Theodor Storm: Trost – Analyse

So komme, was da kommen mag!…

Text

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/Storm/trost.htm

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1885)/Erstes+Buch/Trost

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=401

In William Shakespeares Tragödie Macbeth prophezeien die drei Hexen, dass Macbeth König werde. Macbeth stellt sich dieser Voraussage mit den Worten:

„Come what come may
time and the hour runs through the roughest day.”

„Komme, was kommen mag;
Die Stund und Zeit durchläuft den rausten Tag.“

Diese Worte greift Theodor Storm in seinem Kurzgedicht „Trost“ auf, das 1854 veröffentlicht wurde. Storm hat dieses Gedicht an oder für seine Frau geschrieben, „als wir in die Fremde zogen“ (Storm im Brief an seinen Schwiegervater Esmarch, 18. Juni 1865). Wahrscheinlich steht das Gedicht also in dem biografischen Zusammenhang der Storms, dass sie nach dem Sieg Dänemarks im Schleswig-Holsteinischen Krieg wegen der nationalen Gesinnung Theodors in finanzielle Schwierigkeiten gerieten: „Ganz und gar kein Politiker, war er ein fester deutscher Patriot und haßte die Fremdherrschaft wie einst die Ditmarschen die ‚Deusen’. Nicht in Reden, Artikeln, Flugschriften, sondern in ungeahnt starken lyrischen Tönen machte er seit 1850 seiner Empörung Luft, die ganze Existenz einsetzend für die Deutschheit der Herzogthümer. Man cassirte gewaltthätig seine Bestallung. Den von der Heimath Losgerissenen nahm Preußen auf. Im November 1853 trat St. als Assessor in Potsdam ein, schlug aber keine Wurzeln. Trotz manchen Freundschaften und Anregungen fühlte er sich fremd, wollte von den Wäldern und Havelseen nichts wissen und träumte verlangend von fernem Meeresrauschen.“ (Deutsche Biographie)

Das Gedicht ist dein Gedicht der Zuversicht und dabei ein Liebesgedicht; das lyrische Ich wendet sich unmittelbar an ein Du. In vierhebigen Jamben drückt der Ich-Sprecher (männlich zu denken wegen V. 3-6, was wegen der Rollenverteilung zu begründen wäre) seine Zuversicht aus, alle kommenden Schwierigkeiten zu meistern, „Solang du lebest“ (V. 2). Die beiden Verse jeder Strophe weisen einen Paarreim auf, worin jeweils Gegensätze aneinander gebunden sind: Was Schlimmes kommen mag / mit dir ist es Tag (V. 1f.); in die Welt hinaus / bei dir zu Haus (V. 3 f.); ich seh’ dein Angesicht / die Schatten nicht (V. 5 f.).

Die beiden Bilder, dass es Tag ist (V. 2) und dass das Ich bei der Geliebten „zu Haus“ ist (V. 4), bezeichnen das Gute, das mit der Gegenwart der Geliebten auch in schwerer Zeit verbunden ist. In den Bereich von Tag/Licht gehören dann auch „die Schatten der Zukunft“ (V. 6). Im letzten Vers ist der Takt gestört, es bleibt aber bei vier Hebungen.

Heute ist das Gedicht aus seinem zeitgeschichtlichen und biografischen Zusammenhang gelöst und wird als Ausdruck der Zuversicht beliebig zitiert, wozu der Text ja auch allen Anlass gibt: „So komme, was das kommen mag!“

Sonstiges

http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=15414 (Liste der Vertonungen)

http://filmkunstkinos.de/filmtext.php?movie=theo11f (Film über Storm)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s