Heine: Die Grenadiere – Analyse

Nach Frankreich zogen zwei Grenadier …

Text

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=1222

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenadiere

http://www.kalliope.org/da/digt.pl?longdid=heine2001122725

„Goethe pries Napoleon als „Kompendium der Welt“. Hegel erkannte in ihm den „Weltgeist zu Pferde“. Heine hielt ihn für den „weltlichen Heiland“. Friedrich Nietzsche bezeichnete ihn als die „Synthesis von Unmensch und Übermensch“. Für Hofmannsthal war er „eine der größten Verwirklichungen des Individuums im okzidentalen Sinne“.

Das ist wohlgemerkt der Tenor. Tatsächlich oszillierte das Bild der Deutschen von Napoleon zwischen den Extremen Teufel und Gott.“ (Johannes Willms)

Das ist der Hintergrund, vor dem man Heines Gedicht lesen muss. Heine nahm das Gedicht 1822 in die erste Sammlung seiner „Gedichte“ auf, die später z.T. ins „Buch der Lieder“ (1827) kamen, und zwar in den ersten Teil „Junge Leiden. 1817 – 1821“; er selber schrieb (1851) an Taillandier, er habe das Gedicht 1816 verfasst, was vermutlich eine falsche Auskunft ist. Vielleicht ist es 1821 in Berlin nach Napoleons Tod (Mai 1821) entstanden, vielleicht auch früher.

Die Armee, mit der Napoleon 1812 die Memel überschritt, umfasste 564.400 Mann; von ihnen kehrten 15.000 über die Memel zurück. Von denen, die nicht tot waren, blieben etliche in russischer Gefangenschaft; einige von ihnen kamen wieder frei. Auf ihrem Heimweg hören zwei von solchen Spätheimkehrern die Nachricht, dass Napoleon gefangen und seine große Armee „zerschlagen“ ist – das muss nach der Schlacht bei Waterloo im Juni 1815 gewesen sein; Napoleon wurde danach auf die Insel St. Helena verbannt, wo er am 18. Oktober 1815 eintraf. Das ist die Situation, über welche die beiden heimkehrenden Grenadiere sprechen. Die eigene Situation der beiden Grenadiere wird in den beiden ersten Strophen bzw. bis V. 10 geschildert: Sie weinten „ob der kläglichen Kunde“ (V. 10), d.h. sie verehrten immer noch den geschlagenen Napoleon. Grenadiere waren Elitesoldaten. „Besonders berühmt wurden die „Grenadiere der alten Garde“ der Kaiserlichen Garde von Napoleon I., die bis zur Schlacht von Waterloo den Ruf der Unbesiegbarkeit genossen.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Grenadier)

Der Rest des Gedichts besteht aus einem Dialog der beiden Soldaten, wobei der eine mit seiner Klage über die Verwundung nur das Stichwort liefert, während „der andere“ als sein Testament („Auch ich möchte mit dir sterben“, V. 14) seine unverbrüchliche Treue zu Napoleon über das Grab hinaus in einem großen Bekenntnis bekundet. Selbst im Grab will er „wie eine Schildwach“ (V. 30) ausgerüstet liegen, damit er derart bewaffnet wieder auferstehen kann, um „den Kaiser zu schützen“ (V. 36), wenn der ihn braucht.

Diese unendliche Liebe zu Napoleon bekundet sich in dem emphatischen Ausruf „Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen“ (V. 20); daran fällt die Wiederholung auf, welche auch in den beiden ähnlichen Wendungen (V. 8, V. 36) zu finden ist. Das ist eine Liebeserklärung, wie sich aus der Abwertung von Weib und Kind (V. 17 ff.) ergibt.

