Keller: Der grüne Heinrich, 1. Fassung – Inhaltsangabe, detailliert

ERSTER BAND

1. Kapitel: Im Vergleich mit Zürich, einer Stadt an See und Fluss zugleich, werden „unser See“ und „die [fiktive] Stadt“ eingeführt. Heinrich Lee (H), 20 Jahre alt, ist am Ostersonntag im Aufbruch nach Deutschland. Die Mutter, Frau Lee, 45, packt ihm den Koffer und ermahnt ihren Sohn. Er verabschiedet sich von den anderen Hausbewohnern und der Mutter; er fährt mit der Post ab. – Kommentar (K): Erinnerungen an empfangene Liebe.

2. Kapitel: Die Kutsche fährt weiter, H gibt jedem Bettler etwas; man fährt durch ein ansehnliches Dorf mit Blumenschmuck, aus der hässlichen Kirche kommt ein Zug Konfirmandinnen. Am Nachmittag werden die Pferde gewechselt, es wird Rast gemacht. H denkt über Familie und die Einteilung der Leiden in schöne und unschöne nach, was der Erzähler (E) kritisch kommentiert.

3. Kapitel: H kommt an den Rhein, er lässt sich ans deutsche Ufer fahren: Deutschland als sein Sehnsuchtsland (Kunst). Am Montag fährt er über den Bodensee, dann privat mit einer Kutsche weiter. Begegnung mit dem Grafen (plus zwei Damen) in der Gaststätte, Angriff durch eine Gesellschaft von Beamten (Mütze vom Kopf genommen, vom Grafen verteidigt). Gespräch mit dem Grafen über das monarchische Deutschland und die Schweizer als Nation. An einer Eisenbahnstation steigt man um und fährt getrennt mit dem Zug weiter. Am Abend ist H in München. In einer Seitenstraße begegnet er dem König, der ihm die Mütze vom Kopf schlägt.

4. Kapitel: Am nächsten Tag richtet er sich in seinem gemieteten Zimmer ein. In seinem Koffer war auch das eingebundene Manuskript seiner von ihm kürzlich geschriebenen Jugendgeschichte.

Eine Jugendgeschichte [in Ich-Form]

Das Heimatdorf des Vaters; über den Großvater und die alte Schweiz, die Restauration nach 1815, den Adel und die Pfarrer. Der Pfarrer des Heimatdorfes und seine Kinder. Der Steinmetzgeselle Lee kehrt als gebildeter Mann mit 26 Jahren in sein Dorf zurück und wirbt um die Tochter des Pfarrers. Sie heiraten und ziehen in die Stadt; beruflich-finanzielle Erfolge des Baumeisters. Die Bürger im Zeichen der Vor-Julitage, bildungswillig. Der griechische Freiheitskampf, Schiller als Lektüre. Lee übernimmt sich und stirbt. – Hs Erinnerung an den Vater, sein Verhältnis zum Verstorbenen.

5. Kapitel: Nach dem Tod des Vaters und der Abwicklung des Geschäfts bleibt nur das eigene Haus der Familie als Eigentum, von dessen Mieteinkünften die Familie lebt. Lage der Wohnung im Haus; der Blick auf die Alpen; ein Turmhahn als „Gott“; das Vaterunser; Missgeschicke und Einsichten am ersten Schultag („der Pumpernickel“). Vom Verhältnis zu Gott; von der Mutter als Köchin; eine Katastrophe: die Einführung des lauten Tischgebets; vom „Hexenkind“ aus dem Heimatdorf (+ 1713) – das Tagebuch des Pfarrers von dessen Behandlung und dem Ende der kleinen Meret.

6. Kapitel: Vom weiteren Umgang mit Gott. Der Laden der Frau Margret, diese selbst, ihre Abendgesellschaften (inklusive Juden und Atheisten); H bei den Abendgesellschaften, bei denen übersinnliche Erfahrungen vorgetragen werden; Margrets Mann, Vater Jakoblein, und seine lustigen Hexengeschichten; das Verhältnis Margret – Jakoblein; von den armen Verwandten der beiden; Margret stirbt und vererbt alles einem jungen Mann. Auch Jakoblein stirbt. H erklärt, dass er das bei Margret Gehörte zu Hause ausphantasierte; darauf führt er seine Fähigkeit zurück, „Romane“ zu formulieren, die sich mit dem wahren Leben verflechten; wie er die Geschichte vom Brüderleinsholze erfindet und vier Jungen dafür bestraft werden.

