Droste-Hülshoff: Das Spiegelbild – Analyse

Schaust du mich an aus dem Kristall…

Text

http://www.wortblume.de/dichterinnen/spiegbil.htm

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=63

http://www.hs-augsburg.de/~%20harsch/germanica/Chronologie/19Jh/Droste/dro_44g4.html (dort das letzte Gedicht)

„Eine Phase höchster poetischer Inspiration erlebte die Autorin im Winter 1841/42, den sie zu Besuch bei ihrer Schwester Jenny von Laßberg auf der Meersburg am Bodensee verbrachte. Angespornt durch ihren ‚Seelenfreund’ Levin Schücking, gelang es ihr, fast täglich ein neues Gedicht zu verfassen. Es entstand damals der Grundstock ihrer zweiten Gedichtsammlung, die 1844 erschien und viele ihrer be­kannten Texte enthält, so Das Spiegelbild, Am Thurme oder die heimatbezogenen Haidebilder mit ihrer Einsicht in die Doppelbödigkeit der Natur.“ (http://www.droste-gesellschaft.de/cms/?navi=2)

Das lyrische Ich erblickt sich im Spiegel; es spricht zu seinem Spiegelbild, um die eigentümliche Erfahrung der Begegnung mit dem eigenen Bild im Spiegel zu verarbeiten. Das ist für mich ungewöhnlich, da ich in solchen Fällen der Spiegelbetrachtung mit mir selbst spreche, nicht zu meinem Spiegelbild. Das Ich erlebt sein Bild als ein ihm Fremdes und setzt sich damit auseinander. Eine  ähnliche Erfahrung finden wir in den Gedichten von Hugo Salus (1866 – 1929, „Das Spiegelbild“: http://gedichte.xbib.de/Salus_gedicht_Das+Spiegelbild.htm: „ein wesenloses Ich“) und Rochus Otto Manderup Heinrich zu Lynar (1793 – 1860, „Das Spiegelbild“: http://gedichte.xbib.de/Lynar_gedicht_061.+Das+Spiegelbild.htm: „Was ist’s, daß mich mein Spiegelbild
/ Unheimlich oft mit Grau’n erfüllt?“); möglicherweise sind sie vom Gedicht der Droste angeregt, vielleicht ist jedoch Lynars Gedicht das älteste [Lynars Gedichte sind bibliografisch mit meinen Hilfsmitteln nicht zu identifizieren].

Das lyrische Ich spricht also sein Spiegelbild mit „du“ an (V. 1), als wäre diese seine Doppelung ein selbständiges Wesen; dies tut es, weil ihm das Bild fremd vorkommt. Zu dieser Fremden (ich nehme an, dass das lyrische Ich für die Droste spricht) steht das Ich in einer ambivalenten Beziehung – diese ist das Thema das Gedichts.

Den Aufbau des Gedichts erfasse ich als eine Dreiteilung: In den ersten beiden Strophen stellt das lyrische Ich die elementare Fremdheit des Spiegelbildes fest (V. 7), relativiert diese aber, indem es die Möglichkeit, das Bild zu lieben oder zu hassen, einräumt, falls dieses als Person aus dem Spiegel herausträte (V. 11 ff. „Und dennoch…“). In der 3./4. Strophe setzt es die Beschreibung seiner möglichen ambivalenten Reaktionen auf diese selbständige Bildperson fort. Die beiden Strophen 5 und 6 gleichen im Aufbau den Strophen 1 und 2: Zuerst wird wieder die Nichtidentität (Fremdheit) beklagt, darauf folgt eine Relativierung mit „Und dennoch…“ (V. 36 ff., vgl. V. 11 ff., wiederum an das [un]mögliche Heraustreten der Person aus dem Spiegel gebunden).

