Droste-Hülshoff: Die Taxuswand – Analyse der Bilder und Metaphern

Ich stehe gern vor dir…

Text

http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Droste/Werk/Lyrik/Ausgabe_1844/taxuswand/index2_html

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=74

http://www.wortblume.de/dichterinnen/taxuswan.htm

http://www.wissen-im-netz.info/literatur/droste/gedichte/04.htm (dort das 9. Gedicht)

Das Gedicht ist 1842 erschienen (Brief der Droste an L. Schücking).

„Bereits um das Jahr 1819, so wird überliefert, hatte Annette ein Liebesverhältnis zu Heinrich Straube (1794 – 1847), Göttinger Student der Rechte, geboren in Kassel, [er] arbeitete später als kurfürstlich hessischer Prokurator und Oberappelationsrat in Kassel, und August von Arnswaldt (1798 – 1855), auch Student der Universität Göttingen, später mecklenburgisch königlich hannoverscher Legationsrat, Herr auf Hardenborstel und Hoja, sowie auf Gustaevel und Schönlage, dessen Vater Kurator der Universität war.

Er war mit den Gebrüdern Grimm befreundet. Von August von Arnswaldt wird berichtet, daß er literarisch sehr bewandert war, dass er aber auch von unerbittlicher, religiöser Strenge sein konnte, die ihn dann alle Poesie und Romantik verwerfen ließ.

Über die Ursachen des Scheiterns der Liebesaffären zwischen Heinrich Straube und Annette D. sowie das Liebesverhältnis zwischen August von Arnswaldt und Annette ist viel gerätselt und spekuliert worden. Fest steht, dass die Liebe zwischen Annette und Straube einer Familienintrige zum Opfer gefallen ist, inszeniert vor allem von der Tante Anna von Haxthausen, die vier Jahre jünger war als Annette und 1830 August von Arnswaldt heiratete. Fraglich sind allerdings die Gründe für die Intrige. (…)

Heinrich Straube und August von Arnswaldt gehörten beide dem Bökendorfer Kreis an und lernten hier Annette von Droste Hülshoff kennen. (…) Initiatoren, Träger und Mittelpunkt des „Bökendorfer Kreises“ waren zunächst die Brüder Werner und August von Haxthausen, aber auch deren Schwestern, vor allem Anna, die später August von Arnswaldt heiratete; Ludowine und Ferdinandine von Haxthausen gehörten zu diesem Kreis literarisch ambitionierter junger Leute. Sie beteiligten sich zusammen mit vielen Freunden und Bekannten der Familie an der Sammlung von Märchen, Sagen und literarischem Volksgut. Wilhelm Grimm kam erstmals 1811, sein Bruder Jakob 1846 nach Bökendorf. Am häufigsten war dort ihr Bruder, der Maler Ludwig Emil Grimm, zu Gast. Er hielt seine Eindrücke in zahlreichen Zeichnungen, Aquarellen und Karikaturen in Bild und Schrift fest.“ (http://www.arnswald.de/droste-huelshoff.html)

„1820 Die (freundschaftliche) Beziehung zu dem Göttinger Jura-Studenten Heinrich Straube nimmt auf dem Bökerhof nach einer Intrige ein abruptes und unglückliches Ende; diese ‚Jugendkatastrophe’ hat die 23jährige Droste in den Gedichten Die Taxuswand und Blumentod thematisiert.“ (http://www.droste-gesellschaft.de/cms/?navi=27, vgl. http://www.droste-forum.de/droste-galerie) Das würde bedeuten, dass „Die Taxuswand“ bereits 1820 entstanden ist; richtig ist, dass das Gedicht im Winter 1841/42 entstanden ist (http://www.goethezeitportal.de/wissen/illustrationen/annette-von-droste-huelshoff/gedichte-von-droste-huelshoff-mit-illustrationen-von-gerhard-wedepohl.html, dort auch Bild einer Taxuswand, welches aber m.E. dem Gedicht nicht gerecht wird – die Taxuswand muss die Bank verdecken).

