Matthias Claudius: Ein Lied hinterm Ofen zu singen – Analyse

Der Winter ist ein rechter Mann …

Text

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=49

http://www.zeno.org/Literatur/M/Claudius,+Matthias/Gedichte+und+Prosa/Asmus+omnia+sua+secum+portans/Vierter+Teil/Ein+Lied

http://de.wikisource.org/wiki/Ein_Lied_hinterm_Ofen_zu_singen

http://www.claudius-matthias.de/claudiuseinlied/

http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/vorlagen/showcard.php?id=3700

Das Gedicht wurde von Christoph Rheineck, Johann Friedrich Reichardt, Othmar Schoeck und Engelbert Humperdinck vertont; erschienen ist es erstmals 1783.

An diesem Gedicht kann man sehr schön zeigen, was Personifikation ist: die Vermenschlichung nichtmenschlicher Erscheinungen (Meyers 1908). „Die beseelende Apperzeption [= Personifikation] besteht darin, daß der Auffassende dem Gegenstand seiner Wahrnehmung menschliches oder menschenähnliches Denken und Fühlen verleiht, insbes. nicht beseelten Gegenständen Seele schenkt. Vor allem tritt die beseelende Apperzeption in dem Naturgefühl zu Tage: in dem mythologischen Naturgefühl primitiver Zeiten, wonach etwa Berg und Wald, Fluß und Hain, Baum und Strauch durch menschenähnliche göttliche Wesen beseelt gedacht werden; in dem sentimentalen Naturgefühl der modernen Zeit, das am mächtigsten durch Rousseau entwickelt worden ist, wird die unbeseelte Natur gleichfalls als mit Menschenleben ausgestattet, mitfühlend und teilnehmend gedacht. Die Beseelung kann sich aber auch auf Abstrakta, auf künstliche Gebilde der Menschenhand und andres beziehen.“ (Meyers 1905) Das sieht dann in diesem Gedicht so aus, dass der Winter ein kerniger Mann ist (1. Str.); dass er gesund ist (2., 3. Str.); dass er sich aus der lebendigen Natur nichts macht, aber die Kälte liebt (4.-6. Str.); dass er am Nordpol, aber im Sommer auch in der Schweiz (wo die Alpen sind) wohnt (7. Str.) und deshalb auf der Durchreise gelegentlich zu uns kommt (8. Str.). Damit haben wir in einem den Aufbau des Gedichtes beschrieben.

Wenn das Gedicht ein Lied ist, das hinterm Ofen zu singen ist (Überschrift), dann heißt das, dass wir auch bei grimmiger Kälte fröhlich sein sollen. Das Gedicht wird heute meistens als Kindergedicht gelesen; daher sollen für Kinder folgende Erklärungen gegeben werden:

V. 1 recht: richtig, gut

V. 2 kernfest: hat einen festen Kern

V. 4 weder Süß noch Sauer scheuen: er isst alles, stellt sich beim Essen nicht zimperlich an

V. 6 kranken: richtig krank werden (ein neues Wort, hier von „kränkeln“ abgeleitet)

V. 6 kränkeln: leicht (ein wenig) krank werden

V. 7 Nachtschweiß: bei Fieber

V. 7 Vapeurs: Dämpfe, die im Körper aufsteigen und Schwindel erzeugen (dachte man früher); eingebildete Krankheiten

V. 11 Fluß im Zahn: Zahnschmerzen

V. 12 Kolik: starke Schmerzen in einem Organ

V. 17 die Füchse bellen: vor Hunger, wegen der Kälte

V. 18 knittert: knistert

V. 19 Knecht und Herr: alle (selbst die Knechte müssen wegen der Kälte nicht arbeiten)

V. 20 zittert: des Reimes wegen im Singular (richtig: zittern)

V. 21 Stein und Bein: alles (Harte), selbst Steine und Knochen

V. 22 krachen: wenn das Eis darauf bricht

V. 24 Denn: Dann

V. 28 Schweizerland: Schweiz als Land der Alpen

V. 30 Regiment führen: (regieren,) nach dem Rechten sehen

V. 31 er zieht durch: auf der Reise vom Nordpol in die Schweiz zieht er bei uns in Deutschland durch.

Die Form der acht Strophen ist die Volksliedstrophe: vier Verse, im Jambus, abwechselnd vier und drei Hebungen, wobei im jeweils zweiten Vers nur eine Silbe fehlt (weibliche Kadenz), was eine kleine Pause mit sich bringt. Die Verse sind im Kreuzreim verbunden, jeweils zwei Verse bilden also ein Paar, meistens auch nach Satzbau und Sinn – nur in der 5. Strophe geht der Nebensatz über das Ende des zweiten Verses hinaus. Gelegentlich sind die ersten Silben eines Verses gegen den Takt betont (Kern-, Weiß, Haßt, Doch, Das, Da, Gut) was – zusammen mit dem Wechsel starke und schwacher Akzente (schwach sind z.B. „ist“, V. 1, und „auf“, V. 2, betont, usw.) im Takt – den eigentümlichen Rhythmus des Gedichts ausmacht.

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=cmbicNgFwKc (solide)

http://www.podcast.at/episoden/ein-lied-hinterm-ofen-zu-singen-mathias-claudius-9366888.html = http://www.sprechbude.de/ein-lied-hinterm-ofen-zu-singen-mathias-claudius/ = http://www.podcasters.de/episoden/ein-lied-hinterm-ofen-zu-singen-mathias-claudius-9366888.html

Sonstiges

http://www.uni-heidelberg.de/transculturality/personfikation_start.html (Personifikation)

http://www.li-go.de/prosa/rhetorik/personifikation.html (Personifikation)

http://www.hellenica.de/Griechenland/Mythos/Personifikation.html (Personifikation)

http://universal_lexikon.deacademic.com/41907/Personifikation (Personifikation)

http://m.schuelerlexikon.de/deu_abi2011/Personifikation.htm (Personifikation: Schülerlexikon)

http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Ästhetische+Apperzeptionsformen (Personifikation: eine der ästhetischen Apperzeptionsformen, wie man 1905 sagte)

http://www.bibelwissenschaft.de/nc/wibilex/das-bibellexikon/details/quelle/WIBI/referenz/34659/cache/26f02aedcc1feed4e0c105e69a995c78/ (Weisheit: Personifikation)

http://lists.gnu.org/archive/html/lilypond-user/2005-03/pdfULGkCBbyxr.pdf (Noten J. F. Reichardt)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s