Zunächst (1. Str.) spricht das lyrische Ich über den Beginn einer Begegnung mit seinem Spiegelbild, die es schon öfter erlebt hat (konditional „Schaust du mich an…“, V. 1, mit dem Hauptsatz „dann flüstre ich“, V. 6 f.). Dabei fallen ihm die Augen als bleich (Nebel, V. 2; verbleichen, V. 3), die Gesichtszüge als „wunderlich“ (V. 4 – die „zwei Seelen“ mit dem Spionenvergleich müssen wohl für eine Ambivalenz stehen; sie bezeugen hier Fremdheit, während die zwei Seelen in der eigenen Brust jedem aufmerksamen Selbstbeobachter bekannt sein dürften) auf. Das Bild wird als „Phantom“ erlebt und bezeichnet (V. 7); das ist „ein Blendwerk, eine Erscheinung, ein Gespenst“ (Krünitz), ein „Trug- oder Schreckbild, Luftgesicht“ (Damen Conversations Lexikon, 1834/38): Davon grenzt das Ich sich erschrocken, entsetzt ab: „du bist nicht meinesgleichen“ (V. 7), obwohl der Spiegel ja gerade ein identisches Bild der Person, nur seitenverkehrt, liefert. Worin diese Spiegel-Erfahrung begründet ist, soll zum Schluss bedacht werden.

Die ganze erste Strophe ist ein einziger Satz, wobei hinter V. 3 und V. 6 jeweils eine kleine Pause gemacht wird. Das Tempo des Sprechens ist entsprechend der Erregung des Ichs recht hoch, wozu auch der vierhebige Jambus beiträgt, durchweg mit männlicher Kadenz, nur in V. 3 und 7 mit weiblicher. Das Reimschema ist so eigenwillig wie der Aufbau der Strophe aus 7 Versen: a – a – b – c – c – c – b. Dieser schwungvolle Aufbau hält sich durch; in allen Strophen (bis auf die 5.) wird nach Vers 3 eine Pause gemacht, nur in der 5. nach V. 5. In der 1. Strophe kommt noch eine Pause in V. 6 hinzu (Ende des Nebensatzes hinter „Umschleichen“), ähnlich in der 6. Strophe in V. 7 (hinter dem Einschub: Gedankenstrich). Die einzelnen Verse sind wegen der Satzlänge keine selbständigen Gedanken, daher braucht man prinzipiell nicht nach der Semantik der Reime zu suchen; nur in „Kristall/Nebenball“ (V. 1 f.) liegt vielleicht ein Kontrast vor.

Mit der 2. Strophe wird syntaktisch V. 7 fortgesetzt: Das Subjekt „Du“ ist ausgelassen; diese Ellipse beschleunigt das Sprechen und setzt die anklagende Beschreibung des Phantoms fort: wie es als Traumgestalt das Ich zu Tode erschreckt („eisen“ und „blassen“ als Neologismen). Es folgt in der Rede des Ichs die erste Kehrtwendung „Und dennoch…“ (V. 11); mit der Anrede „dämmerndes Gesicht“ (V. 11) wird die anfängliche Beschreibung (V. 2 f.) aufgenommen, mit dem „Doppellicht“ (V. 12) die anfänglich genannte Ambivalenz (V. 4-6). Das Doppellicht (Neologismus für „Zwielicht“, enthält „die vorstellungen ‚halb, gespalten, geteilt‘ oder ‚zweifelhaft, schwankend“, Deutsches Wörterbuch) ist wiederum sachlich nicht zu erklären – wie das Bild der zwei Seelen in den Gesichtszügen (solches kann man nicht im Spiegel sehen!) – sondern als beschriebene Erfahrung festzuhalten. Es folgt ein eigentümlicher Gedanke: „Trätest du vor“ (V. 13) – was natürlich unmöglich ist, also ein Gedankenexperiment einleitet, welches den Ernstfall realer Begegnung mit dem eigenen Spiegelbild eröffnet: Was geschähe dann? „ich weiß es nicht“ (V. 13), bekennt das Ich, das Bild zu lieben und zu hassen wäre möglich: Ambivalenz gegenüber dem eigenen Bild. Die hier noch nicht zu klärende Sachfrage ist, ob damit auch eine Ambivalenz gegenüber dem eigenen Ich ausgedrückt wird, welches man nach allgemeinem Verständnis (wenn auch nicht zwingend!) doch liebt – möglich ist es, aber nicht zwingend erforderlich; denn die Erfahrung mit dem eigenen Spiegelbild ist recht eigentümlich, wie zum Schluss noch erklärt werden soll.

