Heine: Ich hatte einst ein schönes Vaterland – Analyse

Ich hatte einst ein schönes Vaterland… (In der Fremde)

Text

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=1240

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/NeueGedichte/fremde3.htm

http://www.zeno.org/Literatur/M/Heine,+Heinrich/Gedichte/Neue+Gedichte/Verschiedene/In+der+Fremde/3.+%5BIch+hatte+einst+ein+sch%C3%B6nes+Vaterland%5D

„Während eines Erholungsaufenthalts auf Helgoland im Sommer 1830 erfuhr Heinrich Heine vom Beginn der Julirevolution, die er in seinen Briefen aus Helgoland – erst 1840 als zweites Buch seiner Börne-Denkschrift veröffentlicht – bejubelte. […] Wegen seiner politischen Ansichten zunehmend angefeindet – vor allem in Preußen – und der Zensur in Deutschland überdrüssig, siedelte er 1831 nach Paris über. Hier begann seine zweite Lebens- und Schaffensphase. […] Seine erste Arbeit aus Paris war sein Bericht über die Gemäldeausstellung im Pariser Salon von 1831 für die deutsche Zeitschrift Morgenblatt für gebildete Stände, in dem er u. a. das von Eugène Delacroix ausgestellte Gemälde Die Freiheit führt das Volk von 1830 ausführlich besprach.

Ab 1832 war Heine als Pariser Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung tätig, die von Johann Friedrich Cotta, dem bedeutendsten Verleger der Weimarer Klassik, gegründet worden war und zu dieser Zeit die meistgelesene deutschsprachige Tageszeitung war. Für sie verfasste er eine Artikelserie, die noch im gleichen Jahr unter dem Titel Französische Zustände in Buchform erscheinen sollte. Die Artikel wurden als politische Sensation empfunden. […] Der österreichische Staatskanzler Metternich ließ bei Cotta intervenieren, sodass die Allgemeine Zeitung die Artikelserie einstellte und das von Heine gelieferte Kapitel IX nicht mehr veröffentlichte. […]

In der Folge wurden Heines Werke – auch alle zukünftigen – zunächst 1833 in Preußen und 1835 auf Beschluss des Frankfurter Bundestages in allen Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes verboten.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Heine, 26.06.2013)

Das Gedicht „Ich hatte einst ein schönes Vaterland“ stammt aus der frühen Zeit Heines in Paris (1832). Es steht in „Neue Gedichte“ (1844), darin unter „Verschiedene“ in der Abteilung „In der Fremde“, als Nr. III. Es ist die reflektierende Erinnerung eines Mannes im Exil.

Das lyrische Ich klagt wehmütig: „Ich hatte einst ein schönes Vaterland.“ (V. 1) Dieses Land ist Deutschland, und so taucht als erstes deutsches Attribut die Eiche in der Erinnerung auf (V. 2): „In der Romantik wurde die Eiche Symbol der Treue, Standhaftigkeit, Beständigkeit und verbunden mit der Entwicklung des ersten deutschen Nationalstaates auch deutsches Symbol.“ (http://www.symbolonline.de/index.php?title=Eiche, vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Eichenlaub) Der hohen Eiche (V. 2 f.) korrespondieren die kleinen sanften Veilchen (V. 3); das Veilchen war seit der Zeit der Empfindsamkeit die Blume der zarten Liebe, vgl. L. C. H. Hölty: An ein Veilchen (18. Jh.); Elise Sommer: An ein Veilchen (1813) sowie „Veilchen“ bei zeno.org! Dieses in der Erinnerung besessene Vaterland hat das Ich verloren: „Es war ein Traum.“ (V. 4) Mit dem Präteritum verbunden besagt „Traum“: Es war so schön wie ein Traum; zugleich klingt an, dass es nicht mehr wirklich ist.

Das verlorene Vaterland wird personifiziert, es „küßte mich auf deutsch“ (V. 5). Mit dieser eigenwilligen Wendung, die man als Parallele zu „sprach auf deutsch“ (V. 5) lesen muss, wird die unnachahmliche Verbindung des lyrischen Ichs, hinter dem man hier Heine erkennt, zum verlorenen Vaterland ausgedrückt. Damit kommt das Vaterland in die Position einer Geliebten, was auch das folgende Liebesbekenntnis (V. 7) bezeugt. Es folgt als letzter Vers der letzte Vers der 1. Strophe: „Es war ein Traum.“

Die Form des Gedichtes ist eigenwillig: Die Verse bestehen aus Jamben, und zwar 5 / 2 / 5 /2 pro Strophe; es reimen sich die beiden kurzen Verse, alle auf dem gleichen Laut, passend zu zweimaligen „Traum“: „Eichenbaum / glaubt es kaum“ (V. 2, 6).

Wiewohl nüchtern, ist das Gedicht doch von Wehmut bestimmt. Wenn Mascha Kaléko es aufgenommen hat („Im Exil“: http://www.bildungsserver-mv.de/download/abitur/abi-05-dt-gk.pdf, dort S. 10), zeigt das ihre Verbundenheit mit Heine in der gleichen Erfahrung der Fremde.

Vortrag

http://www.deutschelyrik.de/index.php/ich-hatte-einst-ein-schoenes-vaterland.html (Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=Pkc56z0z4qw (Jorge Luis Borges)

http://www.sprechbude.de/ich-hatte-einst-ein-schoenes-vaterland-heinrich-heine/ (Peter Kempkes)

Sonstiges

http://gabrieleweis.de/2-bldungsbits/literaturgeschichtsbits/thema-heimatverlust-exil/heine.htm (Heine in Frankreich)

http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=7748 (Vertonungen)

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/frauenarchiv/exil/kaleko/heimat.html (Lyrische Heine-Reminiszenzen bei Mascha Kaléko)

Exilliteratur

http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/literaturge/exilliteratur.htm

http://www.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/758.pdf

http://www.nilsole.net/referate/exilliteratur-deutscher-autorinnen-und-autoren-1933-bis-1945/

http://universal_lexikon.deacademic.com/77590/Exilliteratur

http://bildungsserver.hamburg.de/exilliteratur/

http://de.wikipedia.org/wiki/Exilliteratur

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