Stadler: Der Aufbruch – Analyse

Einmal haben schon Fanfaren mein ungeduldiges Herz blutig gerissen…

Text

http://www.ngiyaw-ebooks.org/ngiyawE/stadler/aufbruch/aufbruch.htm (dort das letzte Gedicht des ersten Teils: „Die Flucht“)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Stadler,+Ernst/Gedichte/Der+Aufbruch (dito)

http://www.gedichte.eu/ex/stadler/der-aufbruch/der-aufbruch.php (mit http://www.gedichte.eu/ex/stadler/der-aufbruch.php: der ganze Zyklus)

Das Gedicht folgt im Zyklus „Der Aufbruch“ (1914, erschienen Ende 1913) auf „Form ist Wollust“ und beschließt den ersten Teil „Die Flucht“. Ein lyrisches Ich berichtet von einem ersten Aufbruch in den Krieg (V. 1-4), von einem genussvollen Leben in plötzlich eingetretener Stille (V. 5-8) und von einem erneuten Aufbruch (V. 9-14); die letzten vier Verse (V. 15-18) werden personal die Gedanken der beim zweiten Aufbruch vorwärts stürmenden Soldaten wiedergegeben (im Konjunktiv II: „Vielleicht würden…“). – Es gibt eine große Untersuchung des ganzen Zyklus „Der Aufbruch“, die Dissertation von Verena Halbe, sowie eine Schüleranalyse, die man mit großer Vorsicht lesen wird: Da das Gedicht bereits 1913 erschienen ist, kann es nicht Stadlers Erfahrungen als Soldat des Weltkriegs enthalten. Ich zitiere aus der Arbeit Verena Halbes:

„Drei Sinnabschnitte sind innerhalb des Gedichts festzustellen, die man kurz beschreiben kann als Aufbruchversuch, einen darauf folgenden Rückzug in die Traumsphäre und zuletzt als erneuten Aufbruch. Die drei verschiedenen Phasen werden häufig als Auseinandersetzung Stadlers mit seiner eigenen dichterischen Entwicklung gedeutet. So gesehen beschreiben die ersten vier kriegerischen Zeilen die ,Stürmer-Zeit‘ Stadlers, die nächsten vier Zeilen der Ruhe und Träumerei umfassen seine Hinwendung zum Symbolismus, und die letzten zehn, abermals kämpferisch bestimmten Zeilen umschreiben die neue, expressionistische Stilphase Stadlers. Aufgrund der Entsprechung von Stadlers poetischem Werdegang und der Darstellung im Gedicht ist diese Interpretation einleuchtend. Darüber hinaus stellt sich hier nun die Frage, wie das Aufbruchsmotiv, das sowohl den ersten wie den letzten Abschnitt bestimmt, im einzelnen beschaffen ist.“ (Verena Halbe, a.a.O., S. 253) Die Kriegsmetaphorik wird also biografisch auf die Entwicklung des Dichters bezogen; um diese zu verstehen, muss man andere Gedichte Stadlers und Darstellungen seiner Biografie heranziehen.

Verena Halbe setzt sich mit dem Vorwurf des Eskapismus gegen das Gedicht auseinander und weist ihn zurück. Sie fasst die Untersuchung des Motivs „Aufbruch“ im ganzen Zyklus so zusammen: „Die Beispiele verdeutlichen, daß das Aufbruchsmotiv ähnlich dem Vorfrühlingsmotiv keinen eindimensionalen Inhalt besitzt. Anhand der verschiedenen Motivverknüpfungen und insbesondere anhand der variierenden Verbindungen mit dem Einkehrmotiv entfalten sich die unterschiedlichen Bedeutungsaspekte dieses Motivs. Ist der Aufbruch ziellos und rastlos bzw. auf die Erlangung des Traums ausgerichtet, so führt er das Ich nicht weiter; wird hingegen eine Erneuerung des Ich im Sinne des ,Wesentlich-Werdens‘ angestrebt oder verbindet sich die Dynamik des Aufbruchs mit der Ruhe der Einkehr, ist der Aufbruch sehr beglückend. Auch ein und dieselbe Bedeutungskomponente kann – wie das Beispiel des Abenteuers belegt – ambivalent sein. Ein Blick auf den gesamten Gedichtband zeigt, daß das Aufbruchsmotiv sehr häufig und im ganzen Zyklus vorkommt. Eine etwaige geradlinige Entwicklung der verschiedenen Aufbruchsmomente auf einen Höhepunkt zu ist nicht festzustellen.“ (a.a.O., S. 257)

http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/dissts/Siegen/Halbe1999.pdf (Verena Halbe, Dissertation 1999, dort S. 241 ff.: Analyse des ganzen Zyklus „Der Aufbruch“, S. 253 ff. Analyse des Gedichts „Der Aufbruch“)

http://lyrik.antikoerperchen.de/ernst-stadler-der-aufbruch,textbearbeitung,80.html (Schüleranalyse, problematisch)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=NYgz5sNQzBs (Vertonung von Leon Tscholl)

Sonstiges

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Kondor (Anthologie „Der Kondor“, 1912 – Übersicht)

https://www.uni-due.de/lyriktheorie/texte/1912_hiller.html („Der Kondor“, Vorwort)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

http://d-nb.info/575379588/04 (Inhaltsverzeichnis „Menschheitsdämmerung“)

http://www.ngiyaw-ebooks.org/ (dort unter „Stadler“: Präludien, 1905; „Der Aufbruch“, 1914; drei weitere Gedichte)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Stadler,+Ernst/Gedichte/Der+Aufbruch („Der Aufbruch“ und weitere Gedichte 1910/14)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Expressionismus.htm („Expressionismus“ im Schülerlexikon)

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