Fontane: Würd‘ es mir fehlen, würd‘ ich’s vermissen? – Analyse

Heute früh, nach gut durchschlafener Nacht…

Text

http://www.zeno.org/Literatur/M/Fontane,+Theodor/Gedichte/Gedichte+%28Ausgabe+1898%29/Lieder+und+Spr%C3%BCche/W%C3%BCrd%27+es+mir+fehlen,+w%C3%BCrd%27+ich%27s+vermissen

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=683

Ein letztes Gedicht aus der Alterslyrik Fontanes, 1888 entstanden, 1889 veröffentlicht. Fontane, selber das lyrische Ich, reflektiert die Bedeutung dessen, was so auf einen einströmt, wenn man am Morgen erwacht: Was alles in der Zeitung steht, was man draußen auf der Straße sieht… Und er zieht das Fazit: „Alles war freundlich, alles war nett,“ (V. 11), um dann rhetorisch zu fragen:

„Aber wenn ich weiter geschlafen hätt’

Und tät von alledem nichts wissen,

Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?“ (V. 12-14)

Die Antwort ist klar: Nein, mir würde nichts fehlen, und ich würde nichts davon vermissen.

Ich würde die beiden Fragen der letzten Strophe ein wenig anders beantworten als Fontane: Mir würde nichts fehlen, wenn ich die ganzen Freundlichkeiten und Aufgeregtheiten nicht mitbekäme, das ist richtig; denn sie sind letztlich immer gleich, und wenn man das Ganze kennt, braucht man es sich nicht täglich erneut zu Gemüte zu führen. Anderseits ist die Alternative „Einfach weiterschlafen!“ auch nicht der Weisheit letzter Schluss: Dann nähme man ja gar nicht mehr am Leben teil. Will man sich des Lebens freuen, muss man daran teilnehmen; ist man jedoch alt und lebenssatt wie Abraham (Gen 25,8), dann kann man getrost sich die Antwort Theodor Fontanes zu eigen machen. Ganz unrecht hat er ja nicht!

Das Gedicht ist in Knittelversen abgefasst, je zwei Verse sind im Paarreim verbunden; durchweg passen die reimenden Verse auch semantisch zusammen, z.B. „nichts wissen / nicht vermissen“ (V. 13 f.) oder „Frühstückstisch / Semmel war frisch“ (V. 3 f.), nur bei V. 11 f. geht es aus Gründen des Satzbaus nicht auf.

Aus diesem Gedicht spricht wie auch aus anderen Gedichten der Alterslyrik Fontanes die Distanz, die der alte Mann gegenüber dem Leben, zumindest gegenüber seinen Aufgeregtheiten gewonnen hat (vgl. „Überlass es der Zeit“; „Es kribbelt und wibbelt weiter“). Dagegen endet „Mein Herze, glaubt’s, ist nicht erkaltet“ so:

„Ich bin wie Wein, der ausgegoren:

Er schäumt nicht länger hin und her,

Doch was nach außen er verloren,

Hat er an innrem Feuer mehr.“

http://www.poetry.de/showthread.php?t=17030 (wie die Leute interpretieren)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=6jplO2NVT5s (Mädchen, gut)

http://www.youtube.com/watch?v=G_xCY_a_KGY (?)

Sonstiges

http://neckarstrand.blogspot.de/2011/07/dies-und-das-uber-das-vermissen.html (moderne Variation)

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