Matthias Claudius: Der Mensch – Analyse

Empfangen und genähret …

Text

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=45

http://de.wikisource.org/wiki/Der_Mensch_(Claudius)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Claudius,+Matthias/Gedichte+und+Prosa/Asmus+omnia+sua+secum+portans/Vierter+Teil/Der+Mensch

http://www.kalliope.org/en/digt.pl?longdid=claudius2001102220

Das Gedicht ist 1783 im Asmus IV erschienen. Es ist ein besinnliches, lehrhaftes Gedicht; ein des Menschen (Überschrift!) kundiger Sprecher legt dar, was „Der Mensch“ für ein Wesen ist: ein Wesen voller Widersprüche.

Aufbau: Der (all)wissende Sprecher beschreibt die widersprüchliche Existenz des Menschen und blickt zugleich auf dessen Anfang und Ende. Am Beginn steht die Existenz in der Mutter, „wunderbar“ empfangen „und genähret“ (V. 1 f.); dann wird er geboren („Kömmt er“, V. 3). Darauf folgt die Beschreibung unserer so widersprüchlichen Existenz (V. 3-14). Die Widersprüche bzw. die Kontraste, die so Gegensätzliches in einer Existenz vereinen, sieht man leicht: sehen und hören und doch quasi blind den Betrug nicht wahrnehmen; begehren und doch verzichten müssen (Tränlein darbringen, V. 6), usw.; sich dabei immerzu quälen (V. 12) und darüber alt werden (V. 14). Zum Schluss blickt der Sprecher auf die Dauer dieses Lebens: höchstens 80 Jahre (V. 16) Das „etc.“ (et cetera = und so weiter) in V. 16 kann sich auf die Altersbeschwerden beziehen, die den Träger grauer Haare plagen und die aufzuzählen überflüssig ist: Jeder kennt sie. Es folgt der ernüchternde Abschluss: der Tod (V. 17; denn = dann); „Und er kömmt nimmer wieder.“ (V. 18)

Form: Diese illusionslose Beschreibung des menschlichen Lebens erfolgt in einer einzigen Strophe, im Jambus, dreihebig. Jeweils zwei Verse gehören auf besondere Weise zusammen, oft sinngemäß (V. 1 f.; 3 f.; 5 f.; 9 f.; 15 f.; 17 f.), manchmal auch nur im Rhythmus der Reime. Das Gedicht ist nämlich im Kreuzreim geschrieben, wobei das Reimpaar „genähret/wunderbar“ (V. 1/2) als unreiner Reim die ersten 16 Verse beherrscht; die beiden letzten Verse sind im Paarreim verbunden und markieren so den Abschluss. Der erste der jeweils zwei Verse enthält eine zusätzliche Silbe (weibliche Kadenz), wodurch am Ende dieses Verses eine kleine Pause nötig wird; am Ende des zweiten Verses ist die Pause länger, auch weil dort ein Semikolon oder Punkt den Satz schließen (mit einer Ausnahme: V. 2). – Eine Reihe erster Silben ist gegen den Takt betont (V. 3, V. 9 u.ö.), was dem Rhythmus ein eigenes Gesicht gibt.

Das Gedicht stimmt mich beim Lesen ein wenig nachdenklich – es sagt nichts Neues, macht aber die Zerrissenheit unserer Existenz bewusst; es ist nicht Matthias Claudius’ letztes Wort – das ist ein gläubiges Bekenntnis zum christlichen Gott. Man kann den Brief an seinen Sohn Johannes (s. unten) als gültigen Kommentar des Dichters zu seinem Gedicht lesen. Die Interpretation von Gerhard Kaiser (s. unten) stellt das Gedicht in seine Zeitgeschichte: „Auf biblische Reden von der Lebensmühsal und Hinfälligkeit zurückgreifend, macht Claudius eine generalisierende Aussage über den Menschen, die im schneidenden Gegensatz zur hochgemuten Anthropologie der klassischen Epoche steht. Dass der Mensch gut sei, durchklingt das Zeitalter, aber der Wandsbecker Bote scheint es nicht vernommen zu haben.“ 

http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/347466_0027.pdf (G. Kaiser; die vollständige Interpretation in Gerhard Kaiser: Augenblicke deutscher Lyrik, it 978, 1987, S. 163 ff.)

http://litteratour.wordpress.com/2012/11/08/matthias-claudius-der-mensch/ (persönliche Rezeption einer „bibliophilen Philosophin“)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=8xhMWLhaW7w (laienhaft)

http://ia700402.us.archive.org/16/items/sammlung_gedichte_006_0903_librivox/sammlung_gedichte_006_06dermensch_rk.mp3 (gut) = http://www.nuttymp3.com/mp3/453043

http://www.deutschelyrik.de/index.php/der-mensch.html (Fritz Stavenhagen)

http://www.rezitator.de/gdt/823/ (Lutz Görner, mäßig)

Sonstiges

http://www.christoph-moder.de/texte/lebensregeln-claudius.html (Claudius’ Brief an seinen Sohn Johannes, 1799, quasi ein Kommentar zum Gedicht)

http://primanota.net/huub-de-lange/drei-claudius-lieder-der-mensch-sheets.htm (Noten Huub de Lange)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s