Die Sprache des lyrischen Ichs ist gehoben („der Träume Hut“, V. 8; Neologismen sind die Verben „eisen“ und „blassen“, eine Locke blassen, V. 10). Die Reime „dämmerndes Gesicht / Doppellicht“ (V. 11 f.) verbinden Ähnliches, „hassen“ (V. 14) könnte als Reaktion auf „blassen“ (V. 10) verstanden werden. Auf der gleichen Sprachebene bewegt sich das lyrische Ich in der 3. Strophe (Gedanken leisten Fron, V. 16; des Auges Glast, V. 18 – „Glast“ ist so viel wie „Glanz“: „Im Oberdeutschen ist statt dessen von alten Zeiten her auch Glaß, Glast, Glest, Glis, Gliz üblich gewesen. Der tag mit siner glesten, König Wenzel. Din spilnder ougen glast, der von Gliers. Der lichten Sonnen glast, S. Sachs. Aus welchem Worte es durch die sonst nicht ungewöhnliche Einschaltung des n entstanden ist, wo es nicht unmittelbar von beyder gemeinschaftlichem Stammworte Glo, Lo, Licht, gloa, leuchten, herkommt.“ (Adelung, 1811)

Wie gesagt, wird in den Strophen 3 und 4 konsequent die Ambivalenz des Ichs gegenüber dem potenziell eigenständigen Spielbild durchgespielt: Verehrung der tiefen Gedanken (der Stirn), aber große Distanz gegenüber dem kalten Blick (3. Str.); liebevolle Zuwendung zu des Mundes weichen Zügen, aber Abscheu vor seinen höhnenden Worten (4. Str.) – das zielt schon eindeutig auf eine Stellungnahme gegenüber dem eigenen Ich, nicht bloß gegenüber dem Bild; die großen Gedanken und der Spott sind nämlich dem Bild nicht anzusehen, die kennt das Ich von sich selbst, auch wenn es dafür leicht verzerrte Gesichtszüge bemüht (V. 27).

Bei den Reimen fallen „Thron / Fron“ (V. 15 f.), „schüchtern blicken / weit rücken“ (V. 17/21), „kalter Glast  / gebrochen fast“ (V. 18 f.), „lind / Kind“ (V. 22 f.), „bergen / fliehen wie vor Schergen“ (V. 24/28) und die drei Reime V. 25-27 als semantisch korrespondierend auf. Auch in der 4. Strophe liegt das Ich wieder deutlich über dem Niveau der Umgangssprache (Fron leisten, kalter Glast, ein scheuer Gast, Schergen). In V. 18-20 fällt auf, dass dem Gesicht des Bildes eine Todeskälte zu entströmen scheint (Adjektive: kalt, tot, gespenstig); die Wirkung dieser Kälte hat das Ich gleich zu Beginn seiner Begegnung mit dem Bild bereits verspürt (V. 9 f.).

In den Strophen 5 und 6 wird die gleiche Bewegung wie in den Strophen 1 und 2 vollzogen. Der Beginn „du bist nicht ich“ (V. 29) und die Bestürzung über die Fremdheit des Bildes entsprechen fast wörtlich V. 7; darauf folgt erneut die ambivalente Zuwendung zum Bild, eingeleitet mit der Partikel „dennoch“ (V. 36, vgl. V. 11). Der Schluss ist jedoch keine platte Wiederholung, sondern weist gegenüber der gleichen Figur zu Beginn auch Neues auf. In Str. 5 wird der Gedanke mehr als angedeutet, dass die Seele des als fremd erkannten Bildes (dreimal „fremd“, V. 30, 33) im Inneren des lyrischen Ichs schlummert. Dieser Gedanke wird zwar rhetorisch abgewehrt („Gnade mir Gott“, V. 34, plus Konjunktiv II in V. 35 – „ruhet“ ist die vom Reim geforderte Umwandlung des Konjunktivs „ruhte“), aber indem er ausgesprochen und abgewehrt wird, wird er schon als wahr anerkannt. Der Vergleich mit dem Zögern des Moses vor dem brennenden Dornbusch (Ex 3) ist nicht nur Ausdruck gehobener Frömmigkeit, sondern auch ein wenig verfehlt: Moses ging ganz unbeschwert auf den Dornbusch zu, weshalb der HERR ihm Zurückhaltung gebieten musste („Komm nicht näher heran!“ Ex 3,5).

