Storm: Und war es auch ein großer Schmerz – Analyse

Und war es auch ein großer Schmerz…

Text

http://www.textlog.de/gedichte-ein-schmerz.html

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/Storm/schmerz.htm

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1885)/Erstes+Buch/Und+war+es+auch+ein+gro%C3%9Fer+Schmerz

Entstanden 1851, veröffentlicht 1852, von Heinrich Ernst 1895 vertont („Liebeswahn“, Drei Lieder für Singstimme mit Pianoforte).

Ein Gedicht über „es“, viermal wird es genannt, einmal in jedem Vers. Was ist es? Das lyrische Ich, das sich hinter „dir“ (V. 3) verbirgt und „mein Herz“ (V. 4) anspricht, bringt es mit Schmerz, Sünde und dem Entschluss, es im Fall des Falles trotzdem „noch einmal“ zu tun, zusammen. Das kann nur ein „Fehltritt“ in der Liebe sein, der so beseligend war, dass die Seligkeit alles andere aufgewogen hat: den Schmerz, das Verbotene. „Je ne regrette rien“, sang die Piaf; das klingt so ähnlich wie Storms kleines Gedicht. Vielleicht hat Storm an Dorothea Jensen gedacht, die er kurz nach seiner Hochzeit kennenlernte „und mit der ihn eine leidenschaftliche Beziehung verband“ (Wikipedia); vielleicht hat er, sofern man das Gedicht biografisch lesen will, an eine andere Frau gedacht – wir wissen es nicht. Es kann sich aber nur um eine „verbotene Liebe“ handeln. Prinzipiell ist jedoch festzuhalten, dass das Gedicht Literatur ist; es besagt also nichts darüber, ob Theodor Storm sein Verhältnis zu Dorothea bereut oder nicht bereut hat. Im Gedicht spricht ein fiktives Ich, ein Rollen-Ich, eben das lyrische Ich.

Zwei konzessive Nebensätze beginnen mit „Und“ (V. 1 f.), als ob der Sprecher seine Rede fortsetzte; das lyrische Ich steht im Monolog, im Gespräch mit sich selbst („mein Herz“, V. 4). Es hat sich also bereits über jenes Verhältnis etwas gesagt, vermutlich hat es Einwände gemacht bzw. gehört und setzt jetzt damit fort, einigen Einwänden stattzugeben, um dann „trotzdem“ zu sagen – das geschieht in den beiden letzten Versen. Dass es ein Schmerz war, ist eine Tatsache; dass es eine Sünde war, ist eine Möglichkeit („vielleicht“ plus Konjunktiv II). Über beide Einwände setzte sich das Ich im Fall der unmöglichen neuen Möglichkeit („stünde“: Konjunktiv II) hinweg: „Du tätst es noch einmal, mein Herz.“

Das Ich spricht im Jambus, vierhebig, relativ zügig bis ans Ende von V. 2; da klappt eine Silbe nach (weibliche Kadenz) und erzeugt so eine kleine Pause; außerdem ist die Serie der konzedierten Gegengründe beendet. Im umfassenden Reim folgen dann die beiden letzten Verse als die Antwort auf die Einwände: die Selbstbehauptung des Herzens. „Schmerz / Herz“ (V. 1/4) ist ein konventioneller Reim; der Reim „Sünde / stünde“ (V. 2 f.) hat nichts gemein, weil „stünde“ das Verb des Konditionalsatzes ist, aber die trotzige Aussage im Hauptsatz (V. 4) steht.

Nicht nur Theodor Storm hat seine „Dorothea Jensen“. Ein solches Verhältnis wird aber nur dem problematisch, der im Prinzip Bindung und Verbote anerkennt; er gerät in einen Konflikt. Im Konflikt gibt es keine einfache Lösung; vielleicht gibt es überhaupt keine Lösung, sondern am Ende nur Trauer und „Schmerz“, welcher Art auch immer. Mit seinem „trotzdem“ ist das Gedicht ein nachträgliches Bekenntnis, vielleicht die einzige Form von Treue, die möglich ist, auch wenn das Verhältnis nicht auf Dauer gelebt werden konnte.

Sonstiges

http://www.youtube.com/watch?v=Q3Kvu6Kgp88 (Edith Piaf)

http://www.youtube.com/watch?v=BoiEGfd-328 (Edith Piaf)

http://www.youtube.com/watch?v=rzy2wZSg5ZM (Edith Piaf)

http://www.youtube.com/watch?v=G8xtj9gFE90 (Marion Cotillard)

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