Morgenstern: Fisches Nachtgesang – Interpretation

Text: http://de.wikisource.org/wiki/Fisches_Nachtgesang

http://christian-morgenstern.de/dcma/index.php?title=Fisches_Nachtgesang

Stumm wie ein Fisch“ ist eine sprichwörtliche Wendung, mit der man einen schweigsamen Menschen, auch einen verschwiegenen bezeichnet; die Redensart soll es schon bei den alten Ägyptern gegeben haben. Insofern ist es paradox, vom Nachtgesang der Fische zu sprechen. Im Hintergrund stehen Gedichte wie Goethes „Nachtgesang“ (1804), „Wandrers Nachtlied“ oder „Ein Gleiches“, welche überaus große Verbreitung gefunden haben und bereits frühzeitig parodiert worden sind („Nachtgesang“ von Eichendorff und Heine parodiert, vgl. https://norberto42.wordpress.com/2012/01/29/goethe-nachtgesang-analyse/).

Der Nachtgesang der Fische besteht aus Strichen und Kreisbögen, womit traditionell die betonten und unbetonten Silben eines Gedichtes grafisch umschrieben werden. Damit kommt dann in 13 Zeilen so etwas wie ein (grafisch umschriebenes) „Gedicht“ zustande, ohne dass ein einziges Wort gesagt bzw. geschrieben worden wäre – eben der Nachtgesang der stummen Fische! Der Nachtgesang ist schön angeordnet, die Zeichen wechseln von Zeile zu Zeile; ihre Anzahl nimmt von 1 – 4 zu; dann wechseln viermal vier- und dreisilbige Zeilen. Zum Schluss nimmt die Anzahl wieder auf 1 ab.

Das Ganze ist ein schönes Spiel mit der Redensart von den stummen Fischen und dem Usus, verschieden betonte Silben grafisch unterschiedlich zu markieren. So lautet ja auch das erste Motto der „Galgenlieder“: „Im ächten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen.“ (Nietzsche)

Monika Schmitz-Emans (Seetiefen und Seelentiefen, S. 368 ff.) hat allerlei Kluges über dieses Gedicht geschrieben (http://books.google.de/books?id=-toU8dD-PSsC&pg=PA368&lpg=PA368&dq=fisches+nachtgesang+morgenstern+interpretation&source=bl&ots=mPMvCAH3v2&sig=A7JKUnExl9cbw8-3WNG47vbEWJg&hl=de&sa=X&ei=urMlUu3BOo3Zsgb_04GIAQ&ved=0CF0Q6AEwBw#v=onepage&q=fisches%20nachtgesang%20morgenstern%20interpretation&f=false).