Bechstein: Die Probestücke des Meisterdiebs – Analyse

Text: http://www.hekaya.de/maerchen/die-probestuecke-des-meisterdiebs–bechstein_70.html

http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=108&titelid=1038 u.ö.

http://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/der_meisterdieb (Brüder Grimm: Der Meisterdieb)

Vgl. https://norberto42.wordpress.com/2013/04/14/der-meisterdieb-ein-literarisches-motiv/

Die Erzählung geht auf eine in Thüringen überlieferte Geschichte zurück, die von Friedrich Stertzing 1843 veröffentlicht wurde; sie wurde von den Brüdern Grimm („Der Meisterdieb“, KHM 192) und von Bechstein aufgenommen und jeweils geringfügig sprachlich verändert (vgl. Bolte-Polívka, Bd. 3, W. 379 ff.). Dieser Schwank hat eine lange Vorgeschichte, die über Straparolas „Die ergötzlichen Nächte“ (ca. 1550) noch hinausreicht und in ganz Europa in verschiedenen Lesarten verbreitet ist. Auch Adalbert Kuhn (1848) hat in seinen Märchen einen anderen Schwank von einem Meisterdieb (http://www.zeno.org/Literatur/M/Kuhn,+Adalbert/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Norddeutsche+Sagen,+M%C3%A4rchen+und+Gebr%C3%A4uche/B.+M%C3%A4rchen/19.+Der+Meisterdieb).

In der ersten Vorgeschichte werden die alten Eltern des Meisterdiebs eingeführt; in der zweiten Vorgeschichte („Nun…, da fuhr zum Dorf herein“) tritt der Dieb auf und begegnet überraschend seinen Eltern. Diese Vorgeschichte ist von mehreren Kontrasten bestimmt: der ungeratene Bube – der vornehme Fremde; die armen alten Leute – der vornehme Fremde; der Spitzbube – der Edelmann auf dem Schloss (als Hüter des Rechts). Über das Gericht Kartoffelhütes und die Kultivierung der jungen Bäume nähert er sich seinen Eltern an.

Da der Edelmann auf dem Schloss der Taufpate des Diebs ist, liegt ein Treffen mit ihm nahe: Aus dieser Spannung wird der Schwank herausgesponnen; der Edelmann ist nämlich erfreut und nicht erfreut, sein Patenkind als Dieb wiederzusehen, und er will „sehen, ob du das Deinige ordentlich gelernt hast, und ein so großer Dieb geworden bist, den man mit Ehren laufen lassen kann, oder nur so ein kleiner, den man an den ersten besten Galgen henkt“ – indirekt eine sozialkritische Sicht des Diebstahls. Die Frage des Edelmanns wird beantwortet, indem der Dieb drei „Proben“ besteht: das Leibpferd des Edelmanns stehlen, ihm das Betttuch unterm Leib und dazu den Ehering seiner Frau stehlen, Pfarrer und Schulmeister aus der Kirche „stehlen“ und in einem Sack in den Schornstein hängen. Das führt der Dieb in drei Nächten aus.

Als Abschluss der Erzählung dient die Begegnung des erfolgreichen Diebs mit dem Edelmann sowie dessen Anerkennung und „Lohn“, wobei der Dieb den Edelmann erneut hereinlegt. Die Vorgeschichte wird aufgenommen, indem der Dieb mitsamt den Eltern Abschied nimmt, um später ein ehrlicher und angesehener Mann zu werden – eine moralische Wendung zum Schluss.

Dieser Schwank besticht durch die Listen des Diebs, an denen sich die Hörer erfreuen; sie ergreifen die Partei des Diebs, zumal da die Geschädigten zu den hohen Herren zählen (Edelmann, Pastor). Man kann den Schwank gut in Kl. 5 und 6 vorlesen. Die Geschichte vom Diebstahl des Betttuchs erzählt auch Johann Peter Hebel: „Wie der Zundelfrieder und sein Bruder dem roten Dieter abermal einen Streich spielen“; diese Geschichte habe ich oft in Kl. 5/6 vorgelesen.

http://www.maerchen.com/ludwig-bechstein.htm (Bechstein: Deutsches Märchenbuch, 1845)

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_M%C3%A4rchenbuch (Deutsches Märchenbuch, Ausgabe letzter Hand 1857)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Bechstein,+Ludwig/M%C3%A4rchen/Deutsches+M%C3%A4rchenbuch (dito)

https://de.wikipedia.org/wiki/Neues_deutsches_M%C3%A4rchenbuch (Neues deutsches Märchenbuch, 1856)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Bechstein,+Ludwig/M%C3%A4rchen/Neues+deutsches+M%C3%A4rchenbuch (dito)

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