Auch die Reaktion auf das aus dem Rahmen heraustretende Spiegelbild fällt ein wenig anders als bisher aus; das Ich bekennt nämlich, sich „Zu deinen Schauern wie gebannt“ zu fühlen (V. 37), was es im Vergleich als Verwandtschaft erkennt (V. 36). Schauer: „Eine schnell vorüber gehende Erschütterung der Haut, dergleichen man bey einem plötzlichen Anfalle der Kälte, bey einem hohen Grade des Schreckens, des Abscheues, der Angst u. s. f. empfindet.“ (Adelung, 1811) Die Schauer des Bildes sind also diejenigen, welche es beim Ich auslöst, und mit dem Schrecken verbindet sich die Faszination („gebannt“, V. 37) – diese Verbindung ist von Rudolf Otto als typisch für die Begegnung mit dem Göttlichen (Numinosen) beschrieben worden. Wenn Liebe sich mit der Furcht verbindet (V. 38), ist das die entsprechende Antwort auf die Erfahrung des numinos Fremden.

Das erwartete leise Zittern (V. 41, statt der Flucht, vgl. V. 21 f., und des Hasses, V. 14, der der bloßen Furcht gewichen ist, V. 38) drückt die erfahrene Ambivalenz aus. Durch „Mich dünkt“ (V. 42) ein wenig relativiert, bleibt als negative Reaktion nur „um dich weinen“ (V. 42) übrig. Dieses Weinen muss man nach Hass (V. 14), Flucht (V. 21), Furcht (V. 38) als Abschwächung der bisherigen Ablehnung begreifen; sachlich ist die Bedeutung von „weinen um dich“ nicht ganz klar so wird am ehesten ein Verlust ausgedrückt (http://www.myvideo.de/watch/7797687/Zarah_Leander_Ein_paar_Traenen_werd_ich_weinen_um_dich; vgl. „Du hattest schon einen Platz, kleine Maus, doch wir haben Dich verloren und wir weinen um Dich!“ oder „Aber wir, die wir zurück geblieben sind, sind voller Trauer, wir weinen um dich Bernie, weil du nicht mehr hier bist.“ u.ä. Wendungen im Internet!). In diesem Verständnis wäre „um dich weinen“ m.E. nicht ganz geeignet, die volle Ambivalenz von Fremdheit und Verwandtschaft, von Liebe und Furcht auszudrücken. Das Weinen müsste so sein, dass im Verlust auch ein Gewinn gespürt wird – dann wäre es der angemessene Schluss des Gedichts. Vielleicht kann man den Schluss „retten“, wenn man ihn so versteht, dass das lyrische Ich das Phantom als Phantom verloren und als Verwandte bewahrt hat – aber das wäre kein Grund zum Weinen!?

Von den Reimen sind die in V. 32-34 als besonders sinnvoll zu erwähnen, auch V. 36 f. und V. 37/42 passen gut zueinander. Die Sprache ist wieder erhaben („aus des Kristalles Rund“, der Mosesvergleich und V. 35 als Beispiele). Das Tempo ist ein wenig niedriger als zu Beginn, weil gelegentlich nach einzelnen Versen eine kleine Pause zusätzlich gemacht wird (V. 29, 31, 32, 37, 39, 40 zusätzlich zu den großen Pausen).

Wir haben ein Gedicht vor uns, in dem aus dem Erleben der Fremdheit des Spiegelbildes Erleben und Anerkennung der Fremdheit des eigenen Ichs werden (6. und Beginn der 7. Strophe); dieser Übergang, in den ambivalenten Wahrnehmungen der ersten vier Strophen vorbereitet, wird in dem verunglückten Schluss V. 42 nicht durchgehalten. – Vgl. auch C. F. Meyers Gedicht „Möwenflug“(1883)!

