Fontane: Mittag – Analyse

Am Waldessaume träumt die Föhre…

Text

http://www.zeno.org/Literatur/M/Fontane,+Theodor/Gedichte/Gedichte+%28Ausgabe+1898%29/Lieder+und+Spr%C3%BCche/Mittag

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=670

http://gedichte.xbib.de/–64450_25086_67660_43678_44443_32536–.htm

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Gedichtinterpretation.htm (Text, mit Interpretation für Schüler)

Das Schweigen im Wald ist in der Dichtung ein Topos: „Über allen Wipfeln ist Ruh“ (Goethe); „Der Wald steht schwarz und schweiget“ (M. Claudius). Gemeint ist damit nicht die Abwesenheit von Geräuschen; es geht vielmehr „um eine affektiv besetzte Vorstellung von Waldesstille und Waldeinsamkeit, die sanfte Geräusche nicht ausschließt, aber im Kontrast zum Lärm und Getriebe der Welt steht“ (Silke Anzinger).

Das Gedicht wurde 1875 veröffentlicht. Der Lobpreis der Stille gleicht dem in Theodor Storms Gedicht „Abseits“, nur dass dort die Stille an die Mittagsruhe im Dorf gebunden ist. Bei Fontane hingegen steht „Die tiefe Stille der Natur“ (V. 4) bzw. des Waldes im Fokus – diese kann nur gegen die Geschäftigkeit und das Lärmen der Menschen gesetzt werden, selbst wenn das so nicht ausgesprochen wird.

Allerdings ist da ein lyrisches Ich (V. 3), das diesen Gegensatz zwischen Natur und Menschenwelt erlebt: Es erlebt die Föhre als träumend (Personifikation), sieht ferner am Himmel „weiße Wölkchen nur“, die vermutlich ganz langsam dahinziehen; es fasst sein Erleben in die paradoxe Aussage, dass es die tiefe Stille hört (V. 3 f.).

Dazu passt es, dass das Ich ganz ruhig spricht: fünf Jamben pro Vers, in V. 1 und 3 eine Silbe zusätzlich (weibliche Kadenz), was zusammen mit dem Satzbau (vollständiger Satz in V. 1 und 3, es folgen ein unvollständiger Satz und eine Apposition) ein getragenes Sprechen ermöglicht. Die im Kreuzreim gereimten Verse passen zueinander, wenn man die gesamte Strophe bedenkt: Die träumende Föhre macht es möglich, dass ich die Stille höre (V. 1/3); weil da Wölkchen nur sind, ist die Stille der Natur zu hören (V. 2/4). Beachtung verdient die w-Alliteration (V. 2) und die Wiederholung „still[e]“ (V. 3 f.).

Die w-Alliteration wird in v. 5 f. verstärkt fortgesetzt in dem, was Ich sieht und hört; der Sonnenschein ist der des Mittags (Überschrift), die Windstille gehört zur Stille. In den beiden letzten Versen wird die Eigenart der Stille dadurch bestimmt, dass ein leises gleichmäßiges Rauschen („als ström’ ein Regen leis tönend“, V. 7 f.) die Stille nicht aufhebt. Dieses Rauschen ist ein Klingen (V. 7), wie in einem irrealen Vergleich gesagt wird (V. 7 f.); woher dieses Klingen stammt, wird nicht mehr erklärt – da weder der Wind weht noch Tiere erwähnt werden, steht es unerklärlich da. Das Blätterdach (V. 8) irritiert mich ein wenig: Diese Metapher kann das Ich nur brauchen, wenn es darunter steht, sich also im Wald aufhält; der Blick auf die Föhre am Waldessaum (V. 1) setzt aber eher einen Standpunkt außerhalb des Waldes voraus (vgl. V. 5: rings „auf Wies’ und Wegen“). Diesen Widerspruch kann man nur auflösen, wenn die „Wipfel“ (V. 6) Bäumen am Wegesrand oder auf den Wiesen, also etwa Obstbäumen zuordnet; vielleicht sollte man aber auch nicht so genau hinschauen und nur dem zuhören, was das Ich zu sagen hat. Der Reim von V. 6/8 bezeugt die Spannung in der paradoxen Aussage vom Rauschen der Stille: „kein Lüftchen wach – tönend auf das Blätterdach“. Vielleicht ist das gemeint, was Kästner so ausdrückt: „Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden / und tauscht mit ihnen seine Seele um. / Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. / Wer auch kommen mag, sie trösten jeden.“

Das Gedicht Fontanes ist heute weit verbreitet und wird gern zitiert, wie die Vielzahl der Links unter „Sonstiges“ bezeugt.

Silke Anzinger: Schweigen im rèomischen Epos, S. 345 ff.

Vgl. Eichendorff: Mittagsruh

http://www.otto-friedrich-bollnow.de/doc/Mittag.pdf (Bollnow: Der Mittag)

Vortrag

http://www.chor-rheinsberg.de/fontanegedicht.html (Vollbach – Männerchor)

Sonstiges

http://www.deanita.de/waldgedichte.htm (Wald- und Naturgedichte)

http://www.waldkulturerbe.de/unser-waldkulturerbe/kulturbuehne/waldgedichte/ (Waldgedichte)

http://www.hochstrate.de/micha/waldgedichte.html (dito)

http://www.baumprüfung.de/Neuer_Ordner_2/baumgedichte.html (Baumgedichte)

http://naturpark.landkreis-schwandorf.de/showobject.phtml?La=1&object=tx|727.105.1&kat=&kuo=1&sub=0 (über die Wald-Kiefer)

http://www.botanischer-garten-wuppertal.de/wordpress/?page_id=289 (dito)

http://www.waldwissen.net/wald/baeume_waldpflanzen/nadel/wsl_waldfoehre/index_DE (dito)

http://www.wilms.com/Hygiene/Presse/diewaldkieferinfobogen.pdf (dito)

http://www.forstbuch.de/MilnikFoehre.pdf (Buch über Kiefern = Föhren)

http://www.bielefeld.de/ftp/dokumente/Flyer_Baumbest_0613.pdf (Werbung für Baumbestattungen)

http://www.gedichtsuche.de/gedichtliste/items/Fontane,%20Theodor.html (Gedichte Fontanes)

http://www.thokra.de/html/fontane1.html (dito)

http://www.lyrik123.de/?s=Theodor+Fontane&cat=85 (dito)

http://www.theodor-fontane-gedichte.de/category/natur/ (dito)

http://www.cluberzengel.de/download/ebooks/txt/Fontane,%20Theodor%20-%20Gedichte%20%28Ausgabe%201898%29.txt (dito)

http://www.deutscheslied.com/de/search.cgi?cmd=composers&name=Fontane%2C+Theodor (Fontane vertont)

http://www.suub.uni-bremen.de/uploads/cms/files/Gedichte_komplett.pdf („Der lyrische Pfad im Bürgerpark“)

2 thoughts on “Fontane: Mittag – Analyse

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