Hierbei benutzt Heine ein Motiv, das er vermutlich aus Herders Ballade „Edward“ (1774) kannte:

„Und was soll werden dein Weib und Kind?
Edward, Edward!
Und was soll werden dein Weib und Kind,
Wann du gehst über Meer? – O!
Die Welt ist groß, laß sie bettlen drin,
Mutter, Mutter!
Die Welt ist groß, laß sie bettlen drin,
Ich seh sie nimmermehr – O!“

Damit ist ein Stichwort gegeben, welches man zum Verständnis der Ballade Heines braucht: Heine kannte die Kunstballaden, die in der Tradition der germanischen Volksballade stehen, und kombinierte sie mit neuen Stoffen  (vgl. auch „Belsatzar“). Hier greift er den Napoleon-Mythos auf, mit dem er sich lange beschäftigt hat („Ideen. Das Buch Le Grand“. Michael Perraudin erkennt darin Heines Bemühen um „Selbstdarstellung ohne Selbstenthüllung“ (in: Interpretationen. Gedichte von Heinrich Heine, RUB 8815, S. 44).

Heines Versuch, sich im Typus der Volksballade zu erproben, erkennt man auch in der Strophenform: vierzeilige Strophen, abwechselnd vier und drei Hebungen, abwechselnd männliche und weibliche Kadenz, Kreuzreim (Chevy-Chase-Strophe). Auch der einfache Satzbau passt zur Volksliedstrophe, die zahlreichen Alliterationen (z.B. w-: V. 9 ff.) und Assonanzen, einige Archaismen ebenso (Kunde, Mär). Das Gedicht bezeugt die Verehrung des Mythos Napoleon, ohne dass der Dichter Heine ein persönliches Bekenntnis ablegen müsste.

http://oregonstate.edu/instruct/ger342/grenad.htm (Fragen zur Interpretation)

http://homepages.uwp.edu/christop/Heine%20’Grenadiere‘.pdf (dito)

literarische Tradition

http://www.textlog.de/18452.html (Goethe: Das Blümlein Wunderschön)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Arnim,+Ludwig+Achim+von/Gedichte/Des+Knaben+Wunderhorn/Band+1/Rewelge (Des Knaben Wunderhorn: Rewelge; von Brentano)

http://de.wikisource.org/wiki/Lenore_(B%C3%BCrger) (Bürger: Lenore)

http://www.lyrik123.de/johann-gottfried-herder-edward-9819/ (Herder: Edward)

Verehrung Napoleons

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-38016983.html

http://www.dfg-bonnrheinsieg.de/cms/fileadmin/FILES/2011/10.02.2011/Napoleon_und_die_Deutschen.pdf

http://www.arte.tv/de/deutschland-ich-komme/1393434.html

http://www.altertumsverein-alzey.de/166/der-napoleonkult-im-raum-alzey-in-franzosischer-zeit

http://d-nb.info/979759749/04

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/95/Napoleon_stellt_den_israelitsichen_Kult_wieder_her,_30._Mai_1806.jpg/275px-Napoleon_stellt_den_israelitsichen_Kult_wieder_her,_30._Mai_1806.jpg (Bild)

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d2/Jacques-Louis_David_007.jpg/220px-Jacques-Louis_David_007.jpg (Bild)

Vortrag

http://www.deutschelyrik.de/index.php/die-grenadiere.html (Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=KQxM8Wa4Adw (Wagner: Ulrich Schütte)

http://www.youtube.com/watch?v=HJIixb27RTw (Schumann: Peter Anders)

https://www.youtube.com/watch?v=N4t9muBClEE (Schumann: Thomas Busch)

http://www.youtube.com/watch?v=xTLFye44Li8 (Schumann: Juan Borja)

http://www.youtube.com/watch?v=s9cJ-jEVZAg (Schumann: Ulrich Schütte)

http://www.youtube.com/watch?v=EUDm4iuILe8 (Schumann: Matt Nugent)

http://www.youtube.com/watch?v=l8xgPUgL2TI (Schumann: Alexander Kipnis)

http://www.youtube.com/watch?v=BEQnrF7WqoY (Schumann: Johnny Rabe) und noch viele andere (-> youtube!)

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