7. Kapitel: H in der Armenschule; wie der Name „grüner Heinrich“ aufkommt; von der Schuljustiz und dem schrecklichen Katechismusunterricht. Vom Scheitern verschiedener Sammlungen (Steine, Schmetterlinge, andere Tiere); von Theosophie und den Wachsfiguren; vom Theaterspielen mit anderen Kindern; vom Auftritt einer Theatertruppe, vom Zauber der Musik; H spielt als Meerkatze im „Faust“ mit, wird eingeschlossen und später vom bewunderten „Gretchen“ gefunden, geküsst und mitgenommen.

8. Kapitel: Freundschaft mit einem Jungen, dessen Schwestern Liebes- und Ritterromane goutieren; Phantasiewelt erbaut; Kauf von Schmuck für angebliche Geliebte. Wechsel zur Gewerbeschule mit 12 Jahren. Paramilitärische Übungen, Vergleich mit den Kameraden (Geld); Feldzug zu Pfingsten. Im Umgang mit neuen Freunden wird das gesparte Geld verbraucht. Meierlein als Freund und Gläubiger, der die Begleichung der Schulden fordert, aber darin scheitert. H von der Mutter zurechtgewiesen, gesteht den Diebstahl. H beginnt zu malen. Meierlein hetzt andere gegen H auf; nach einem Jahr kommt es zu einem wilden Ringkampf, der Hass bleibt. Meierlein verunglückt bald tödlich.

9. Kapitel: Erfahrungen in der Schule mit verschiedenen Lehrern und Fächern sowie dem System Schule. Ein liberaler Lehrer wird fertiggemacht. Nach Entlassung des Lehrers ziehen die Schüler durch die Stadt zu ihm und verwüsten sein Haus. Bei der Untersuchung wird H als angeblich Hauptschuldiger der Schule verwiesen – Reflexion des Geschehens. Die berufliche Zukunft ist unklar, H ergeht sich zu Hause im Malen; narzisstische Züge. Er wird ins Heimatdorf des Vaters geschickt, den Onkel und die Oma besuchen. H kommt gerade zum Erntefest an und wird herzlich aufgenommen.

ZWEITER BAND

1. Kapitel: Lustiges Erwachen am nächsten Morgen, Besuch bei der Großmutter; Besuch verschiedener Verwandter, u.a. Judith getroffen; das Haus des Onkels, der nur noch Bauer ist – H hat Lust zu Schaffen und Arbeit; Onkel regt zum Malen an; Zeichnungen eines verstorbenen Gastes (Junker Felix) werden erläutert; Gang mit dem Onkel zum Wald.

2. Kapitel: Am nächsten Tag entdeckt und liest H die Werke Geßners zur Malerei; scheitert beim Versuch, eine große Buche zu zeichnen – eine junge Esche gelingt halbwegs. Die Kleidung der jungen Leute – Besuch beim Bruder der Muhme (Patin), einem pensionierten Lehrer, und dessen Tochter Anna; Gespräch mit dem Lehrer über den Schulverweis und den Plan, Maler zu werden. Essen und Gesang zur Orgel; H verliebt sich in Anna, Heimkehr.

3. Kapitel: Erster Brief an die Mutter geschrieben; diese erkundigt sich bei Bekannten nach den Chancen des Malerberufs, von den vier Ratschlägen ist nur einer pro Maler. Besuche und erotische Annäherung an Judith (Bezug zu Anna); Befangenheit gegen Anna beim Tanz, H bringt sie „widerstrebend“ am Abend nach Hause. Am nächsten Tag malt er einen Blumenstrauß für Anna. Am Abend werden Bohnen bearbeitet, Scherze und Beinahe-Kuss; am nächsten Morgen rahmt der Lehrer das Bild. H nennt die Freundschaft zu Anna Liebe, „weil mir einmal nach alter Weise alles sich zum entschiedenen Romane gestaltete“. – Wache bei der sterbenden Oma; Kondolenz und Begräbnis, Leichenschmaus mit anschließendem Tanz; H tanzt mit Anna. Abends auf dem Friedhof möchte Anna ihn küssen, was denn auch geschieht.

