Fontane: Ausgang – Analyse

Immer enger, leise, leise…

Text

http://de.wikisource.org/wiki/Ausgang_%28Fontane%29

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=666

http://www.babelmatrix.org/works/de/Fontane,_Theodor-1819/Ausgang/hu/16699-Kij%C3%A1rat?tr_id=2126 (mit Übersetzung ins Ungarische)

Da ist nicht viel zu analysieren an diesem kurzen, 1888 entstandenen und veröffentlichten Gedicht; Fontane, Jahrgang 1819, war ein alter Mann geworden und spricht hier gelassen eine Erfahrung seines Alterns aus: Immer enger ziehen sich die Lebenskreise (V. 1 f.), im wörtlichen Sinn: Das nicht genannte lyrische Ich, das doch als Träger dieser Erfahrung da ist, kann nicht mehr weit in die Welt und will nicht mehr weit ins Leben hinaus; dies geschieht allmählich, „leise, leise“ (V. 1), wie es im Reim heißt. Der erste Satz geht über zwei Verse; vier Trochäen machen einen Vers aus, die beiden Adverbiale, durch Kommata eingeschoben, dämpfen das Tempo des Sprechens.

Vers 3 ist eine Erläuterung dazu, was das heißt: Die Lebenskreise ziehen sich enger. Es heißt, dass die vermeintlichen Großartigkeiten („was prahlt und prunkt“, V. 3 – Alliteration) des Lebens ihre Bedeutung verlieren. Im nächsten Vers folgt eine weitere Erläuterung, diesmal die Emotionen und Intentionen des alternden Menschen betreffend: Hoffen, Hassen, Lieben (h-Alliteration, Kontrast). Was ist ihm noch geblieben? Nur „der letzte dunkle Punkt“, eine Metapher des eigenen Todes, der den Schlusspunkt unter das Leben setzt.

Die Verse 3 und 6 reimen sich und haben eine Silbe weniger (männliche Kadenz), was zu einer Pause führt, zur Ruhe – zur letzten Ruhe im letzten Vers.

Hier spricht ein resignierendes Ich, dem alles abhanden gekommen ist und das sich zum Schluss selbst abhanden kommt, ohne dass jemand in Sicht wäre, dem es fehlen würde.

Ein wenig weniger pessimistisch ist das altersweise Gedicht „Summa Summarum, das wenigstens genannt werden soll und das mit einem Rückblick auf das eigene Leben endet und Bilanz zieht: „Alles in allem – es war nicht viel.“ In „Ausgang“ blickt der Sprecher dagegen nach vorn, und da sieht er nichts mehr.

Das Gedicht wird viel zitiert; teilweise wird es Figuren der Romane Fontanes als ein mögliches Schlusswort ihres Lebens angedient (Effi, der Stechlin). Es ist ein rechtes Schluss-Wort.

http://www.litde.com/stationen-der-deutschen-lyrik/riss-im-dasein/ausgang-ohne-jammern-theodor-fontane-iii.php (nach Walter Hinck)

Vortrag

http://www.deutschelyrik.de/index.php/ausgang.html (Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=Bbiez4SOmco

Sonstiges

http://www.aerzteblatt.de/archiv/13176/100-Todestag-Theodor-Fontanes-Depression-und-Heilung (medizin. Diagnose von Fontanes Depression)

http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2006/2585/pdf/FleigBilderFontanes.pdf (Horst Fleig: Bilder Fontanes gegen den Tod)

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