Exkurs: Warum mutet das eigene Spiegelbild fremd an? Ein Versuch

„Ich hasse mich wenn ich mich im Spiegel sehe, ich könnte mir eine in die Fresse geben, in meine blöde. ich hasse mein Spiegelbild. woher kommt dieser Hass, wem geht es auch so?“ (Katrinchen 25 im ‚forum.gofeminin’) So wie die eigene Stimme auf Band fremd klingt, mutet auch das eigene Spiegelbild fremd an. Ich nehme an, dass dies damit zu tun hat, dass dem Spiegelbild jede eigene Aktivität fehlt: Mit ihm ist keine mimische Kommunikation möglich, es äußert sich nicht – und deshalb (oder umgekehrt) hat es auch kein Innen. Es ist bloße Fassade ohne jede Tiefe, auch wenn man ihm in die Augen schaut – man sieht nichts. Darüber erschrickt man, ich jedenfalls. Vgl. auch: „Er hatte damals […] einen Blick in den Spiegel geworfen, aus dem ihm seine schmalen, tief liegenden Augen angeschaut hatten, als betrachteten sie jemanden, den sie nicht kannten. Zwischen den buschigen Augenbrauen hatten sich zwei steile Falten eingekerbt, unter denen eine große Nase mit einer kleinen runden Geschwulst im Nasenwinkel das Gesicht beherrschte. Der Mund war unauffällig, aber nicht ganz verschlossen, irgendwie zögernd. Ich bin es, hatte er gedacht, aber ich weiß nicht, was ich von mir halten soll. Das Gesicht war leicht verzogen von unterdrückter Spannung. Er hatte es so lange angeschaut, bis es ihm wie ein erstarrtes Brodeln erschien.“ (Dieter Wellershoff: Der Himmel ist kein Ort, Köln 2009, S. 109) Vgl. auch die bei Adorno zitierten Ausführungen Schopenhauers über das Individuum: »Jedes Individuum ist einerseits das Subjekt des Erkennens, das heißt, die ergänzende Bedingung der Möglichkeit der ganzen objektiven Welt, und andererseits einzelne Erscheinung des Willens, desselben, der sich in jedem Dinge objektiviert. Aber diese Duplizität unseres Wesens ruht nicht in einer für sich bestehenden Einheit: sonst würden wir uns unserer selbst an uns selbst und unabhängig von den Objekten des Erkennens und Wollens bewußt werden können: dies können wir aber schlechterdings nicht, sondern sobald wir, um es zu versuchen, in uns gehen und uns, indem wir das Erkennen nach Innen richten, einmal völlig besinnen wollen; so verlieren wir uns in eine bodenlose Leere, finden uns gleich der gläsernen Hohlkugel, aus deren Leere eine Stimme spricht, deren Ursache aber nicht darin anzutreffen ist, und indem wir so uns selbst ergreifen wollen, erhaschen wir, mit Schaudern, nichts, als ein bestandloses Gespenst.«

P.S. Eine wichtige Rolle spielt das Spiegelbild in Döblins Roman „November 1918“, Band 3: „Heimkehr der Fronttruppen“. Dort wird erzählt, wie der Dramatiker Stauffer seine Skrupel, sich auf seine neue Liebe einzulassen (Lucie, die quasi 20 Jahre auf ihn gewartet hat), durch einen Blick in den Spiegel überwindet: „Und da blickte ihm aus dem Spiegel ein bekümmerter älterer Herr zu. Der Herr schien bestürzt zu sein.“ (dtv 1389, München 1978, S. 159) Als er das Bild fragt, wie dieses sich entscheiden würde, „blickte ihn das Spiegelbild wehmütig an, und Stauffer begriff“ (S. 159). Das Spiegelbild sagt ihm dann, dass auch er sich verändert hat, ohne dass Lucie ihm deswegen Vorwürfe machte – er müsse daher  akzeptieren, dass auch Lucie sich verändert habe. „Und wie das Spiegelbild ihm das aufrichtig und überzeugend mitteilte, legte Stauffer seine Stirn an das freundliche Glas und stimmte ihm zu.“ (S. 160, im Kapitel „Erwin und Lucie“) – Natürlich ist die Begegnung mit dem sprechenden Spiegelbild surreal, aber eben doch realistisch erzählt: Das Spiegelbild hat einem etwas zu sagen.

