Broch: Pasenow oder die Romantik – Inhalt

Das Geschehen spielt im Jahr 1888 in Berlin und in Westpreußen – im Dreikaiserjahr 1888 wurde Wilhelm II. deutscher Kaiser. Er regierte bis 1918, wo der dritte Roman der Trilogie „Die Schlafwandler“ spielt. In der Mitte, 1903, ist das Geschehen von „Esch oder die Anarchie“ datiert. Leutnant Joachim von Pasenow ist die Hauptfigur des ersten Romans. Er sieht in der Uniform den Garant der Ordnung angesichts der vom Verfall bedrohten Kultur; er sucht Zuflucht in militärischen und christlichen Symbolen der Vergangenheit, was durch seinen Freund v. Bertrand als Romantik entlarvt wird – v. Bertrand ist ihm überlegen und geistert häufig durch seine Gedanken.

(I) Zu Beginn besucht Joachim mit seinem Vater das Jägerkasino in Berlin, wo er die böhmische Animierdame Ruzena kennenlernt, die später seine Geliebte wird, mit der er höchste körperliche Lust erlebt. Parallel dazu besucht Joachim das Haus der v. Baddensen im Berliner Westend, auf deren Tochter als mögliche Braut sein Vater ihn bald hinweist.

Im Folgenden duelliert sich Joachims Bruder und fällt dabei („Er fiel für die Ehre“, sagt Joachims Vater). Dieser hätte die elterliche Landwirtschaft in Stolpin übernehmen sollen, was nun auf Joachim zukommt.

(II) Joachim will Ruzena aus dem Amüsierbetrieb befreien. Eduard von Bertrand, ein Geschäftsmann, entlassener Offizier und Freund Joachims, verschafft Ruzena ein kleines Engagement beim Theater.

Familie v. Baddensen bewirtschaftet das Gut Lestow; ihre Tochter Elisabeth ist als Braut Joachims im Gespräch. Herr von Pasenow beginnt aufgrund seines Alters und des Todes seines Sohnes Helmuth verwirrt zu werden; er entwickelt einen Argwohn gegenüber Joachim, der nicht seinen Wünschen entspricht und keine Anstalten macht zu heiraten.

Bei einem Ausritt Joachims mit Bertrand und Elisabeth, seiner Jugendbekanntschaft, die für Joachim unberührbares Sinnbild der Reinheit ist, lahmt Joachims Pferd nach einem Sprung. Elisabeth und Bertrand reiten allein nach Hause, wobei Bertrand ihr seine „Liebe“ gesteht..

(III) Herr von Pasenow, der erkrankt war, gesundet wieder. Joachim reist kurzfristig nach Berlin, wo er weder mit Ruzena noch mit der Uniform klarkommt. Er kehrt mit einem Neurologen, der den Vater behandeln soll, nach Stolpin zurück; dort kommt es zu einem Eklat mit dem verwirrten Vater.

In Berlin will Ruzena ihre Wohnung räumen, da sie sich von Joachim verlassen fühlt. Bertrand, der auf sie einredet, wird von ihr am Arm angeschossen und muss ins Krankenhaus. Sie verschwindet; Joachim findet sie heruntergekommen in einer Toilette, doch sie fährt mit einem anderen Mann fort – Joachim will sterben.

Er arrangiert ein finanzielles Auskommen für seine ehemalige Geliebte und hält mit Erfolg bei Baron v. Baddensen um Elisabeths Hand an. Elisabeth hält im Krankenhaus Rücksprache mit v. Bertrand; die beiden sind voneinander fasziniert. Nach diesem Gespräch nimmt Elisabeth Joachims Antrag an. Die Hochzeit wird im kleinen Kreis gefeiert. Joachim kann sich seiner Frau nicht zärtlich nähern; das Paar beschließt in der Hochzeitsnacht, einander Zeit zu geben, um die Fremdheit zu überwinden.

(IV) Nach 18 Monaten wird ihr erstes Kind geboren.

Joachim von Pasenow ist die einzige Person, an deren Überlegungen und Empfindungen der Leser direkt teilnimmt; alle anderen sieht er nur von außen. In Joachims Sicht ist die Welt von den Gegensätzen zwischen dem Zivilen und der Uniform, zwischen Stadt und Land, zwischen den nüchtern-zynischen Gedanken v. Bertrands und seinen eigenen unsicheren christlich-konservativen Überzeugungen bestimmt; in die körperliche Liebe des böhmischen Animiermädchens Ruzena versinkt er voller Wonne, die madonnenhafte Elisabeth von Baddensen verehrt und heiratet er. Bis zum Schluss lösen sich die Spannungen in Joachims Seele nicht auf. – Zum Begriff der Romantik siehe diesen Aufsatz!