Besprechung

  1. Toller Tip, danke! Einer der auf leider fragwürdige Weise interessantesten Staaten der Welt. Sehr viel Leid lässt sich da beobachten – und vermutlich ist die Schuld „von außen“ nirgends so gut sichtbar wie Im Kongo. Dazu noch die Tatsache, dass trotz Dauergewalt dort kaum jemand einschreiten mag…ich werde das Buch definitiv lesen. EAL/David Wonschewski

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