Morgenstern: Anto-logie

Im Anfang lebte, wie bekannt…

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Das Fremdwort „Anthologie“ stammt aus dem Griechischen: anthología, eigentlich = Blütenlese, zu: ánthos = Blume und légein = sammeln, lesen; die korrekte Trennung ist Antho-logie. Den ersten Wortteil „Antho-“ verkürzt Morgenstern nun auf Anto-, um die Wortspiele mit den Wörtern möglich zu machen, die auf -ant enden: „Gigant“ und „Elefant“.

Diese beiden Wörter spaltet Morgenstern noch einmal auf: Aus „Gig“ wird eine Zahl, bleibt -ant übrig; die korrekte Trennung ist natürlich Gi-gant. Aus Elef-ant (korrekt: Ele-fant) kann er die „Elef“ als „elf“ herausziehen und daraus den „Zwölef-ant“, den „Zehen-ant“ und den „Nulel-ant“ herausspinnen; die Wörter hören sich halbwegs sinnvoll an, weil sie ein Zahlwort als Element aufweisen. Ferner werden sie in die Naturgeschichte eingeordnet, die der Mensch als Jäger verändert – der wird dann noch als Pulverpavian tituliert, eine originelle Bezeichnung dessen, der dem Tierreich entstammt und es durch Pulver und Blei beherrscht, auch die Gattung des nunmehr selbständigen Ant:

Wie dankbar wird der Ant dir sein,

läßt du ihn wachsen und gedeihn, -“ (V. 21 f.)

Die Idee besteht darin, „Gigant“ und „Elefant“ mit „Anthologie“ zu kombinieren und neu zu verbandeln – ein witziges Gedicht. Der Titel „Anto-logie“ gewinnt seine Plausibilität durch die Parallele zu Bio-logie, Zoo-logie usw. „Zehen-ant“ gewinnt durch den Bestandteil „Zehen“ eine weitere Dimension der Bedeutung.

Erklärung Ernst Kretschmers: http://books.google.de/books?id=gyfyu6aGCJ4C&pg=PA172&lpg=PA172&dq=Morgenstern:+Im+Anfang+lebte,+wie+bekannt&source=bl&ots=FlLOT9lji-&sig=NjlVwfLuSyzdT0GPOb1iKOCgPdw&hl=de&sa=X&ei=cgwmUpPpDdDQsga5oDIDg&ved=0CEUQ6AEwBA#v=onepage&q=Morgenstern%3A%20Im%20Anfang%20lebte%2C%20wie%20bekannt&f=false