4. Kapitel: Heimfahrt mit einem Müller in die Stadt; H besucht eine Kunstausstellung, ist von den Landschaftsbildern berührt; von der Ausbeutung der Jugendlichen in der Werkstatt Habersatt – H schließt einen Lehrvertrag über zwei Jahre; es beginnt mit Kopieren, es bleibt dabei bei „einer bald erworbenen leeren Äußerlichkeit; dann fertigt er Kopien von großen Kupferstichen an. H beteiligt sich an Streitereien in Werkstatt und Familie Habersatt. Anna ist der Stern im Alltag, Jean Paul und sein Gott sind die brüderlichen Väter, mit denen H „einen neuen Bund“ schließt.

5. Kapitel: Im Frühjahr geht H nach draußen, um „nach der Natur“ zu zeichnen; er übernimmt sich dabei. Der Meister betont das Sonderbare und Krankhafte in der Natur. H trödelt viel und zeichnet Phantasiegestalten. Im Sommer geht H mit seinen Produkten ins Dorf zurück, wo er mit seinem Bildern durchfällt; der Onkel beauftragt ihn, sein Anwesen zu zeichnen, was Sinn für das Schlichte und Wahre erfordert. Anna ist auf einer Schule in der französischen Schweiz; H schreibt einen Liebesbrief an sie und wirft ihn in den Fluss, er meidet Judith. In der Stadt lernt H den Umgang mit Wasserfarben; er lernt nicht das Richtige, aber viel Praktisches. H bricht die Lehre ab und richtet sich ein Atelier zu Hause ein; Wolkenstudien und kleinere Arbeiten ergänzen sich, Schreibarbeiten kommen hinzu, er arbeitet wie ein Alchimist. H kauft Bücher und Kupferstiche auf Kredit, Mutter muss Schulden begleichen. Eine Freundschaft scheitert, weil H entdeckt, dass der Freund seine Briefe bloß abgeschrieben hat.

6. Kapitel: Im nächsten Frühjahr spielt H dilettantisch Flöte; H geht ins Dorf, findet sich bei den Jugendlichen nicht mehr zurecht, reflektiert seine Taktik im Umgang mit den Cousinen. Anna kommt, auch verändert; H ist hilflos, geht als einziger nicht mit zur Kirche. Sein Liebesbrief an Anna wird vom Wind hinter die Bienenstöcke geweht. Am Mittagstisch blamiert H sich wegen seiner Ungeschicklichkeit, neben Anna sitzend. Beim Lehrer ist alles auf Anna als höhere Tochter ausgerichtet. H entzweit sich mit den Mädchen im Necken und Verpetzen.

7. Kapitel: Der neue Lehrer des Dorfes, ein eigenwilliger „Philosoph“; H freundet sich mit ihm an, diskutiert und „bekämpft“ wie er die Mädchen. H’s Verhältnis zu Anna bleibt befangen, H vergeht in Sehnsucht. Er malt im Wald ein Anna-Bild. H wird von den Mädchen vor Gericht gestellt: was er gegen Anna habe. Es wird Versöhnung inszeniert, auch das Bild und der verwehte Liebesbrief kommen auf den Tisch. Beim Namenstag des Lehrers spricht H mit ihm über das Christentum. – Zu Weihnachten soll H konfirmiert werden; H reflektiert intensiv das Christentum als Bürgerreligion und seine Dogmatik: Sündhaftigkeit, Glauben (dazu die Geschichte des Herrn Ölfinger), Liebe, Geist. Einkleidung zur Konfirmation (mit 16), zwei Predigten und der Schauder des Abgefallenen am Hl. Abend; Weihnachten benutzt H zum ersten und letzten Mal den Kirchenstuhl seines Vaters (mit Erinnerungen an dessen Einstellung); Feier des Abendmahls wird für H zum fröhlichen Abschied vom Christentum. Zu Hause gibt es gutes Essen, mit einer Witwe als Gast, die aus ihrem Leben erzählt.

8. Kapitel: Vorbereitungen für eine Tell-Aufführung mehrerer Dörfer zu Fastnacht; Anna wird die Berta, H Rudenz. Großer Bericht von der Aufführung, die durchs Mittagessen unterbrochen wird; Belehrung H’s durch den Statthalter, dass man seine Interessen im politischen Streit offen vertreten soll; Belehrung durch den Lehrer über Abhängigkeit und selbständiges Erwerben. Als H und Anna zum Fest reiten, wird Anna vom Philosophen auf die Berta-Rudenz-Szene hingewiesen, der sie jedoch ausweichen will – beim Reiten ein Moment des Glücks, sie küssen sich und erschrecken darüber, Reflexion des verfrühten erotischen Agierens; sie reiten nach Hause. H trifft Judith bei einigen Männern, die sich rücksichtslos verspotten – H erlebt eine andere Welt; Judith nimmt H mit nach Hause und schmiegt sich an ihn, der vom Anblick ihrer Brust beglückt ist. H gesteht das Verhältnis zu Anna; warum Judith ihn liebt; sie verpflichtet ihn, sie nachts heimlich zu besuchen. H ist zerrissen, fühlt sich aus dem Paradies verstoßen.

