Fontane: Aber wir lassen es Andere machen – Analyse

Ein Chinese (´s sind schon an 200 Jahr)…

Text

http://newikis.com/de/source_Aber_wir_lassen_es_Andere_machen.html

http://www.zeno.org/Literatur/M/Fontane,+Theodor/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1898)/Lieder+und+Spr%C3%BCche/Aber+wir+lassen+es+andere+machen

Das Gedicht ist 1889 erschienen. Es ist wieder eines der resignativen Altersgedichte Fontanes, und nur ältere Leser („Senioren“) können solche Gedichte schön finden: Leute, die pensioniert werden oder es schon sind.

Das Gedicht besteht aus zwei Strophen, es spricht ein lyrisches Ich, wie man in V. 8 bemerkt. In der 1. Strophe wird erzählt, wie ein Chinese – ein Fremder! – distanziert einen Hofball in Frankreich erlebt. Hofball: „Tanzfestlichkeit an Höfen, deren Gestaltung und Ablauf genauen Regelungen unterlag (Bal paré). Die Abhaltung von Hofbällen war nicht auf die Karnevalszeit begrenzt. […] Der Tanz am Hofe wurde zunächst von Italien, in eingeschränktem Umfang auch von Spanien, beeinflusst. Von der Mitte des 17. Jh.s an war die französische Tanzkunst auch für den Wiener Hof maßgeblich. Vorbild für die Entwicklung der höfischen Ballkultur im deutschsprachigen Raum stellte der Hof von Versailles unter Ludwig XIV. dar. Die hier entwickelte Institution des in allen Einzelheiten reglementierten H.es wurde auch vom Wiener Hof übernommen. Die Ausbildung im Tanzen oblag am Hofe dem „Edlkhnaben Tantzmeister“ (Wien 1567) bzw. dem „Kayserlichen Tanzmeister“ (Wien 1655), wobei bis zum Beginn des 18. Jh.s zwischen gesellschaftlichem und theatralischem Tanz keine klare Trennung bestand.“ (http://www.musiklexikon.ac.at/ml?frames=yes) Das muss man sich im Bild anschauen, damit man weiß, wie es dort zugeht: Bild 1, Bild 2, Bild 3. Nach seiner Sicht befragt, antwortet der Chinese lachend: „Wir nennen es tanzen, aber wir lassen es andere machen.“ (V. 5 f.)

Diese Episode eines distanzierten Blicks auf das große gesellschaftliche Ereignis, an dem teilzunehmen Lust und Ehre zugleich war, nimmt das lyrische bzw. belehrende Ich zum Anlass und Beispiel, um seine Einstellung zum Leben bzw. zur „Jagd nach dem Glück“ in der 2. Strophe zu umschreiben und zu rechtfertigen: 1. „Alles hat seine Zeit.“ (V. 12) Damit sagt es: Für mich ist diese Zeit vorbei – das Wort eines alten Menschen. 2. „All derlei Sachen, / Ich lasse sie längst durch andere machen.“ (V. 13 f.) Das ist alles ganz nett, aber bitte nicht mehr für mich!

Das Gedicht ist in Knittelversen abgefasst: vier Hebungen mit freier Füllung; sie reimen sich im Paarreim. Das passt zu dem volkstümlich-lehrhaften Charakter der 14 Verse.

Solche Gedichte sucht man vergebens in Schulbüchern; wenn sie gleichwohl beliebt sind oder sogar so sehr geschätzt werden, dass sie es in den „Kanon“ (Reich-Ranicki) schaffen, sagt das auch etwas über die Lebenssituation der sie Schätzenden aus.

Sonstiges

http://www.uni-due.de/~bj0063/texte/interpassiv.html (über „Interpassivität“)

http://edoc.hu-berlin.de/humboldt-vl/de-bruyn-guenter/PDF/Bruyn.pdf (Altersbetrachtungen über den alten Fontane, 2. Hälfte der Datei)

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