Lasker-Schüler: Siehst du mich – Analyse

Zwischen Erde und Himmel?…

Text

http://www.bachlund.org/Siehst_du_mich.htm

http://www.alb-neckar-schwarzwald.de/poetas/lasker/

http://www.magyarulbabelben.net/works/de/Lasker-Sch%C3%BCler,_Else-1869/Siehst_du_mich?interfaceLang=en

Das Gedicht ist 1909 in „Die Fackel“ erschienen. Die Überschrift geht in den ersten Vers über und bildet eine Frage des lyrischen Ichs an ein geliebtes Du – ein rätselhafte Frage, weil die adverbiale Bestimmung „zwischen Erde und Himmel“ lokal sehr unbestimmt ist und grammatisch sowohl Adverbial zu „siehst du“ wie Attribut zu „mich“ sein könnte. In der zweiten Lesart schwebte das Ich zwischen Erde und Himmel, vielleicht auch zum Himmel empor; in der ersten Lesart würde es fragen, ob du „mich“ überall siehst. Wenn man V. 2 als Erläuterung zur Eingangsfrage liest, würde man eher die zweite Lesart wählen und dann verstehen, wieso dort nie einer über meinen Pfad ging: Das ist ein wegloses Gelände.

In den beiden nächsten Strophen spricht das Ich von einer Du-Erfahrung, die im Gegensatz („Aber“, V. 3) zur Erfahrung der vielen Nichtbegegnungen (V. 2) steht: Dein Blick lässt mich leben, wärmt meine Welt (V. 3), macht mein Herz süß (V. 6), ruft den Frühling herauf (V. 4).

Es folgt abschließend eine Beschreibung dessen, was das Ich in dieser Du-Erfahrung erlebt: Ich-Erfahrung in der Du-Erfahrung. „Ich liege… Und lerne.. Immer spiele ich das eine Spiel.“ (V. 7-10). „Ich liege unter deinem Lächeln“ (V. 7) beim Liebesspiel, das ist recht einfach zu verstehen; was das Ich dabei lernt, ist dagegen nicht so klar. „[dir] Tag und Nacht und bereiten“ (V. 8), „Dich hinzaubern und vergehen lassen“, das deutet gegensätzlichen Zustände an, in welche das Ich mit seiner Liebe das Du versetzt; vielleicht darf man Tag/hinzaubern und Nacht/vergehen einander zuordnen – die Bandbreite der Liebeserfahrung, die das Ich dem Du zu bereiten lernt.

„Immer spiele ich das eine Spiel.“ (V. 10) Die Spiel-Metapher taucht auch im Gedicht „Giselheer dem Tiger“ auf, wo das Skalpspiel den Lebensinhalt des Ichs ausmacht. Es ist das eine Spiel, das Liebesspiel, ohne welches das Ich nicht mehr sein kann.

Die Sprache ist poetisch-gehoben und bildhaft, aber nicht metrisch gebunden. Die fünf Zweizeiler hängen an der Frage der Überschrift; jeder Vers bildet einen eigenständigen Satz, was zur Ruhe des Sprechens beiträgt; nur V. 8 gehört noch zum Subjekt „Ich“ in V. 7. Es ist ein kleines Gedicht inniger Liebeserfahrung, das öfter vertont wurde und auch heute noch zitiert wird.

Sonstiges

http://www.youtube.com/watch?v=4Nz2KfuDqjY (Text mit Bildern unterlegt)

http://mellow-melange.de/ingo/docs/doc_112.pdf (Vertonung: Ingo Höricht)

http://vddb.library.lt/fedora/get/LT-eLABa-0001:J.04~2009~ISSN_1392-561X.N_14.PG_76-88/DS.002.2.01.ARTIC (Metaphorik des Herzens bei L-S)

http://www.themen-der-zeit.de/content/Else_Lasker-Schueler.255.0.html (Biografie)

http://www.planetlyrik.de/else-lasker-schuler-ich-suche-allerlanden-eine-stadt/2013/07/ (dito)

http://www.kj-skrodzki.de/Dokumente/Text_025.htm (dito)

http://project.arts.ubc.ca/els-bib/links.htm (Links, 2008)

http://www.zeit.de/1956/06/ehemals-prinz-von-theben/seite-1 (Würdigung der L-S, 1956)

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