DRITTER BAND

1. Kapitel: H geht durch den Regen nach Hause, wo er Goethes Werke als Angebot vorfindet; er liest 30 Tage ununterbrochen Goethe; wie sich die Lektüre auswirkt – aber er malt nicht besser als früher. Er trifft Römer, der ihn belehrt und ihm eigene Arbeiten zeigt; Römer bietet ihm eine bezahlte Lehre an. H nimmt dafür die Reste des geplünderten Kästchens. Er kopiert Römers Bilder; Römer kritisiert streng und leitet ihn zu richtigem Arbeiten an. Nach der Natur zu zeichnen ist jedoch schwieriger als das Kopieren; H macht Fortschritte. Anna und der Lehrer kommen im Herbst in die Stadt, zum Arztbesuch, Anna ist krank; sie nehmen H mit ins Dorf. Er wohnt bei ihnen.

2. Kapitel: Auf dem Weg zum Onkel verläuft H sich im Nebel und landet bei Judith; er muss ihr gestehen, dass sie ihm lieb ist. Anna soll „Träume“ haben. In Anna liebt H den geistigen Teil seiner selbst, in Judith das Sinnliche. – Arbeit bei Römer geht weiter; H will über Römers Stadium hinaus zu Ölgemälden und zum Komponieren. Römer scheint in politische Kämpfe verwickelt zu sein, fühlt sich verfolgt – Zeichen des Wahnsinns. Römers Geschichte. Nach vier Monaten ist Heinrichs Geld abverdient; er darf jedoch weiter zu Römer gehen. Der nimmt von Frau Lee ein Darlehen auf. Vor seiner Abreise muss er das Geld zurückgeben; nach einem Monat „bedankt“ er sich dafür in einem wirren Brief; er landet im Irrenhaus. H bereut sein Tun, er bewahrt Römers Brief auf.

3. Kapitel: Im Frühjahr ziehen Lees ins Dorf, Frau Lee als Annas Krankenwärterin, die dem Tod entgegengeht. Die Römer-Geschichte belastet H, doch Judith kann ihm nicht „vergeben“; H will die Schuld tragen; er wird von Judith weggeschickt, darf aber jede Nacht wiederkommen. Sie lesen gemeinsam Ariost – „Deutung“ seines Verhältnisses zu Judith. Sie gehen nachts öfter spazieren, einmal steigt Judith dabei nackt aus dem Wasser, sie küssen sich, Judith verschwindet. Hochzeit der Cousine, Reiz des Doppellebens für H; die Tante stirbt, der Philosoph wirbt um die jüngste Tochter, sie setzen sich über den Widerstand des Vaters hinweg. Anna stirbt, H zieht in das Haus; wie er die Trauer erlebt, er schwört ihr „ewige Treue“. H zimmert den Sarg mit; Leichenzug und Begräbnis; dramatischer Abschied von Judith, Nebel des Herbstes. H liest den Winter über deutsche Bücher, ohne sich zu etwas aufzuraffen. Im Frühjahr muss er, 18 Jahre, zum Militär; beim Exerzieren sieht er Judith, die auf einem Wagen von Auswanderern mitfährt: Der erste Teil seines Lebens ist abgeschlossen. H nimmt erstmals an Wahlen teil; er will „in die Weite“ hinaus, „um etwas zu werden“, über den Rhein. Um die Tage bis dahin zu verkürzen, hat er diese Schrift verfasst.