Das Geschehen ist relativ einfach: Das lyrische Ich steht vor einer Taxushecke und spricht freudig sie an; dabei erinnert es sich daran, was ihm diese Hecke und das damit verbundene Liebeserleben einst bedeutet haben, als es jung war. Damit kontrastiert es seinen derzeitigen Zustand: „Nun aber bin ich matt“ (V. 41) und alt, die Liebe ist vorbei (V. 28), es möchte nur noch Ruhe haben.

Ich möchte hier lediglich die Bilder und Metaphern untersuchen, welche das lyrische Ich in der Auseinandersetzung mit der Taxushecke und seinen Erinnerungen verwendet; ich halte mich an die Textgestalt, wie sie der erste Link oben bietet.

„Fläche“ (V. 2) ist ein Bild, das noch sehr nah an der Wirklichkeit einer Hecke ist; „schartiges Visier“ ist ein kühneres Bild aus der Welt ritterlicher Bewaffnung – dass das Visier vor der „Brau[e]“ (V. 4) des Liebsten stand, verdankt sich dem Reim (zu „rauh“); angemessen wäre das Gesicht als der hinter dem Visier befindliche Körperteil.

Es folgt ein Vergleich der Taxushecke mit einem grundierten Tuch (V. 5), der sich durch das ganze Gedicht hinzieht (V. 5-8; V. 30; V.42). „Grundieren“: ‚den grund herstellen‘, besonders ‚den ersten anstrich (aus kreide, leim etc.), die untere farbschicht auftragen‘ (DWB). Auf dieser Grundierung ist dann als Bild der bleiche Krönungszug aufgetragen (V. 7 f.). „Bleich“ ist der Zug, weil er längst vergangen ist (vgl. „kalt“, V. 10; „alt“, V. 12; „fort“, V. 28; „damals“, V. 33). Das Bild des Krönungszugs wird ausgestaltet: Dem Ich gehörte damals die Krone (V. 9 f.), ihm wurde gesungen (V. 11 f.); auch der Vergleich des eigenen Rufs mit dem Hornstoß (V. 23 f.) gehört wohl in den Kontext des Krönungszugs. Das zweite Bild, mit dem die Bedeutung der Taxushecke erfasst wird, ist das vom „Vorhang am Heiligthume“ und vom „Paradiesesthor“ (V. 13 f.); das sind zwei unterschiedliche Bilder aus dem Bereich der Religion, welche die Abgrenzung des weltlichen Außen vom heiligen Innen markieren; diese Abgrenzung wird mit den Blumenbildern Dorn/Blume (V. 15 f.) aufgegriffen und in der 3. Strophe sachlich (grüne Gartenbank…) expliziert.

Das Bild vom Paradiestor ist recht konventionell; das Bild vom Tempelvorhang ist ungewöhnlich – es passt nicht zum Bild vom Krönungszug, und zwar aus zwei Gründen: Erstens ist der Krönungszug etwas Weltlich-Lautes, und zweitens gehört er deswegen vor und nicht hinter den Tempelvorhang. In der 3. Strophe wird das Geschehen hinter den Vorhang verlegt, während der Krönungszug auf dem grundierten Tuch nach der Bildlogik vor dem Vorhang sein müsste. Zu Deutsch: Das grundierte Tuch passt nicht zum Tempelvorhang; im Sinn der Bildlogik hätte die Droste sich etwas bescheidener fassen sollen. Das gilt auch für den Hornstoß (V. 24), der nicht in die reale Idylle der Gartenbank passt.

In der 4. Str. wird die Liebe als zartes „Epheureis“ bezeichnet (V. 25); das passte vielleicht zum Vorhang vor dem Heiligtum. Die Syntax von V. 25-27 verstehe ich nicht, die Längenangabe „Sechs Schritte“ (V. 27) ist vollends unverständlich.

