Klaus Modick: Sunset – Rezension

Klaus Modicks Buch „Sunset“ (2011; 2012 als Taschenbuch): ein Tag im Leben des Schriftstellers Lion Feuchtwanger, genauer der 18. August 1956. An diesem Tag ist er allein zu Hause in Pacific Palisades, in seinem amerikanischen Exil; sein Frau Marta ist verreist und hat ihm auf diversen Zetteln Anweisungen gegeben, was er an diesem Tag alles zu tun und zu beachten hat. An diesem 18. August 1956 bekommt er ein Telegramm, in dem er eingeladen wird, in Ostberlin an einem Staatsakt zu Ehren des gerade verstorbenen Dichters Bertolt Brecht, seines Freundes, teilzunehmen.

Aus diesem Anlass kommen ihm im Lauf des Tages verschiedene Erinnerungen an Brecht; damit haben wir zwei Themen des Buches genannt, den Menschen Feuchtwanger und den Dichter und Menschen Brecht. Marta ist nach Diego gefahren, zu einem Anwalt, wegen ihres Antrags auf Einbürgerung in die Vereinigten Staaten, in die sie mit ihrem Mann 1940 emigrieren konnte. Damit sind zwei weitere Themen genannt: das Leben deutscher Schriftsteller im Exil und die Schikanen der Einwanderungsbehörde in der McCarthy-Ära.

Das Ganze ist anschaulich und auch unterhaltsam erzählt. Aufgelockert wird es durch einige Sätzen aus Werken Feuchtwangers, die ihm (angeblich) gerade an diesem Tag einfallen und die er sogleich notiert; aufgelockert wird es auch durch gelegentlich eingestreute Lebensweisheiten des alten Mannes Feuchtwanger, der zwei Jahre später verstorben ist: „Diese Landschaft im Spiegel [im Rückspiegel eines fahrenden Autos, N.T.], die in jedem Augenblick neu entsteht und von der wir uns ununterbrochen entfernen, ist die Vergangenheit. Gegenwart ist immer verwirrend, vage und vieldeutig. Sie bestimmt unser Leben, lässt sich selbst aber nur als vergangene erfassen und verstehen…“ (S. 186 – eine Seite später ist das Buch zu Ende).

Klaus Modick hat also ein unterhaltsames Buch geschrieben. Außerdem bedankt er sich bei der Villa Aurora, und da ich die nicht kannte, habe ich nachgeschaut, was das ist, und habe zur Kenntnis genommen, dass man dort als Feuchtwanger Fellow ein Stipendium bekommen kann: „Die Villa Aurora vergibt jährlich insgesamt bis zu 12 dreimonatige Stipendien für Künstlerinnen und Künstler der Bereiche Bildende Kunst, Komposition, Film und Literatur für einen Aufenthalt in der Villa Aurora in Pacific Palisades, einem Stadtteil von Los Angeles. […] Das Stipendium in Los Angeles dient der Arbeit an einem künstlerischen Projekt. Zudem wird bei Bedarf in Los Angeles nach Möglichkeiten gesucht, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen oder Filmvorführungen zu organisieren oder sich mit Kultureinrichtungen und Künstlern zu vernetzen.“ Aber das brauchte ich eigentlich nicht zu wissen, da ich nicht an einem künstlerischen Projekt arbeite – jedenfalls nicht an einem, wozu ich nach Kalifornien reisen sollte.

Was andere zum Buch sagen bzw. geschrieben haben:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/klaus-modick-sunset-der-amerikanische-freund-1643006.html

http://www.berlinerliteraturkritik.de/detailseite/artikel/klaus-modicks-neuer-roman-sunset.html

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=15569

http://www.glanzundelend.de/Artikel/abc/m/modick_gogolin.htm

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