Fontane: Es kribbelt und wibbelt weiter – Analyse

Die Flut steigt bis an den Arrarat…

Text

http://de.wikisource.org/wiki/Es_kribbelt_und_wibbelt_weiter_%28Fontane%29

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=677

http://www.zeno.org/Literatur/M/Fontane,+Theodor/Gedichte/Gedichte+%28Ausgabe+1898%29/Lieder+und+Spr%C3%BCche/Es+kribbelt+und+wibbelt+weiter

Das Gedicht ist um 1888 entstanden, 1889 veröffentlicht worden, gehört also zur Alterslyrik Fontanes. Ich zitiere eine Deutung:

„Theodor Fontane (1817 –1898) hat 1888/1889 ein ungewöhnliches Endzeit-Gedicht mit heiter-komischen Untertönen geschrieben. Die Figuren und Schauplätze dieser apokalyptischen Phantasie sindaus biblischen Erzählungen bekannt: Der erloschene Vulkan im Hochland von Armenien, auf dem die Arche Noahs landete, und die mythischen apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung des Johannes. Gegen die Endzeit-Ängste empfiehlt das lyrische Ich die »gelassene Heiterkeit« des römischen Stoikers Seneca.

Die literaturwissenschaftliche Forschung hat darauf hingewiesen, dass Fontanes eigenartiger Refrain »Es kribbelt und wibbelt weiter« auf Fügungen aus der romantischen Liedersammlung »Des Knaben Wunderhorn« (»Der Prinzenraub«) zurückgeht. Ein Volkslied des 18. Jahrhunderts lieferte die motivische Verknüpfung zur Arche Noah: »Auk die Arche Noah soll/Sick hier präsentiere;/Kribbli, wibbli, alles voll/Von vierfüßke Thiere…«“ (Ein Lyrik-Kalender 2012, 3. Januar)

Gegen diese Deutung behaupte ich: Es geht in Fontanes Gedicht nicht um Endzeitängste, sondern um die Belanglosigkeit all dessen, was angeblich so unbedingt wichtig ist – wichtig bis hin zum Weltuntergang (1. Strophe, 2. Strophe), bis zum Tod (eines) Gottes (3. Strophe). Was so „wichtig“ und unendlich gefährlich und gefährdend ist – das alles erweist sich beim zweiten Hinsehen als nicht so relevant; denn „es kribbelt und wibbelt weiter“ in der Welt (V. 4), wie an drei Beispielen durchgespielt und damit gültig wiederholt wird. Dreifach ist es erwiesen, da gibt es keinen Widerspruch.

Daraus zieht der Sprecher in der 4. Strophe seine Folgerung und belehrt den mit „du“ angesprochenen Hörer: „So banne dein Ich in dich zurück“ (V. 13) und nimm dich selber nicht so wichtig, als ob sich die ganze Welt ausgerechnet um dich drehen müsste: „Was liegt an dir und deinem Glück?“ (V. 15) fragt er rhetorisch. Die Antwort ist klar: Nichts liegt dem Weltprozess an dir, auch nach dir „kribbelt und wibbelt“ es weiter.

„Was liegt an dir?“ ist eine Frage, die zeitgleich mit Fontane Nietzsche und später Ina Seidel in ihrem Gedicht „Trost“ gestellt hat und über die man nachdenken sollte, wenn man erwachsen werden will; denn sie befreit vom kindlichen Egozentrismus, wenn man sie ernsthaft beantworten kann.

Die Form des Gedichtes ist nicht ganz regelmäßig: Es wechseln Verse mit vier und drei Hebungen, wobei die Füllung nicht regelmäßig ist und der Takt an einen Jambus erinnert; die jeweils 2. und 4. Verse haben eine weibliche Kadenz. Zusammen mit dem Kreuzreim und dem Satzbau ergibt das eine Art von Doppelvers, wobei zwei Doppelverse eine Strophe ausmachen. Bedeutsam sind jeweils die Reime der Verse 2/4: Da sind die Extreme der äußersten Gefährdung und des Weiterlebens zusammengebunden (z.B. keine Rettungsleiter / es kribbelt und wibbelt weiter, V. 2/4). Es gibt einige Abweichungen vom normalen Takt, wodurch die derart betonten Wörter hervorgehoben werden: „Da“, V. 3; „Mär-“, V. 11; „Was“, V. 15.

Das Gedicht wird auch heute viel zitiert, wie ein Blick in die Suchmaschine zeigt.

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=Rq_52uXx7pQ

http://www.deutschelyrik.de/index.php/es-kribbelt-und-wibbelt-weiter.html (Fritz Stavenhagen)

Sonstiges

http://www.duits.de/literatuur/extra-gedichten/11_poetisch_realisme.pdf (Gedichtsammlung: poetischer Realismus)

http://also.kulando.de/post/2006/12/30/ber_den_unterschied_dir_-_mir

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