http://homepage.bnv-bamberg.de/lk-deutsch/droste-spiegelbild.doc  (schülerhaft-hilflos)

https://norberto42.wordpress.com/2013/07/23/keller-winternacht-interpretation/ (zum Vergleich)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=uo3yj_B5Ex8 (interessant)

https://www.youtube.com/watch?v=LRLJ86TGM9o (Verfilmung, schwach, beliebig und grausam, dazu schlecht gesprochen: Was soll eine solche angebliche Gedichtsverfilmung?)

Sonstiges

http://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,+Annette+von (Leben und Werke der Droste)

http://www.grupello.de/dateien/C091.pdf („Zu früh, zu früh geboren“ Die Modernität der Droste)

https://archive.org/stream/dielyrikderannet00pfeiuoft/dielyrikderannet00pfeiuoft_djvu.txt Die Lyrik der Droste – Diss. 1923)

http://www.gedichte.levrai.de/gedichte_von/droste_annette_von_droste_huelshoff.htm (Gedichte der Droste)

http://www.thokra.de/html/droste-hulshoff_5.html (dito)

http://www.dein-eigenes-gedicht.de/ausgewaehlte_gedichte/klassiker/droste.html (dito)

http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000157&author_id=00000080 (Droste im Literaturportal Westfalen)

Spiegel(bild)

http://www.symbolonline.de/index.php?title=Spiegel

http://www.ureda.de/php/spider/anzeige.php3?id=256

http://www.internetloge.de/symhandb/symb09.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Spiegel

http://www.pm-magazin.de/r/gute-frage/spiegelbild-oder-foto-was-kommt-der-wirklichkeit-n%C3%A4her

Spiegelbild in der bildenden Kunst:

http://images.zeno.org/Kunstwerke/I/big/78k175a.jpg (Max Klinger: Philosoph, 1910) oder

http://img14.deviantart.net/ccfe/i/2012/306/6/c/carnet_de_croquis___max_klinger___der_philosoph_by_in2ni-d5jqouo.jpg

http://www.griseldaonline.it/rifiuti-scarti-esuberi/img/pistoletto%20etrusco.jpg (M. Pistoletto: L’Etrusco, 1976) oder

http://www.artphaire.com/wp-content/uploads/2014/09/pistoletto_l-etrusco.jpg (dito)

Das Gedicht der Droste wird inzwischen häufig gelesen; ich habe deshalb einmal versucht, die darin ausgearbeitete Spiegelbild-Erfahrung in den Kontext des Erlebens anderer zu stellen, und zwar unter den Stichworten „Spiegelbild“ und „Spiegelbild Augen“:

http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1310894 (Spiegel – Physik und Kulturgeschichte)

http://www.physiologus.de/spiegelbi.htm („Spiegelbild“ in der Literatur)

http://www.dissoziation-info.de/html/spiegelbild.html Spiegelbild-Gedicht

http://www.sueddeutsche.de/karriere/lebenskunst-ist-sich-morgens-im-spiegel-anzulaecheln-1.591239 (Spiegelbild)

http://www.bernhard-sandkuehler.de/Selbst.html (dito)

http://www.felten.name/marga/spiegelbuch.html (dito)

http://mymonk.de/nackt-vorm-spiegel/ (dito)

http://undermyskyyy.blogspot.de/2011/09/spiegelbild.html (dito)

http://www.gutefrage.net/frage/ich-habe-angst-meinem-spiegelbild-in-die-augen-zu-kucken (Angst vor dem Spiegelbild)

http://www.therapeutenfinder.com/news/1476-die-augen-sind-der-spiegel-der-seele.html (Augen)

http://cochise59.wordpress.com/2010/07/12/die-augen-sind-das-spiegelbild-unserer-seele/ (dito)

http://www.domo-ev.de/augenblicke (dito)

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