Theodor Storm: Ein grünes Blatt – Analyse

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen…

Text

http://www.textlog.de/gedichte-blatt.html

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1885)/Erstes+Buch/Ein+gr%C3%BCnes+Blatt

Das Gedicht, 1850 entstanden, wurde 1852 veröffentlicht (nach zeno.org); die gleichnamige Novelle, in die das Gedicht dann eingebaut ist, erschien Ende 1853. Daher erscheint es legitim, das Gedicht nur für sich zu lesen; ein andere Frage wäre dann, welche Stellung es in der Novelle einnimmt.

Ein lyrisches Ich spricht zu jemandem – mit sich selbst kann es so kaum sprechen, da es ja bereits weiß, was es sagt; es könnte höchstens, wenn es zufällig wieder auf das Blatt stößt, so im Sinn von „Ach, das ist ja das Blatt aus sommerlichen Tagen…“ denken oder sprechen. Der Adressat Du wird aber nicht erwähnt, auch fehlt eine Angabe zur Situation, in der das Ich spricht, sodass die Äußerung uns unvermittelt erreicht.

Das Ich erinnert sich (im Herbst? im Winter?) daran, wie es im Sommer ein Blatt abgepflückt hat, und zwar zu einem bestimmten Zweck („auf daß…“, V. 3 ff.). Das Blatt dient der Erinnerung („einst …. sagen“, V. 3). Wie kann das Blatt sagen, wie laut die Nachtigall geschlagen hat? Das kann es nur über die Assoziation Blatt-Nachtigall: Da ist ein winzig kleines Teilchen von dem Wald, „den ich durchschritt“ (V. 5); dieses Teilchen steht symbolisch für den ganzen Wald, mit allen Bäumen und Tieren. Von sich kann das Blatt nach ein paar Monaten nämlich gar nichts mehr sagen, da es welk geworden ist; als Reliquie des Waldes kann es diesen aber repräsentieren, so wie kleine Dinge die Menschen repräsentieren, welche uns die Dinge geschenkt haben.

Der Ich-Sprecher benutzt den Jambus, vierhebig; in den Versen 1, 3, 4 klappt eine Silbe nach (weibliche Kadenz), sodass eine kleine Pause entsteht; mit V. 2 ist der Hauptsatz zu Ende, was ebenfalls auf eine kleine Pause hinausläuft. Das Gedicht wird also ruhig gesprochen, was der Erinnerungsfunktion des Blattes entspricht. Wir haben einen Kreuzreim vor uns, bei dem V. 3 (vom Reim her gesehen) gedoppelt ist – das bindet die beiden Verse stärker aneinander und gibt dem Gedicht eine größere Fülle; der Reim am Ende von V. 4 bildet einen ersten Abschluss der Äußerung. In den Nebensätzen V. 4 und 5 fehlen die Personalformen des Prädikats, was zusammen mit Takt und Reim ein kunstvolles Sprechen bezeugt. Besonders betont werden „einst“, „laut“ und „grün“, also die Wörter, welche die Funktion des Blattes am ehesten bezeichnen.

Ein kleines, besinnliches Dinggedicht, es zieht den Leser in die private Sphäre des lyrischen Ichs und seines Waldspaziergangs hinein. Es ist eine späte Erinnerung an einen sommerlichen Spaziergang.

http://www.zeit-und-wahrheit.de/ein-gruenes-blatt-von-theodor-storm-4680/ (die Novelle „Ein grünes Blatt“ als Kontext)

Sonstiges

http://literaturlexikon.uni-saarland.de/?id=3433 (Figuren der Novelle)

http://www.gedichte-kurzgeschichten.de/Ein-gruenes-Blatt.html (Text der Novelle)

http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=36786 (Vertonungen des Gedichts)

http://www.literaturport.de/index.php?id=125 (Theodor Storm in Potsdam, 1853-1856, also zur Zeit, als die Novelle erschien)

http://www.storm-gesellschaft.de/?seite=15715 (Text mit engl. und franz. Übersetzung)

http://www.elke-rehder.de/Druckgrafik_Kunst/Michael-Zander.htm (Holzschnitt zum Gedicht)

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