Matthias Claudius: Kriegslied – Analyse

‘s ist Krieg! ‘s ist Krieg! …

Text

http://de.wikisource.org/wiki/Kriegslied_(Matthias_Claudius)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Claudius,+Matthias/Gedichte+und+Prosa/Asmus+omnia+sua+secum+portans/Vierter+Teil/Kriegslied

Entstanden 1778, vertont von Wilhelm Ferdinand Halter, Othmar Schoeck, Salvador Ley und Huub de Lange.

Aufbau: In der 1. Strophe ruft das lyrische Ich entsetzt (zweimal) aus, dass Krieg ist; wendet sich hilfesuchend an Gottes Engel und bekennt, am Krieg „nicht schuld“ sein wollen (V. 3 f.). Dieser letzte Hauptsatz („und ich begehre / Nicht schuld daran zu sein!“ – die Negation „nicht“ muss zu „begehre“ gezogen werden, hinter „nicht“ müsste also ein Komma stehen) zieht die vier folgenden Strophen nach sich: Da wird fiktiv (Konjunktiv II) aus der Sicht eines am Krieg Schuldigen gefragt, was „ich“ (das lyrische Ich, als fiktiv Schuldiger) tun wollte, wenn die vom Krieg Betroffenen sich bei ihm im Schlaf beschweren kämen und wenn Hunger und Seuchen „mir zu Ehren krähten / Von einer Leich herab“ (V. 20). Die erste Hälfte der letzten Strophe schließt die vier voraufgehenden Strophen ab: Immer noch in der Rolle eines schuldigen Königs („Kron“, V. 21), dem als Kriegsgründe „Land und Gold und Ehre“ offenbar genügen, bekennt das Ich: „Die könnten mich [wenn ich König wäre] nicht freun!“ (V. 22) In den beiden letzten Versen wiederholt das Ich seine bereits geäußerte Abneigung, die Schuld für diesen Krieg tragen zu wollen (V. 23 f. = V. 3 f.); die beiden Verse bilden sozusagen den Rahmen des Gedichts.

Es gibt eine gute Interpretation des Gedichts im Netz, die ich im ersten Link nenne, die von Wolfgang Promies. Ich beschreibe deshalb nur kurz deren Inhalt, die Einzelheiten kann jeder nachlesen: Promies beschreibt einige fehlerhafte Auslegungen des Liedes (S. 103 f.), die Form (S. 104 ff.), die vom Ich beschriebenen Visionen (S. 106 f.), die Position des lyrischen Ichs (S. 107 f.); er zitiert die ursprünglich 7. Strophe, die Claudius erst 1783 für seine Sammlung „Asmus omnia sua secum portans, Vierter Teil“ gestrichen hat:

Doch Friede schaffen, Fried’ im Land’ und Meere:

Das wäre Freude nun!

Ihr Fürsten, ach! Wenn’s irgend möglich wäre!!

Was könnt Ihr Größers thun? (S. 107)

Promies reflektiert diesen Vorgang (S. 108) und seine Stellung im Werk des Matthias Claudius (S. 109 ff.); er stellt das Gedicht in den Kontext zeitgenössischer Äußerungen (S. 111 ff.) und nennt die relevante Literatur (S. 113 f.).

Zum Schluss zitierte ich zum Vergleich einige Gedichte von Claudius’ Freund Gleim, der als preußischer Parteigänger 1778 den gleichen Krieg dichterisch begleitete:

Gleim: Preußische Kriegslieder

Vom März 1778 bis Aprill 1779

(4. Lied)

„Zu Krieg, zu Krieg, ihr Brüder, auf,

Der Kaiser fordert Krieg!

Zu Gott dem Herrn sehn wir hinauf,

Und unser ist der Sieg!

 

Von unserm Vater hat er kühn

Den Bruder weggewandt,

Und sieht mit Feindes-Augen Ihn!

Den Säbel in der Hand!

 

Und seine Krieger all’ zu Hauf

Stehn fertig, drohen Sieg!

