Broch: Esch oder die Anarchie – Inhalt

(I) Der zweite Teil der Trilogie „Die Schlafwandler“ spielt im Jahr 1903 im Rheinland, genau in der Mitte zwischen 1888 und 1918. August Esch, 30 Jahre alt, ist ein entlassener Buchhalter in Köln; er sucht Orientierung angesichts „des anarchistischen Zustandes der Welt, in der keiner weiß, ob er rechts oder links, ob er hüben oder drüben steht“. Die Anarchie ist die Anarchie der Werte, eine elementare Orientierungslosigkeit. – Das Geschehen wird weithin, aber nicht nur aus der Perspektive Eschs erzählt, der gegen die kleinen und großen Ungerechtigkeiten der Welt kämpft.

Esch verkehrt in der Wirtschaft der Mutter Hentjens, einer resoluten Wirtin, die Männern gegenüber Abstand bewahrt. Hier trifft er Geyring. Martin Geyring, Sekretär der Gewerkschaft, informiert ihn über eine offene Stelle in Mannheim bei der Mittelrheinischen Reederei, deren Vorstandsvorsitzender von Bertrand (Figur aus: Pasenow oder die Romatik) ist.

In Mannheim wohnt er bei Balthasar Korn und seiner unverheirateten Schwester Erna. Er lernt Direktor Gernerth, Chef eines Varietètheaters, kennen und besucht mit Korn und Erna eine Veranstaltung in dessen Theater. Eine Messerwerferszene mit dem Künstler Teltscher und der schönen Gehilfin Ilona hinterlässt einen bleibenden Eindruck auf Esch, der von da an überzeugt ist, die unschuldige Ilona vor den Messern retten zu müssen. In dieser Zeit freundet er sich mit Fritz Lohberg, dem Besitzer eines kleinen Zigarettenladens, an. Ilona wird die Geliebte Korns. Erna sucht mit Macht einen Mann, aber Esch lehnt ihre Angebote ab.

Martin wird bei einer auch von Esch besuchten Gewerkschaftsversammlung wegen angeblicher Aufwiegelei verhaftet, obwohl er mit der Direktion des Werks zusammenarbeitet, was Esch als ungerecht empfindet. Es kommt zu einem Streik, weil v. Bertrand hinter der Verhaftungsaktion steht.

Direktor Gernerth hat die Idee, Damenringkämpfe zu veranstalten; Esch schlägt Köln als Ort vor, um vielleicht so Ilona aus den Fängen Korns zu befreien, die mittlerweile diesen allerdings liebt. Lohberg und Erna beteiligen sich auf Anfrage Eschs finanziell am Theatergeschäft, wobei Erna sich zugleich an den spinnerten Lohberg heranmacht. Esch kündigt seine Anstellung und will nach Köln ziehen.

(II) In Köln nimmt Esch wieder sein altes Leben auf, verkehrt oft im Gasthaus von Mutter Hentjen und organisiert mit Agent Oppenheimer die Schaukämpfe der Ringerinnen. Mutter Hentjen wird nach einer Fahrt nach St. Goar, bei der Esch preisgünstig Wein ersteigern wollte, die Geliebte Eschs. In der Liebe sucht er die „Erlösung“ und Unendlichkeit, die er in der Welt nicht findet (er spricht teilweise wie v. Bertrand in „Pasenow oder die Romantik“). Er möchte etwas für die Freilassung Martin Geyrings unternehmen, aber die sozialdemokratische Zeitung „Volkswacht“ interessiert sich nicht für seine Artikel. Amerika scheint ihm das Land der Freiheit und des Rechts zu sein – dahin möchte er auswandern.

Die Ringkämpfe gehen zunächst gut und Esch träumt sogar von einem amerikanischen Theaterprojekt, das sich in seinen Gedanken mit der Bestrafung v. Bertrands und einer klaren „Ordnung“ verbindet. Um sie zu verwirklichen, müsste man „alle Schweine abstechen“.

(III) Esch setzt sich in den Kopf, nach Badenweiler zu fahren, um v. Bertrand dafür zu gewinnen, den immer noch inhaftierten Martin freizulassen. Auf dem Weg dorthin kommt er nach Mannheim und logiert einige Tage bei den Korns. Erna ist inzwischen mit Lohberg liiert, und Esch zahlt einen Teil der Theatereinlagen zurück.

Er besucht Martin im Gefängnis, mit dem er sich aber nicht verständigen kann. Anlässlich der Fahrt Eschs nach Badenweiler zu v. Bertrand wird vom Erzähler in einer Art philosophischer Essay der Begriff des Schlafwandelns eingeführt: „Zwischen geträumtem Wunsch [nach Erlösung] und ahnendem Traum schwebt alles Wissen, schwebt das Wissen vom Opfer und vom Reich der Erlösung.“ Esch und v. Bertrand verstehen sich. Esch fährt nach Mannheim zurück, wo Erna und Lohberg sich verloben.

In Köln beschließen er und Mutter Hentjen zu heiraten; er macht eine Anzeige bei der Polizei wegen v. Bertrands Homosexualität, doch der hat sich bereits erschossen. Direktor Gernerth ist währenddessen mit dem Geld des Theaters durchgebrannt. Teltscher will im Herbst mit Ilona ein Theater in Duisburg starten; dafür wird eine Hypothek auf Frau Hentjens‘ Gasthaus aufgenommen; aber auch dieses Unterfangen scheitert. Esch sieht ein, „daß im Realen niemals Erfüllung sein könnte“. Die Wirtschaft wird nach der Heirat verkauft.

(IV) Auch der Rest des Vermögens geht verloren; aber die Eheleute Esch lieben sich, und Esch nimmt eine Stelle als Oberbuchhalter in Luxemburg an.