Hofmannsthal: Ballade des äußeren Lebens – Analyse

Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen…

Text

http://www.lyrikwelt.de/gedichte/hofmannsthalg1.htm

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=1446

http://www.german.sbc.edu/hofmannstalgedichte.html (mit analytischen Verstehensfragen)

http://www.rivisteweb.it/doi/10.1419/36319

http://www.rbreu.de/galerie/artandpoetry/html/hofmannsthal.html (in deutscher Schrift: Sütterlin)

Das lyrische Ich dieses Gedichts verbirgt sich in einem umfassenden Pronomen „wir“ (V. 8); es äußert sich in seiner Subjektivität von der 5. Strophe an: in Fragen (V. 13 ff.) und der emphatischen Schlussthese (V. 20 ff.).

Die ersten vier Strophen des 1894 entstandenen Gedichts beginnen mit der Konjunktion „Und“; dadurch wird signalisiert, dass man die Aufzählung der darin genannten Phänomene von Entstehen und Vergehen, von Leben und Untergang endlos fortsetzen kann. Die Wiederholbarkeit wird im wiederholten Adverbial „immer wieder“ (V. 7) ausdrücklich bestätigt, ebenso durch das Pronomen „alle“ (V. 3) und das unbestimmte Adverbial „da und dort“ (V. 11). In diesen endlosen Lebensvollzug gehören auch die vielen Worte, die wir machen (V. 8), der Wechsel von Lust und Müdigkeit (V. 9); sie füllen die Strophen der „Ballade des äußeren Lebens“, wie die Überschrift sie ankündigt.

Dieser Aufzählung stellt das lyrische Ich seine Frage entgegen: Wozu? (V. 13). Die Frage wird variiert und auf den bzw. die Menschen selbst bezogen: „Was frommt das alles uns und diese Spiele (…)?“ (V. 16 ff.) Angesichts ihrer stetigen Wiederholung erweisen sich die Lebensvollzüge als bloße „Spiele“ (V. 16), die den Menschen in seiner Einsamkeit belassen (V. 17) und ziel-los betrieben werden (V. 18). Im Partizip „wandernd“ (V. 18) wird der alte Topos vom Menschen als Wanderer aufgegriffen; doch er ist nicht mehr nach der ewigen Heimat unterwegs, sondern wandert ziellos umher. So erweist sich in der Distanz des Reflektierens dieser ganze Spielbetrieb als sinnlos: „Was frommts, dergleichen viel gesehen haben?“ (V. 19); „frommen“ ist ein altertümliches Verb, bereits um 1800 veraltet, in der Bedeutung „Nutzen, Vorteil bringen“ (Adelung).

Gegen diese kritischen Fragen setzt das lyrische Ich seine eigene These, dass der viel sagt, „der ‚Abend’ sagt“ (V. 20); dieses eine Wort „Abend hebt sich gegen die vielen Worte, die täglich gewechselt werden (V. 8), ab. „Abend“ bezeichnet das Ende des Tages, betont das Weinen nach dem Lachen (zu V. 15), die Müdigkeit gegenüber der Lust (V. 9), das Niederfallen nach dem Erblühen (V. 4 f.). Mit diesem einen Wort bejaht sein Sprecher die Todesnähe des Lebens. Dies erklärt das lyrische Ich zum Abschluss: Es ist ein Wort „daraus Tiefsinn und Trauer rinnt“ (V. 21, Alliteration). Mit einem Vergleich beschließt es seine Äußerung; Tiefsinn und Trauer rinnen aus dem Wort  „Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben“ (V. 22). Tiefsinn und Trauer sind also die Frucht des Lebens, die Ernte, sein Ertrag; und die vielen Lebensspiele gleichen – indirekt zumindest – den hohlen Waben, die ihren Ertrag preisgegeben haben.

Das Gedicht besteht aus Terzinen: dreizeilige Strophen, mit fünfhebigen Jamben: a-b-c, b-d-b, d-e-d, e-f-e, f-g-f, g-h-g, i-j-h, i; h und j weisen eine männliche Kadenz auf, die andere eine weibliche (eine Silbe zusätzlich). Durch die Form der Terzinen werden die verschiedenen Aussagen, erst recht die klagende Aufzählung, die aufbegehrenden Fragen und die besänftigende Antwort ineinander verschlungen.

http://www.stiftikus.de/umbruh19/HvHball1.pdf (zwei Interpretationen, gekürzt)

Eine Interpretation F.N. Mennemeiers gibt es in „Die deutsche Lyrik“, hrsg. von Benno von Wiese, Bd. II, S. 303 ff.; Clemens Heselhaus: Deutsche Lyrik der Moderne, 1961, S. 81 ff. (im Kontext von S. 73 ff.)

Vortrag

http://www.deutschelyrik.de/index.php/ballade-des-aeusseren-lebens.html (Fritz Stavenhagen, sehr gut)

http://www.youtube.com/watch?v=Hqr7pjhDjZo

http://gedichte.xbib.de/mp3-audio_Hofmannsthal_Ballade+des+%E4u%DFeren+Lebens.htm (Bettina Radener, sehr gut)

http://media3.roadkast.com/sprechbude/balladehoffmannsthalharald.mp3 (viel zu schnell)

http://vimeo.com/38321051 (zu viel Nachhall)

http://www.youtube.com/watch?v=8dLE-juwA84 (mit Bildern und Musik unterlegt – Text schwach)

http://www.youtube.com/watch?v=8dLE-juwA84 (mit langem Film unterlegt – Text nicht schlecht)

http://www.youtube.com/watch?v=3mlDOa2BlEA (gesungen, etwas eintönig)

http://www.youtube.com/watch?v=lJvxBjE7ZO8 (gesungen, schwermütig)

Sonstiges

http://www.literaturknoten.de/literatur/g/gumppenberg/parodie/hofmannsthalxballadedes.html (H. von Gumppenberg: Parodie des Gedichts)

http://wwwuser.gwdg.de/~cwagenk/ballade.html (Ballade)