Zu Krieg, zu Krieg, ihr Brüder, auf!

Der Kaiser drohet Krieg!

(letzte Strophe im 6. Lied)

Der Tapf’re siegt, der Tapf’re! der

Trinkt seines Feindes Wein;

Den Blöden frisst der Wolf; wer will

Von ihm gefressen seyn?

(7. Lied)

Gottlob, daß ich nicht Kaiser bin,

Und nicht des Kaisers Rath,

Der so mit Lust und leichtem Sinn

Zu Krieg gerathen hat.

 

Es war ihm Spiel und Scherz und Spott

Des Menschenblutes Fluth;

An jenem Tage wiegt ihm Gott

Jedweden Tropfen Blut.

 

Ach, aber, armer Kaiser, ach!

Du siehst der Wage zu;

Du gabst dem Friedenstörer nach,

O warum folgtest du!

 

Hast keine Tochter, keinen Sohn;

Die Kronen sind so schwer!

Hast ja so viel der Kronen schon,

Und willst der Kronen mehr?

(J. W. L. Gleim’s sämmtliche Werke. Erste Originalausgabe aus des Dichters Handschriften durch Wilhelm Körte. Vierter Band, Halberstadt im Büreau für Literatur und Kunst. 1811.)

Claudius’ „Kriegslied“ wird heute oft als Anti-Kriegslied zitiert.

http://tuprints.ulb.tu-darmstadt.de/2816/25/08-promies.pdf (W. Promies: Bürgerliche Bedenken gegen den Vater aller Dinge – die gleiche Interpretation wie in „Gedichte und Interpretationen“ 2, RUB 7891, S. 356 ff., mit Text)

http://hadavar.org/drupal/de/content/der-engel-des-herrn („Der Engel des Herrn“ – dieser Artikel stellt die heutige wissenschaftliche Sicht korrekt dar; die Frage ist allerdings, was Claudius sich unter „Gottes Engel“, V. 1, vorgestellt hat; er war als Kind aus einem evangelischen Pfarrhaus bibelfest und gläubig, hat also „Gottes Engel“ eher in dem hier umschriebenen Sinn denn als ganz allgemeinen „Engel“, sicher aber nicht als esoterischen Wolkendampf verstanden.)

http://www.bildungsserver-mv.de/download/abitur/abi-03-dt-lk-lehrer.pdf (Gedichtvergleich mit Trakl: Menschheit, dort S. 5)

http://www.zeit.de/1960/45/kriegslied/seite-1

http://edoc.vifapol.de/opus/volltexte/2008/368/pdf/sp0297.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegslied_(Matthias_Claudius)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=qVn4xVmOwSA (Christian Brückner, gut)

http://www.youtube.com/watch?v=9f-K5YucZa8 (vertont)

http://www.sprechbude.de/kriegslied-matthias-claudius/ (Christoph Maasch)

Sonstiges

http://de.academic.ru/dic.nsf/pierer/197730/Kriegslied (Kriegslied, normalerweise)

http://www.jakupka.de/nische.html (in der evangel. Kirche in Schönborn)

http://www.bleikloetzle.de/html/kriegslied.html (als Druck)

http://www.stormarnschule.de/assets/Uploads/Publikationen/SchriftstellerHamburg2006.pdf (in einem Projekt: Dichter in Hamburg)

http://www.nibis.de/nibis.php?menid=4188 (Krieg in Gedichten: Titel)

http://www.youtube.com/watch?v=Cd_-5ow57IM (Titel eines Videos)

http://www.zgedichte.de/gedicht_2609.html bzw. http://gedichte.xbib.de/Ramler_gedicht_Schlachtgesang.htm (Karl Wilhelm Ramler: Schlachtgesang, 1778)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Claudius,+Matthias/Gedichte+und+Prosa/Asmus+omnia+sua+secum+portans/Vierter+Teil/Ein+Lied+nach+dem+Frieden (Matthias Claudius: Ein Lied nach dem Frieden, 1779)

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