Eichendorff: Der Einsiedler – Analyse

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht …

Text

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=93

http://www.zeno.org/Literatur/M/Eichendorff,+Joseph+von/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1841)/6.+Geistliche+Gedichte/Der+Einsiedler

http://www.textlog.de/22739.html

Das Gedicht stand in der erst nach Eichendorffs Tod veröffentlichten Novelle „Eine Meerfahrt“ (vermutlich 1835/36 entstanden) und wurde von einem Einsiedler gesungen. Veröffentlicht wurde es 1837 unter seinem heutigen Titel. Es ist ein Rollengedicht, die Äußerung eines Einsiedlers. Der Einsiedler ist eine in der Romantik beliebte Figur, in der sich die Abkehr von der lauten Welt manifestiert.

Der Einsiedler wendet sich (als lyrisches Ich) mit einer Bitte an die „stille Nacht“: „Komm“ (V. 1); sie ist ja „Trost der Welt“, welche offensichtlich leidet oder leidvoll ist. Ein weiteres Attribut der Nacht ist ihre behutsame („sacht“, V. 2) Ankunft. Das Einzige, was der Einsiedler hört, ist das Abendlied eines Schiffers „im Hafen“ (V. 4-6). Damit ist kein „realer“ Hafen in der Nähe bezeichnet, sondern der rettende Hafen Gottes, den man nach seiner Lebensfahrt (Seefahrt: alte Metapher des Lebenslaufs) erreicht – Ende der Seefahrt und Ende des Tages fallen zusammen, das Abendlied kann nur ein Lied „Zu Gottes Lob“ (V. 6) sein; der Einsiedler sehnt also das Ende seines beschwerlichen Lebens herbei.

In der zweiten Strophe reflektiert der Einsiedler seine Existenz über die Jahre hin: Er ist einsam, von der stillen Nacht immer wieder getröstet (Konditionalsatz V. 11 f.), vom trostvollen „Waldesrauschen“ (V. 11 – das passt ohnehin nicht zu einem realen Hafen) umgeben. Diese Strophe ist ein dankbares Bekenntnis, ein Loblied auf die stille Nacht als einige Gefährtin des einsamen, von der Welt vergessenen Einsiedlers.

In der dritten Strophe wird noch deutlicher, dass der Tag (und das Licht auf dem Meer) eine Metapher des ganzen Lebens ist, die stille Nacht also dessen Ende: „Laß ausruhn mich von Lust und Not, / Bis daß das ewge Morgenrot / den stillen Wald durchfunkelt.“ Diese Bitte umschließt die ewige Ruhe, die bis zu einem neuen ewigen Morgenrot (christlich: Auferstehung der Toten) reicht. Auch das ewige Morgenrot funkelt in einem stillen Wald – ein klares Indiz dafür, dass auch der Wald kein Ort in der Nachbarschaft ist. In der Anrede „O Trost der Welt“ (V. 13) wird die Eingangsanrede (V. 1) wiederholt, diesmal deutlicher in ihrer metaphorischen Bedeutung als göttlicher Friede erkennbar. Dieser Friede kommt am „Abend“ des Lebenstages (V. 14 f.) als erwünschte und verheißene Ruhe für den müden Wanderer (ein anderes Bild des Lebenslaufs, hier vom Schiffer gebraucht).

Die drei Strophen bestehen jeweils aus sechs Versen im Schweifreim; Takt ist der Jambus, je zweimal vier Hebungen und einmal drei Hebungen mit weiblicher Kadenz (der 3./6. Vers sind also jeweils um eine Silbe verkürzt, was sich als Pause im Spreche bemerkbar macht). Gelegentlich ist die erste Silbe eines Verses betont (Komm, V. 1; Singt, V. 5; Da, V. 10; O, V. 13; Laß, V. 16). Die reimenden Verse sind auch semantisch sinnvoll aneinander gebunden: stille Nacht / von den Bergen sacht (V. 1 f.); wandermüd / sein Abendlied (V. 4 f.); das Meer dunkelt / das Morgenrot funkelt (V. 15/18). Bei den 3./6. Versen einer Strophe muss man gelegentlich weiter ausholen, um einen Sinnzusammenhang zu finden: die Lüfte schlafen / Abendlied im Hafen (V. 3/5 f.).

Im Gedicht wird die religiöse Dimension der bei Eichendorff breit entfalteten Abend-Nacht-Thematik deutlich. Das Gedicht geht auf das Lied „Komm, Trost der Nacht, o Nachtigall“ zurück, das der Einsiedler im „Simplicissimus“ I,7 singt, was den gleichen Rhythmus aufweist, allerdings einen Refrain besitzt. Als Lied ist das Gedicht breit rezipiert, in der Schule wird es wenig gelesen – die Thematik ist den Schüler ja auch fremd.

http://www.dr-peter-wieners.de/autoren-a—l/gryphius/gedichte/abend-vergleich-mit-eichendorff-der-einsiedler.html (Gedichtvergleich mit Gryphius: Abend)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimmelshausen,+Hans+Jakob+Christoffel+von/Romane/Der+abenteuerliche+Simplicissimus+Teutsch/Erster+Teil/Erstes+Buch/Das+7.+Kapitel (Der abenteuerliche Simplicissmus Teutsch I,7)

http://books.google.de/books?id=aP8uMMkseuIC&pg=PA281&lpg=PA281&dq=eichendorff+der+einsiedler&source=bl&ots=qCqxdZo719&sig=INl76VNpPCgTqytBNjbY8Eit68I&hl=de&sa=X&ei=q54nUYrUM8Wk4ASZmoHYCA&ved=0CEUQ6AEwBDgU#v=onepage&q=eichendorff%20der%20einsiedler&f=false Jakob Koemann, Grimmelshausenrezeption (S. 280 ff., 288 ff.)

Vortrag:

http://www.youtube.com/watch?v=DWjiaPcZCWE (Martijn Hooning)

http://www.youtube.com/watch?v=KuIC9kYZqy8 (Max Reger, Ausschnitt)

http://www.youtube.com/watch?v=aFPOPtN0hAI (Max Reger, Chor)

http://www.youtube.com/watch?v=WlZzURk969s (Schumann)

http://www.youtube.com/watch?v=04_oR2JsA_4 (Schumann: Fischer-Dieskau)

Sonstiges

http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Scheuren_Eichendorff_Einsiedler.jpg (Bild)

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