Fontane: Lebenswege – Analyse

Fünfzig Jahre werden es ehstens sein…

Text

http://www.bookrix.de/book.html?bookID=bx.fontane_1302096574.7552030087#558,558,1242

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=678

Wir haben hier wieder eines der Altersgedichte Fontanes vor uns, das wohl 1888 entstanden ist und 1889 veröffentlicht wurde. Fontane blickt auf sein Leben zurück und auf die, die mit ihm jung waren: „Lebenswege“ eben. Er erinnert sich in der Rolle des erzählenden Ichs, wie er in seinen ersten „Verein“ eingetreten ist: „Natürlich Dichter…“ (V. 3 f.)

Fontane spielt hier auf den von ihm so genannten „Herwegh-Klub“ an, von dem er im 4. Kapitel seines Buches „Von Zwanzig bis Dreißig“ (1894/96 entstanden) erzählt hat und dem er 1841 als Apothekergehilfe beigetreten ist: „Hermann Schauenburg, Hermann Kriege, Dr. Georg Günther, das waren die drei, mit denen mich der erste literarische Teeabend bei Robert Binder und Frau bekannt gemacht hatte. Diese drei waren aber nur ein Bruchteil eines literarischen Vereins, dessen geistiger Mittelpunkt Georg Herwegh war, weshalb ich denn auch diesen Leipziger Dichterverein als einen »Herwegh-Klub« bezeichnen möchte. In diesen Klub sah ich mich natürlich alsbald eingeführt und machte da die Bekanntschaft von einem Dutzend anderer Studenten, meistens Burschenschafter, einige schon von älterem Datum. Es waren folgende: Köhler (Ludwig), Prowe, Semisch oder Semig, Pritzel, Friedensburg, Dr. Cruziger, Dr. Wilhelm Wolfsohn, Max Müller. Alle haben in der kleinen oder großen Welt von sich reden gemacht.“ Im Gedicht spricht er von den jungen Leuten, bei denen damals kein Rang zählte, sondern nur das eigene Dichten: „Und ich war ein kleines Kirchenlicht.“ (V. 6)

In der 2. Strophe stellt er der alten Zeit („Anno 40“, V. 7) die Gegenwart gegenüber: Er selbst ist immer noch ein kleines Licht, die anderen aber haben Karriere gemacht, wie er an der Veränderung ihrer Titel zeigt (Leutnants -> Generäle; Studenten -> Chefpräsidenten, V. 11 f.). In einem Wortspiel denkt er, dass aus dem kleinen Kirchenlicht Fontane entsprechend eine Sonne hätte werden können (V. 8) – „Aber ach“, seufzt er, „Ich bin noch immer, was damals ich war“ (V. 9). Fontane bescheidet sich mit dem, was er ist und hat; das ist seine Altersweisheit.

In der 3. Strophe wird dann episodisch erzählt, wie es ist, wenn man sich heute zufällig im Café trifft: Man tauscht höflich und freundlich ein paar Floskeln aus, mehr hat man sich nicht zu sagen. Alle waren damals „Dichter“ (V. 3), nur Fontane ist Schriftsteller geworden, die anderen haben Karriere gemacht (V. 11 f.) und sind verstummt. Lebenswege eben.

Vortrag

http://www.rhapsody.com/artist/various-artists/album/ute-beckert-singt-und-spricht-theodor-fontane/track/lebenswege (nur teilweise)

Sonstiges

http://www.deutsche-biographie.de/sfz16641.html (Biografie Fontanes von Kurt Schreinert, NDB 5, S. 289 ff.)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Fontane,+Theodor/Autobiographisches/Von+Zwanzig+bis+Drei%C3%9Fig/%C2%BBMein+Leipzig+lob’+ich+mir%C2%AB/Viertes+Kapitel (Fontane: Von Zwanzig bis Dreißig, 4. Kap.)

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