Terézia Mora: Das Ungeheuer – statt einer Besprechung

Deutscher Buchpreis 2013: http://www.deutscher-buchpreis.de/de/639550/, das war die Tatsache, die mich auf den Roman aufmerksam gemacht hat. „Das Ungeheuer“ – ich hatte mir das Buch zu Weihnachten schenken lassen und habe es intensiv angelesen, überm Strich bis knapp zur Hälfte (Kap. 11 einschließlich), unterm Strich gut das erste Drittel. Was habe ich gelesen? Ich weiß es kaum noch; es war belanglos: Ein Deutscher lungert in Ungarn herum, besorgt sich für teures Geld die Urne mit der Asche seiner Frau (Suizid), nimmt eine Anhalterin mit und fährt grundlos nach Albanien, wo er eine Gehirnhautentzündung auskuriert und wieder allein losfährt. Ich wüsste nicht, warum ich das Buch zu Ende lesen soll. Und ich begreife nicht, wieso es im vergangenen Jahr einen Preis bekommen hat: das beste Buch auf dem deutschen Markt. Ich werde einige Kritiken zu Rate ziehen.

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/deutscher-buchpreis-2013-fuer-das-ungeheuer-von-terezia-mora-a-926582.html („ein mitreißendes Buch über Schwermut, Trauer und Tod“, meint Sebastian Hammelehle: „’Das Ungeheuer‘ kreist um Schwermut, Trauer und Tod, Themen, die nicht zum zügigen epischen Fluss, sondern zum Stillstand tendieren. Doch ist das Buch Seelen- und Roadtrip gleichermaßen. Mora gelingt das Kunststück, den Leser mitzureißen.“ Daran ist richtig, dass das Buch zum Stillstand tendiert, aber falsch ist, dass es „den Leser“ mitreißt – einige vielleicht, mich aber nicht.)

http://www.cicero.de/salon/terezia-mora-das-ungeheuer-buchrezension/56055 („Eine Reise an den Ort, wo die Toten sind, ist dieser Roman insgesamt, in seinen beiden Stimmen. Denn auch in Darius, anfangs nur ratlos und getrieben, nimmt jenes «Ungeheuer» Gestalt an, das dem Roman seinen Titel gegeben hat: jenes nach und nach alles durchdringende Gefühl, nirgends in der Welt sich mehr verankern zu können, keinen Ort und schon gar keinen Menschen mehr zu haben, in dessen Gegenwart man einigermaßen beruhigt sein könnte.“ T. Mora habe ihren Roman meisterlich vorangetrieben, der Held sei auf seiner letzten Reise zu sehen, meint Frauke Meyer-Gosau; ich habe allerdings keine Lust, ihm dabei zuzuschauen.)

http://www.fr-online.de/deutscher-buchpreis/ter-zia-mora—das-ungeheuer–flora-ist-tot,24520012,24514124.html (Judith von Sternburg schlägt vorsichtig kritische Töne, aber doch nur vorsichtig: „Ein tragischer, langer, manchmal zäher Roman, weil der Tod nie mehr aufhört und das Leben für die ratlosen Überlebenden weitergeht.“ Vor allem zäh, da hat sie recht.)

Die einzige kritische Rezension ist die von Katharina Döbler in der ZEIT: http://www.zeit.de/2013/39/roman-terezia-mora-das-ungeheuer (Katharina, hätte ich deine Rezension nur vor Weihnachten gelesen! „Aber Darius Kopp hat nur Erlebnisse, er verändert sich nicht: als Figur bleibt er starr und immer etwas dümmer als die Autorin selbst. Deshalb geht das Konstrukt des Romans nicht auf.“ Fazit: „Terézia Mora will offenkundig zu viel Verschiedenes: Sie will von Entfremdung sprechen mit all ihren Folgen und dabei zeigen, wie Literatur gemacht wird. Sie will schwadronieren und amüsieren, psychologisieren und rühren, ironisieren und eine altmodische Authentizität behaupten – der sie allerdings als moderne und eigentlich wagemutige Literatin selbst nicht traut. Und sie kann das alles. Sie kann das sogar sehr gut. Aber aus all diesem Können ist noch kein überzeugender Roman geworden.“ Nicht nur das, es ist ein langweiliger Roman geworden!)

http://culturmag.de/rubriken/buecher/terzia-mora-das-ungeheuer/77948 (Eine einzige Lobeshymne, widerlich!)

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/terezia-mora-das-ungeheuer-der-einsamste-mann-auf-dem-kontinent-12562860.html (Hubert Spiegel stellt den Roman in Beziehung zu einem vor vier Jahren erschienenen Buch, in dem der Held Darius Kopp erstmals vorgeführt wurde: „’Das Ungeheuer‘ ist die Fortsetzung von ‚Der einzige Mann auf dem Kontinent‘ und beginnt sogar mit denselben Sätzen wie der Vorgänger, kann aber auch ohne dessen Kenntnis gelesen werden, als eigenständiger Roman, in dem das zunächst satirisch gezeichnete Stehaufmännchen Kopp als gereifter Schmerzensmann wiederkehrt. Mora erzählt jetzt die Bildungsgeschichte ihres Jedermanns, der an seinen Verlusten wächst. Der Mann, der nicht wusste, mit wem er glücklich war, lernt seine Frau erst nach ihrem Tod kennen und liebt sie nur umso mehr.“ Ja, das mag so sein. „Und wer ist das Ungeheuer, von dem der Titel spricht? In Floras Aufzeichnungen findet sich die Behauptung, der Mensch sei das ‚unnatürlichste Tier‘. Was ist ein Ungeheuer anderes als ein unnatürliches Tier? Terézia Mora hat ein großes, ein zutiefst humanes Buch geschrieben über das Ungeheuer und seine vielen Gesichter.“ In jeder Reportage auf der Seite 3 der SZ finde ich mehr von dem Ungeheuren, das der Mensch ist, von der „Antigone“ des Sophokles ganz zu schweigen. Ich beende die Lektüre von T. Moras „Das Ungeheuer“; wer daran interessiert ist, kann sich das Buch bei mir abholen.)

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