4. Kapitel: Zeitsprung: zwei Jahre. K: der inwendige grüne Heinrich. H’s Freunde: Erikson, erfolgreich, aber eigentlich kein Maler; Lys, als Maler in Italien gereift und in eine Krise gekommen, hat nur wenige Bilder in Arbeit; H, „der grüne Heinrich“, malt Landschaften aus dem Kopf. – K des Autors zu den vielen Künstlerdingen – H schafft wenig; zwei K zu Hs Malweise („Rationalismus“; „Spiritualismus“ als Arbeitsscheu); das Verhältnis der drei zu Frauen. Über Unterwürfigkeit und Autoritätssucht der Deutschen sowie die Spannungen zwischen Nord- und Süddeutschen. Alle drei leiden an Deutschland, H wird aber immer „träumerischer und deutscher“.

5. Kapitel: Zu Fasching ist ein Festzug „Alt-Nürnberg“ geplant, um die alte deutsche Herrlichkeit zu zeigen. Ferdinand Lys’ Freundin Agnes, dessen unsicheres Verhältnis zu ihr: wie beide über eine Annäherung denken. Erikson will ein Bild von Rosalie, Witwe, 26 Jahre, billig zurückkaufen, was scheitert, aber zugunsten des Auftrags für ein zweites Bild und gegenseitiger vorsichtiger Annäherung. So steuert man auf das Fest zu.

6. Kapitel: Der Festzug in seinen drei Teilen wird ausführlich beschrieben: die Handwerker – die Stadt – die Mummerei. Rosalie stellt Venus dar, Agnes die Diana. Lys hat sich in Rosalie verguckt, von Erikson beobachtet; H hat sich Diana angeschlossen. Das Ganze spielt im Festsaal, der Zug geht ins Odeon zum Essen. Es wird getanzt und gedichtet; Agnes leidet, tanzt mit H, bittet Lys vergeblich um einen Tanz. Das Fest wird in Rosalies Landhaus fortgesetzt; auf dem Weg dahin wird H, 22, der „Flucht des Lebens“ inne. H soll Agnes (und Lys) zum neuen Fest abholen. Lys bemüht sich zum Schein um Agnes, um desto zielstrebiger Rosalie zu verehren. Lys wird von Rosalie deutlich zurückgewiesen, sie verlobt sich mit Erikson. Die betrunkene Agnes bekommt einen Anfall; H trifft Lys und macht ihm Vorwürfe, dieser entlarvt scharf H’s ambivalente Haltung gegen Frauen. Sie geraten in Streit, Lys fordert H zum Duell auf. Duell am nächsten Morgen in Lys’ Atelier; H verletzt Lys, der wird ohnmächtig.

VIERTER BAND

1. Kapitel: Bei Agnes zu Hause ist dicke Luft; Musiker des Festes bringen ihr ein Ständchen. Der Silberschmied-Musiker wirbt um sie; sie sagt zu. Hochzeit ist für den Frühling geplant, sie ziehen an den Rhein fort. H hat auf einem neuen Bild ein Labyrinth abstrakter Linien gezeichnet. Erikson und der Silberschmied kommen mit ihren Frauen, um sich zu verabschieden und ihn zu einem Besuch einzuladen. Erikson hält eine ironische Lobrede auf H’s abstrakte Kunst, grüßt ihn von Lys. Nach dem Abschied wendet H sich der Figur des borghesischen Fechters zu, die in seinem Atelier steht, und zeichnet sie einigermaßen ordentlich. Er erkennt seine Wahl der Landschaftsmalerei als bloßen Zufall – Einsicht in die Bedeutung zufälliger Wahl.

2. Kapitel: Aus Interesse am Fechter-Zeichnen interessiert H sich für die Anatomie des Körpers; H besucht eine Anthropologie-Vorlesung. Plädoyer für das Licht, das Lernen und das Natürliche; Bezug zum Gottesglauben und zu Religionskriegen. K über die Schüler des Unwesentlichen und des Wesentlichen. Polemik des Professors gegen den freien Willen – H reflektiert und verteidigt den freien Willen (gegen puren Naturalismus). H erkennt, dass er sich bis jetzt hat treiben lassen und von nun an „sein Schifflein tapfer lenken“ muss.