V. 29 wendet das Ich sich von der Vergangenheit in die trübe Gegenwart; „schleichen“ verdankt sich (unpassend) wieder dem Reim, „achtzehn“ dem Rhythmus. „Lebensbuch“ ist ein traditionelles Bild, wozu „Jahre [aus dem Buch] streichen“ (V. 31) passt. Dass die Hecke der „Liebe Thron“ (V. 35) sei, führt zum Bild vom Krönungszug zurück, ist aber sachlich verfehlt: Auf die Taxushecke würde sich wohl niemand gern setzen. Die Bezeichnung „Wächter“ (V. 36) passt jedoch zur Funktion der Abschirmung der Bank vor neugierigen Blicken (vgl. V. 17 f.). Der Kontrast Schlaf/Wachen (V. 37 ff.) passt nicht ganz zum Liebeserleben; hier soll er jedoch vor allem zur Mattigkeit und dem Wunsch nach Ruhe (6. Str.) überleiten. Das Verb „vergleiten“ wird selten gebraucht: ausgleiten, dahingleiten (DWB). „Saum“ (V. 42) ist vom grundierten Tuch (V. 5) genommen; „vergleiten“ passt zum Blattvergleich (V. 43 f.), aber nicht recht zum Saum. Der Vergleich der Taxushecke mit einem Hafen (V. 45 f.) gelingt nicht ganz; hinter der Hecke könnte sich der Bereich der Ruhe eröffnen, aber die Taxushecke selbst erscheint mir nicht wie ein ruhiger Hafen – „Hafen“ verdankt sich dem Reimwort „schlafen“.

Überschaut man die Bilder und Metaphern des Gedichts, so stellt man zwei Schwächen fest: Es sind der Bilder zu viele, sie passen nicht immer zueinander. Zweitens verdanken sich manche nur dem Reim, was eigentlich ein Anfängerfehler ist – meine ich jedenfalls. Die Taxuswand anzusprechen und so die Erinnerung an die vergangene Liebe zu entwickeln, ist allerdings originell.

Eibe/Taxus

http://www.frost-burgwedel.de/index.php?seite=detail/taxus

https://de.wikipedia.org/wiki/Eiben

http://www.baumkunde.de/Taxus_baccata/

http://www.fug-verlag.de/on2314?bildanzeige=7765 (Taxushecke)

http://www.gartenratgeber.net/pflanzen/eiben-taxus-baccata.html (dito)

http://www.emsland.com/emsland/orte/soegel/detail-soegel/detail/klostergarten-clemenswerth.html (dito)

Sonstiges

http://www.nach100jahren.de/ueber-annette-von-droste/ (über die Droste – viele Materialien!)

http://www.deutsche-biographie.de/sfz45558.html (Biografie)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,+Annette+von (Leben und Werke der Droste)

http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/neunzehntes/fruehromantik/droste/start.htm (Leben der Droste, mit Bildern und Gedichten)

http://de.wikipedia.org/wiki/Annette_von_Droste-H%C3%BClshoff (ähnlich)

http://www.der-schwache-glaube.de/?p=952 (dito)

http://www.schultreff.de/biographien/b0139t00.htm (dito, ohne Bilder)

http://www.grupello.de/dateien/C091.pdf („Zu früh, zu früh geboren“ Die Modernität der Droste)

https://archive.org/stream/dielyrikderannet00pfeiuoft/dielyrikderannet00pfeiuoft_djvu.txt (Die Lyrik der Droste – Diss. 1923)

http://www.gedichte.levrai.de/gedichte_von/droste_annette_von_droste_huelshoff.htm (Gedichte der Droste)

http://www.wissen-im-netz.info/literatur/droste/gedichte/index.htm (dito)

http://www.zgedichte.de/dichter_27.html (dito)

http://www.thokra.de/html/droste-hulshoff_5.html (dito)

http://www.dein-eigenes-gedicht.de/ausgewaehlte_gedichte/klassiker/droste.html (dito)

http://www.goethezeitportal.de/wissen/illustrationen/annette-von-droste-huelshoff/gedichte-von-droste-huelshoff-mit-illustrationen-von-gerhard-wedepohl.html (Gedichte mit Illustrationen)

http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000157&author_id=00000080 (Droste im Literaturportal Westfalen)

http://www.xlibris.de/Epochen/Biedermeier (Epoche: Biedermeier)

http://blog.zeit.de/schueler/2012/02/17/thema-literatur-des-biedermeier-1815-1848/ (dito)

http://www.youtube.com/results?search_query=lyrik%20f%C3%BCr%20alle%20Folge%2049&sm=3 (Droste bei Lutz Görner: Lyrik für alle, bis Folge 53!)

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