Hofmannsthal: Ein Brief (des Lord Chandos) – Inhalt, Links zum Verständnis

Ich beziehe mich auf die Ausgabe bei zeno.org, weil die eine Seitenzählung hat; mit der Angabe der Seitenzahl (blau, in […]) beginnt dort jeweils der Text einer neuen Seite.

Hugo von Hofmannsthal hat 1902 „Ein Brief“ geschrieben. Dessen Inhalt/Gedankengang:

Ein Brief von Philipp Lord Chandos, 26 Jahre alt, an Francis Bacon (engl. Philosoph, Staatsmann und Wissenschaftler) im Jahr 1603

Chandos, ein erfolgreicher Autor, antwortet auf einen besorgten Brief Bacons. Er möchte sich entschuldigen, weil er zu schreiben aufgehört hat, obwohl er noch Pläne zu vielen Werken hatte (S. 461 – 463). Er erklärt seine Situation:

DAMALS (früher) erschien ihm das ganze Dasein, die Welt, als eine große Einheit, wo alles zueinander passte (S. 463 f.).

DANN

– haben die religiösen Vorstellungen ihre Kraft für ihn verloren (S. 464),

– hat er nicht mehr zusammenhängend über etwas denken und sprechen können:

a) die allgemeinen, abstrakten Begriffe sind ihm zerfallen (S. 465),

b) die alltäglichen Bezeichnungen ebenso;

c) selbst Seneca und Cicero haben ihm nicht geholfen, „das Tiefste, das Persönliche meines Denkens“ darzustellen (S. 466).

JETZT lebt er wie die meisten anderen, aber erfährt gelegentlich ganz einfache Dinge „mit einer überschwellenden Flut höheren Lebens“ (S. 467). Beispiel: wie er Ratten vergiftete und von ihrem Todeskampf ergriffen war (S. 467 f.). Es ist ihm, „als könnten wir in ein neues, ahnungsvolles Verhältnis zum ganzen Dasein treten, wenn wir anfingen, mit dem Herzen zu denken“ (S. 469). Das normale Alltagsleben kommt ihm dagegen schal vor (S. 470). Er vergleicht sich mit dem Römer Crassus, der beim Anblick eines toten Fisches weinte (S. 471).

Er kündigt an, kein Buch mehr schreiben zu wollen, weil die einzige Sprache, in der er noch denken und sprechen kann, eine Sprache ist, „von deren Worten mir auch nicht eines bekannt ist, eine Sprache, in welcher die stummen Dinge zu mir sprechen, und in welcher ich vielleicht einst im Grabe vor einem unbekannten Richter mich verantworten werde“ (S. 472 – die Pointe ist also weniger die Kritik der alten als die Idee einer neuen Sprache, die seinen mystischen Erfahrungen gerecht wird).

http://www.zeno.org/Literatur/M/Hofmannsthal,+Hugo+von/Essays,+Reden,+Vorträge/Ein+Brief (Text des Briefes, von mir benutzt)

http://www.staedte-im-wissenschaftsjahr.de/2009/pdf/Goettingen_Elena_Teresa.pdf (kurze Zusammenfassung; Text des Briefes; Kommentar)

http://home.cc.umanitoba.ca/~divay/psg/hvh.html (große Analyse, Kommentar)

http://195.145.96.95/Unter-projekte/Unterrichtsprojekte/Deutschprojekte/Zentralabitur-texte2004-2005/Zentralabi-2007/Texte-2007/Hofmannsthal-Chandos-Arb-Blaetter/Pr%C3%A4sentation-Candosbrief-L%C3%B6ser.pdf (flotte Analyse, mit Bildern usw.)

http://www.fabritianum.hsnr.de/Material/indexneu.php?dir=Deimel/LK+DEUTSCH+ABI+2011/MATERIALIEN/&download=MAT_47_HOFMANNSTHAL_EIN_BRIEF_PORTFOLIO_TEST.doc mittelgroße Analyse und Würdigung (Fragen und Lösungen), geht offenbar nur über diese Seite

http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Brief (kurze Würdigung)

http://kom.aau.dk/~tb/articles/hofman89.pdf (Tom Brondsted: Das Versagen der begrifflichen Denkweise – der Brief als Beispiel einer modernen Poetologie)

http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/vorlesungen/literatur20/Zusammenfassung060404.pdf (Kommentar und Würdigung des Briefs als „Entwurf einer Poetik der Sprach-‚Mystik’“)

http://www.boag-online.de/pdf/22003_Chandos_Brief.pdf (philosoph. Kommentar zum Brief)

http://www.navigare.de/hofmannsthal/brief.htm (Kommentar zum Brief)

http://www.gleichsatz.de/b-u-t/trad/hofm2a.html (G. Wunberg: [philosophie]geschichtlicher Kommentar)

Zur Sprachkritik, Sprachskepsis Fritz Mauthners (und auch Hugo von Hofmannsthals, siehe dessen Chandos-Brief) gibt es eine kurze Untersuchung Hubert Schleicherts, die auf einer größeren Arbeit beruht: http://www.gleichsatz.de/b-u-t/221149/schleich1.html, und die zu lesen sowohl für Deutschlehrer wie für geplagte Beinahe-Abiturienten lohnt, damit man zum Thema „Sprachkritik“ etwas Vernünftiges sagen kann.

http://www.navigare.de/hofmannsthal/chandos.html (Bezug zu anderen Werken Hofmannsthals)

https://norberto42.wordpress.com/2013/11/30/hofmannsthal-weltgeheimnis-analyse/ (meine Analyse des Gedichts „Weltgeheimnis“, das man parallel zum Chandos-Brief lesen kann)

http://www.ub.fu-berlin.de/service_neu/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/autorh/hugovh.html (Sammlung von Links zu HvH, Stand 2013)

http://bildungsserver.hamburg.de/hugo-von-hofmannsthal/ (Linksammlung zu Hugo v. H.)

Vgl. bereits die Wortproblematik in Goethes „Faust I“ und zeitgleich in „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“!

2 thoughts on “Hofmannsthal: Ein Brief (des Lord Chandos) – Inhalt, Links zum Verständnis

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