3. Kapitel: H setzt seinen gewaltsam unterbrochenen Lernprozess fort. Er geht in viele Vorlesungen: Recht, Rechtsgeschichte, Geschichte. K über den Fortschritt, die Reaktion und den Jesuitismus. H sieht ein, dass man nicht den Jesuitismus bekämpfen, sondern sich selbst reinigen muss. K „Wie man’s treibt, so geht’s.“ [viel Geschichtsphilosophie, viele Kommentare]

4. Kapitel: Rückblende: Frau Lee hat sich nach H’s Abschied eingeschränkt, ist nur samstags zum Einkaufen gegangen, war in der Nachbarschaft hilfsbereit, sofern es nichts kostete. Sie hat so für Heinrich Geld gespart. – Großer K über das moderne abstrakte Leben, Schiller als Gegenbeispiel. Über das Problem junger Künstler. Nach einem Jahr musste H sich selbst ernähren. Er malte ein Bild und ließ es beurteilen, verstand auch die Kritik, konnte aber nicht besser malen. K über Dilettantismus. H’s Werk hielt den Vergleich mit dem Bild des Meisters nicht aus; so gab H den Versuch auf, vom Malen zu leben, und lebte das zweite Jahr auf Kredit. K über Schulden und Schuldenmachen.

5. Kapitel: Nach zwei Jahren musste H die Schulden begleichen und deshalb die Mutter um Hilfe bitten; deren Erspartes reicht gerade, die Schulden (bis zum Faschingsfest) zu tilgen, es bleibt kaum etwas übrig. H muss erneut auf Pump leben; Parallelen im Verschwenden zur Kinderzeit. Er bittet die Mutter von sich aus um Geld, diese muss einen Kredit aufs Haus aufnehmen. Bei H bleiben einige Taler übrig. Er hungert und betet um das tägliche Brot. Er versetzt ein Buch und kann sich satt essen.

6. Kapitel: H versetzt nun alles, auch seine Mappen bei einem Trödler, der ihn gelegentlich zum Essen einlädt. Das geht ein halbes Jahr lang, bis er auch seine fertigen Bilder verkaufen muss. H fabriziert schnell neue Skizzen, die aber nicht viel taugen. Er darf zwei Wochen lang Stangen weiß-blau bemalen (zum Einzug der Braut des Kronprinzen), was ihm als Republikaner nachträglich missfällt. In der Natur kommt er zu sich selbst.

7. Kapitel: Er begleicht seine Mietschulden, hat bald nichts mehr und muss ausziehen. Er übt sich in der Kunst des Duldens (K dazu!); die Mutter schreibt nicht mehr; er bittet und bittet Gott um Hilfe… Ein Nachbar auf Hochzeitsreise berichtet H ausführlich, wie schlecht es ihr geht; H lehnt dessen Geld und Bitte, nach Hause zu fahren, aber ab. H’s großer wirrer Traum von daheim; der zeigt ihm „die Kraft und Schönheit des Vaterlandes in den lieblichsten Traumbildern“; solche Träume kommen regelmäßig wieder. H dichtet und schreibt seine Träume auf. Ein Brief der Mutter beschwört ihn heimzukommen; er reagiert nicht, sondern schreibt traurige Gedichte. Als seine Wirtsleute ihm kündigen, macht er sich, allein mit dem Buch seiner Jugendgeschichte versehen, auf den Weg nach Hause.

8. Kapitel: H’s beschwerlicher Marsch nach Hause; unterwegs wird ihm klar, dass seine Berufswahl verfehlt war. Reflexionen über die „Eitelkeit“; er erwägt, ob auch seine Jugendgeschichte ein Produkt der Eitelkeit ist, und sieht, wie es ihn drängt, „im lebendigen Menschenverkehr zu wirken und zu hantieren“. Er fasst gute Entschlüsse und geht weiter.

9. Kapitel: Mit letzter Kraft erreicht H einen Gutshof; auf dem Friedhof wird er von einer jungen Dame (Dorothea) begrüßt, die in ihm den Schweizer Reisenden von vor sechs Jahren erkennt, ihn einlädt und bewirtet. H erkennt frisch eingerahmte Zeichnungen als die seinen. Er wird sauber eingekleidet und vom Grafen begrüßt.

10. Kapitel: Am nächsten Mittag wird H vom Grafen geküsst; seine Jugendgeschichte ist gefunden und gelesen worden, er muss seine weitere Lebensgeschichte erzählen. H darf dem Grafen die Bilder neu „verkaufen“. Gespräch über die Familiengeschichte des Grafen und Adel heute; Dortchen Schönfund (Do) stellt sich als Findelkind vor; Do’s Herkunft.

11. Kapitel: H überlegt kurz, wie er mit seiner Neigung zu Do umgehen soll. Er bekommt einen neuen grünen Hut. Er will zwar zurück zur Mutter, kauft aber in der Stadt sowohl seine alten Bilder wie auch Leinwand für neue Bilder.

12. Kapitel: H malt zwei Bilder und liest viel. Umgang des Grafen mit anderen; der Pfarrer und sein „Humor“; Do glaubt nicht an die Unsterblichkeit, was auf H einwirkt; Gespräch mit dem Grafen über Gott und Gewissensfreiheit – H wird von seinen neuen Freunden geprägt. Gemeinsame Lektüre des Angelus Silesius; Do singt bedeutungsvoll bewegt: „Blüh auf, gefrorner Christ!…“

13. Kapitel: In dieser Frühlingsnacht wird H verwandelt, die Liebe zu Do blüht ganz auf; H zieht sich unsicher zurück, geht viel allein. Er vermeint, Do liebe ihn nicht. Als er ihr seine Liebe gestehen will, ist sie verreist. H ist völlig daneben und glücklich, als sie wieder da ist; er ist total befangen; Episode in der Kirche (Grab des französischen Ritters). H bekommt einen Abschiedsbonbon mit dem Spruch: „Hoffnung hintergehet zwar…“

14. Kapitel: H verabschiedet sich; seine beiden Bilder werden in München teuer verkauft. Lys ist an seinem Lungenstich gestorben, doch in Freundschaft zu H; der Trödler seiner Bilder hat ihn zum Erben eingesetzt. Der Graf bezeichnet ihn als einen wesentlichen Menschen und trinkt Brüderschaft mit ihm. H reist nach 7 Jahren in die Schweiz zurück; die Liebe zu Do drückt ihm aufs Herz. In Basel wird ein großes vaterländisches Fest gefeiert. / Reflexion der politischen Prozesse, die 1848 zur Bildung des Schweizer Bundesstaates führten. / H geht zu Fuß nach Hause, mit Gedanken über die politische Mehrheit und die Aufgaben des einzelnen Bürgers.

15. Kapitel: H kommt am Abend an, zum Begräbnis seiner Mutter; der Nachbar erzählt ihm von ihren letzten Jahren. H zerbricht; er besucht seine Verwandten, ein Alter erzählt ihm Erinnerungen an seine Mutter. Er schreibt noch an den Grafen und stirbt dann schnell, mit dem letzten Zettel Do’s in der Hand. Auf seinem Grab wächst grünes Gras.

Was man im Netz Brauchbares zur Inhaltsangabe findet:

http://www.xlibris.de/Autoren/Keller/Kurzinhalt/Der%20Gr%C3%BCne%20Heinrich

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_gr%C3%BCne_Heinrich

http://www.dieterwunderlich.de/Keller_Heinrich.htm

http://www.gottfriedkeller.ch/schule/s_frameset.html?http://www.gottfriedkeller.ch/schule/divers/heinrich.htm (knapp, auf der Seite http://www.gottfriedkeller.ch/allgemein/frameset.htm)

http://319346.forumromanum.com/member/forum/forum.php?action=ubb_show&entryid=1091227932&mainid=1091227932&USER=user_319346&threadid=2 (sehr ausführlich)

http://www.ciao.de/Der_grune_Heinrich_Nach_der_1_Fassung_von_1854_55_Gottfried_Keller__Test_2352702 (sehr ausführlich)

http://www.blogs.uni-osnabrueck.de/tstegema/archives/410 (Inhalt und Bedeutung)

———- Sonstiges:

http://www.zeno.org/Literatur/M/Keller,+Gottfried (Kellers Werke bei zeno.org)

http://www.waltermorgenthaler.ch/keller/GH/GH_Parallel.htm (Text des Romans: die beiden Fassungen parallel)

http://librivox.org/der-gruene-heinrich-zweite-fassung/ (die 2. Fassung zum kostenlosen Hören: mp3)

http://www.gottfriedkeller.ch/

http://www.ub.fu-berlin.de/service_neu/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/autork/keller.html (Links der Bibliothek der FU zu Gottfried Keller)

http://www.litde.com/jahrhundert/keller-der-grne-heinrich/ (Analysen)

http://www.litde.com/jahrhundert/keller-der-grne-heinrich/schuld-desillusionierung-und-tod-zur-interpretation-des-schlusses.php (Interpretation des Schlusses)

http://is.muni.cz/th/263101/ff_b/Keller-bakal._dipl._prace.txt (Die autobiografischen Züge im Roman)

http://www.versalia.de/Rezension.Keller_Gottfried.336.html (Rezension)

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